FC Bayern:Das politischste Trainingslager der Bundesliga

FC Bayern München  - Trainingslager

Auch in diesem Jahr reist der FC Bayern ins Trainingslager nach Katar.

(Foto: dpa)

Was gegen die Reise des FC Bayern nach Katar spricht, bleibt Jahr für Jahr gleich. Die Botschaft des Vereins droht weiter an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

An diesem Dienstag landet am Hamad International Airport von Doha der FC Bayern, er landet dann mitten im Spannungsfeld, in dem sich das Emirat Katar befindet. Der Flughafen ist modern und prunkvoll. Der Flughafen steht aber auch für das, wofür Katar international kritisiert wird: Für Gastarbeiter ist er ein Sehnsuchtsort, für die Ausreise brauchen sie die Genehmigung ihres Arbeitgebers; gerade schlecht bezahlten Arbeitern wird sie oft verweigert. Wenn aber der FC Bayern in Doha landet, dann landet er auf einem Flughafen, mit dem er einen millionenschweren Werbevertrag abgeschlossen hat.

Sieben Tage wird sich der Klub in Doha auf die Rückrunde vorbereiten, zum siebten Mal in Serie, es ist das politischste Trainingslager der Bundesliga. In diesem Jahr fliegt der Verein erstaunlich selbstverständlich an den Golf; im Dezember 2015 hatte Klubboss Karl-Heinz Rummenigge noch reflektiert über das Reiseziel gesprochen. Ein Trainingslager sei "keine politische Äußerung"; niemand solle "Dinge vermischen, die nicht zusammengehören". Dabei passiert jeden Januar genau das: Es vermischen sich zwei Dinge, die nicht zusammengehören - Katar und der FC Bayern.

Katar steht für vieles, was der FC Bayern ablehnt

Was gegen diese Reise spricht, bleibt Jahr für Jahr gleich, und doch sollte es nie wie selbstverständlich ignoriert werden. Katar wird regelmäßig für Menschenrechtsverletzungen kritisiert; im Dezember hatte Amnesty International gerügt, dass die jüngste Arbeitsrechtsreform die Situation mancher Gastarbeiter verschlimmert habe - so können Arbeitgeber den Reisepass von jedem Beschäftigten einfach einbehalten. Auch ist das Land in Korruptionsfälle verwickelt. Kurz: Es steht für ziemlich viel von dem, was der FC Bayern ablehnt.

Zum Selbstverständnis des Klubs gehört es, ein gesellschaftlicher Player sein zu wollen, für ein freiheitliches Wertesystem zu stehen, mehr zu sein als ein gewöhnlicher Sportverein. So sagte Rummenigge vor einem Jahr, der FC Bayern komme ja nach Doha mit "der Botschaft von Integration und freier Lebensgestaltung". Dort seien eben die Bedingungen die besten. Und die Bundesregierung habe milliardenschwere Deals mit Katar abgeschlossen, und wer könne moralischer sein als die Bundesregierung? Diese Argumentation des Klubs ist schlüssig - solange eine Frage außen vor bleibt: Warum mit der Botschaft von Integration und freier Lebensgestaltung nicht in ein Land reisen, in dem diese auch gehört wird? Und sei es nach Spanien, wie viele andere gewöhnliche Sportvereine auch.

Der FC Bayern will mit Entscheidern in Doha reden und still Veränderungen herbeiführen. Gelingt das, wäre das zwar eine politische Äußerung, aber eine bemerkenswerte. Wenn aber nichts passiert, verliert die Botschaft der Bayern jeden Januar weiter an Glaubwürdigkeit.

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