Keine Kontinuität in der Mannschaft, ein falscher Umgang mit der Personalie Manuel Neuer, und viel zu viel Gerede in der Öffentlichkeit: Uli Hoeneß hat die Arbeit von Bundestrainer Julian Nagelsmann einer teils scharfen Generalkritik unterzogen. Er wolle grundsätzlich „nicht so ein Nagelsmann-Bashing machen“, sagte der Patron des FC Bayern im Podcast „Auf eine weiß-blaue Tasse“ mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder – und tat es dann doch.
Das Thema Neuer etwa hätte ein Bundestrainer Hoeneß „ganz anders angepackt“, sagte der 74-Jährige: „Ich hätte ganz klar gesagt: Wir spielen jetzt mit Baumann oder Nübel und wir warten ab, wie die Entwicklung ist. Weil den Manuel Neuer hätte man ohne das Theater auch noch vier Wochen vor der WM nominieren können, und er hätte gespielt wie einst im Mai.“
Bei Nagelsmann bestehe „oft die Gefahr, dass viele Dinge in den Medien zerredet werden, dass er viel zu viele Dinge über die Medien macht“, kritisierte Hoeneß und nannte das Beispiel des Stuttgarter Stürmers Deniz Undav, den der Bundestrainer öffentlich „diskreditiert“ habe. „Du musst heute deine Probleme intern lösen. Die Medien sollen wieder selber arbeiten. Denen musst du nicht jeden Tag Futter geben.“ Bayern-Trainer Vincent Kompany werde man „nie, nie über einen Spieler schlecht reden hören, selbst wenn er der Meinung ist, den kann er nicht gebrauchen“.
Neuer empfiehlt er, ein Patronat für Jonas Urbig zu übernehmen
Nagelsmann werfe er vor, „dass er jetzt noch junge Spieler dazu holt und testet, um den Medien gerecht zu werden“. Deutschland habe „nicht die beste Mannschaft auf der Welt, aber es kann trotzdem ein erfolgreiches Team sein, wenn jeder für jeden rennt, wenn sie ein Team sind“. Das sei nur zu erreichen, wenn die Elf eingespielt sei. „Das fehlt mir im Moment: Kontinuität.“ Deshalb würde Hoeneß „selbstverständlich“ auch auf das Münchner Duo Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic im DFB-Mittelfeld setzen.
In der Zukunftsfrage um Neuer beim FC Bayern würde sich Hoeneß wünschen, dass der 40-Jährige seinen im Sommer auslaufenden Vertrag noch einmal verlängert. „Wenn es nach mir geht, würden wir versuchen, ihn noch ein Jahr zu behalten und ihn zu bitten, ein Patronat für den (Jonas) Urbig zu machen“, erzählte Hoeneß.
Bei dieser „Patenschaft“ soll dann Neuer in der nächsten Saison immer wieder auf Einsätze zugunsten seines 22 Jahre alten Stellvertreters verzichten. Von Urbig halte man im Verein „sehr viel“, meinte Hoeneß, der anfangs von dem früheren Kölner aber nicht überzeugt gewesen sei. Mittlerweile traue ihm Hoeneß aber das Erbe Neuers zu.
Ebenfalls Kritik bekam Bayerns ehemaliger Coach Thomas Tuchel ab, dem Hoeneß nicht zum ersten Mal dessen Auftritte bei Pressekonferenzen und die Kritik an den eigenen Spielern während seiner Amtszeit in München ankreidete – garniert mit einer erstaunlichen Anekdote: „Den (Josip) Stanisic hat er mal gefragt, ob er Deutsch kann“, erzählte Hoeneß. Dabei ist Stanisic gebürtiger Münchner, der seine ganze Jugend beim FC Bayern verbracht hat. Das seien Dinge, die nicht gingen. Wenn unter Tuchel „nicht gut gespielt wurde, hat der sich nie selbst hinterfragt, sondern da war immer die Mannschaft schuld“, sagte Hoeneß. Unter anderem darin liege ein großer Unterschied zu Nachfolger Vincent Kompany.


