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DFB-Pokal:Bayern bekommt Düren zu spüren

Thomas MUELLER, MÜLLER, FCB 25 celebrates his goal, happy, laugh, celebration, 2-0, 11m, Douglas COSTA, FCB 11 Marc ROC

Alte und neue Bayern beim Jubel (von links): Eric-Maxim Choupo-Moting, Thomas Müller, Douglas Costa, Marc Roca und Javi Martínez.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Die Münchner müssen gegen den Fünftligisten mehr Aufwand betreiben als gegen so manchen Bundesliga-Gegner. Trainer Flick bringt fünf Zugänge und einige nutzen ihre Chance.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Es dauerte dann etwas länger als erwartet, bis eine Frage beantwortet war, die den FC Bayern in den vergangenen Tagen beschäftigt hatte. Douglas Costa bekam den Ball kurz vor der Pause im Mittelfeld zugespielt, etwa 30 Meter Torentfernung, und er sah jetzt die Zeit gekommen, zum ersten Mal an diesem Abend: Er tanzte mit einem Übersteiger am ersten Gegenspieler vorbei, dann am zweiten, er lief schräg aufs Tor zu - und schoss nicht etwa mit rechts, wie das herkömmliche Fußballer wohl getan hätten. Douglas Costa schnitt den Ball natürlich mit dem linken Außenrist an.

Kevin Jackmuth, der Torhüter des Fünftligisten 1. FC Düren, konnte den Schuss zwar parieren, aber damit war das geklärt: Costa, 30, für ein Jahr zur Leihe von Juventus Turin nach München zurückgekehrt, wo er von 2015 bis 2017 schon einmal spielte, hat seine Spielweise nicht großartig verändert. Er ist immer noch der Trickser, der er früher schon war. Um das herauszufinden, darum ging es am Donnerstagabend ja unter anderem.

Die Münchner haben in der ersten DFB-Pokalrunde Düren mit 3:0 (2:0) geschlagen, es war etwas schwerer als gedacht und zwischenzeitlich durchaus mal kurz davor, ein bisschen peinlich zu werden. Aber mehr als um den Einzug in die zweite Runde, von dem man ja vorher durchaus ausgehen durfte, ging es um die ersten Eindrücke der Zugänge, die der Rekordmeister kurz vor Transferschluss vor rund eineinhalb Wochen noch verpflichtet hatte. Und die der Trainer Hansi Flick nun allesamt von Beginn an brachte: Neben dem Flügelstürmer Costa waren das der Rechtsverteidiger Bouna Sarr, der zentrale Mittelfeldspieler Marc Roca und der Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting.

Sie sollen dem Kader des Champions-League-Siegers die Breite verschaffen, die er nach allgemeinem Dafürhalten in dieser durch den Corona-Terminplan so vollgepackten Saison benötigt. Und das Spiel am Donnerstag, ein Nachholspiel der ersten Runde, für das Düren mit den Münchnern das Heimrecht getauscht hatte, war dafür ja ein anschauliches Beispiel: Innenverteidiger Niklas Süle stand zum Beispiel in der Startelf, obwohl er am Dienstag noch beim 3:3 der Nationalelf gegen die Schweiz auf der Bank gesessen hatte - das immerhin 90 Minuten -, auch am Donnerstag gegen Düren spielte er nur die erste Halbzeit lang. Die anderen Nationalspieler wurden aber von Beginn an vertreten, unter anderem der Torwart Manuel Neuer, wodurch erstmals der im Sommer vom FC Schalke 04 verpflichtete Alexander Nübel im Tor stand. Falls er gedacht haben sollte, dass es sich um ein ruhiges Debüt handeln würde, dann hatte sich Nübel allerdings getäuscht.

"Düren spüren", so lautet das Vereinsmotto des Fünftligisten, so stand es auf dem an der Arena geparkten Teambus. Und Nübel spürte Düren schon nach 23 Sekunden: Da fing er einen Kopfball des Stürmers Marc Brasnic. Und Nübel hatte noch Glück, dass der frühere Jugendspieler von Bayer Leverkusen den Ball freistehend nicht besser platziert bekam. Brasnic schlug vor Ärger auf den Rasen, er wusste: Er hatte die Chance zum womöglich wichtigsten, in jedem Fall aber aufsehenerregendsten Tor seines Lebens vergeben.

1. FC Dueren v FC Bayern Muenchen - DFB Cup: First Round

Choupo-Moting erzielt das 1:0.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Dass es sich bei den Fußballern aus dem Kölner Umland um ausgesprochen ambitionierte Amateure handelt, das bekamen die Münchner allerdings noch ein paar Minuten länger zu spüren. Düren griff früh an, mutiger, als es so mancher Bundesligist in der Arena in den vergangenen Jahren getan hat. Und es dauerte, bis der Favorit die ersten Chancen hatte. Als es so weit war, waren dann allerdings gleich die Neuen beteiligt: Nach zwölf Minuten spielte Rechtsverteidiger Sarr Thomas Müller frei, der den Ball im Strafraum nicht kontrollieren konnte. Über Sarr, 28, von Olympique Marseille gekommen, weiß man ja bislang nicht so viel, außer dass er mal ein Rechtsaußen war und dann zum Verteidiger umgeschult wurde. Dass er schnell ist und in der Offensive seine Stärken hat, das bestätigte er am Donnerstag zum ersten Mal. In der 24 Minute spielte er nach einem Sprint über rechts, eingesetzt von Costa, den Ball in die Mitte auf Choupo-Moting, der zum 1:0 traf.

Der Mittelstürmer, 31, als Ergänzung für den womöglich auch mal müden Robert Lewandowski gekommen, hatte davor schon zwei Chancen vergeben und blieb auch nach seinem Treffer aktiv. Er holte den Elfmeter heraus, den Müller in der 36. Minute zum 2:0 verwandelte. Und nach 75 Minuten war es wieder Choupo-Moting, der mit einem Schuss aus der Drehung zum 3:0 traf. Kurz darauf ging der gebürtige Hamburger schließlich für einen anderen Hamburger vom Platz, den die Münchner auch schon mal als möglichen Ersatzstürmer der Zukunft verpflichtet hatten: Jann-Fiete Arp, 20. Choupo-Moting dürfte in naher Zukunft erst mal eine wichtigere Rolle spielen.

Blieben also noch Roca, 23, der als souveräner Passgeber im Mittelfeld die erwartet unspektakuläre Partie absolvierte - und Costa. Dem wurde allerdings gegen Ende, als der Sieg nicht mehr annähernd in Gefahr geriet, von zwei 17-Jährigen die Show gestohlen. Er wurde für Armindo Sieb ausgewechselt, der später verletzt wieder ausgewechselt werden musste. Und Jamal Musiala dribbelte im Strafraum sogar drei Dürener aus, bevor er den Pfosten traf.

© SZ vom 16.10.2020
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