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Coutinho beim FC Bayern:Sogar Robben stimmt zu

Philippe Coutinho am Montag im Bayern-Trikot in der Arena.

(Foto: AFP)
  • Durch die Leihe von Coutinho löst der FC Bayern gleich zwei Probleme.
  • Er bekommt mehr Kreativität für das bisweilen vorhersehbare Offensivspiel - und er hat einen Spieler geholt, der die Transferbemühungen rettet.
  • Coutinho erhält eine wichtige Rückennummer: die Zehn von Arjen Robben, die der Klub in dieser Saison eigentlich nicht vergeben wollte.

Montagmittag an der Münchner Arena. Ein paar Familien sind auf der Rampe vor dem Stadion unterwegs, die Kinder tragen Trikots mit Nummern, die jeder Fan des FC Bayern zuordnen kann. Die 25 - Thomas Müller. Die 22 - Serge Gnabry. Die 9 - Robert Lewandowski. In der Arena sind auf den Rängen nur wenige Dutzend Menschen, sie haben eine Führung gebucht, nun bekommen sie eine Zugabe.

Auf den Rasen läuft ein Mann in kompletter Bayern-Montur, rote Stutzen, rote Hose, rotes Trikot, auf seinem Rücken die Nummer 10. Die 10, das ist die einfachste Übung, jeder weiß, wer beim FC Bayern in den vergangenen zehn Jahren die heilige 10 getragen hat, Arjen Robben natürlich, der Siegtorschütze beim Titelgewinn in der Champions League 2013.

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Der Mann im Trikot mit der Nummer 10, der am Montag auf den Rasen läuft, der den Ball jongliert, fünfmal, zehnmal, zwanzigmal, ist aber acht Zentimeter kleiner als das Original, er hat mehr Haare auf dem Kopf, obendrein ein paar am Kinn, und er zieht auch nicht von der rechten Seite in die Spielfeldmitte, um dann den Ball im Tor zu versenken. Die bayerische Nummer 10 trägt seit diesem Montag aber auch nicht mehr Arjen Robben. Die Nummer 10 trägt für mindestens ein Jahr Philippe Coutinho, 27 Jahre alt, 172 Zentimeter groß, brasilianischer Nationalspieler, für eine Saison ausgeliehen vom FC Barcelona.

Arjen Robben "hat damit überhaupt kein Problem"

Sportdirektor Hasan Salihamidzic, erzählt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im Pressesaal der Arena, habe am Vormittag Robben angerufen. Nachdem der Niederländer im Sommer seine Karriere beendet hat, hatten sie sich im Verein vorgenommen, seine Nummer für diese Saison nicht zu vergeben, wie auch die 7 von Franck Ribéry, der ebenfalls nicht mehr zum Kader gehört (und noch einen Klub sucht), "als große Geste unseren Spielern gegenüber", sagt Rummenigge. In jenem Telefonat teilte Salihamidzic Robben mit, dass sie diese große Geste doch nicht einhalten können, wegen Coutinho. Robben, zitiert ihn Rummenigge, "hat damit überhaupt kein Problem, er wünscht Philippe alles Gute. Er ist ein mehr als würdiger Nachfolger für das Trikot mit der Nummer 10". Und zumindest beim letzten Satz ist nicht ganz klar, ob das so Robben gesagt hat, oder ob das nur Rummenigge so sagt.

Mächtig stolz sind sie am Montag beim FC Bayern auf sich selbst. Als Coutinho den Pressesaal betritt, folgt ihm eine Busladung an Menschen, seine Frau Aine, seine Berater, weitere Begleiter. Unter all diesen Menschen versteckt sich auch mehr oder weniger gut getarnt Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der in den Zuschauerrängen Platz nimmt. Auf dem Podium sitzt Coutinho - noch zivil mit blauem Anzug und schwarzem T-Shirt - in der Mitte, neben ihm Rummenigge und Salihamidzic. Der Sportdirektor wirkt so gelöst wie vielleicht noch nie in seinen knapp zwei Jahren im Amt, er sitzt ganz aufrecht, vielleicht schwebt er, so genau ist das nicht zu unterscheiden. Salihamidzic sagt: "Das ist schon ein Transfer, der dem FC Bayern gut zu Gesicht steht."

Coutinho löst für die Bayern mehrere Probleme auf einmal. Da ist das sportliche Problem, dass das Offensivspiel des Teams unter Trainer Niko Kovac bisweilen arg vorhersehbar war. Auch beim 2:2 gegen Berlin zum Liga-Auftakt am Freitag liefen die meisten Angriffe über die Flügel, durchs Zentrum kam fast gar nichts. In der Mitte, sagt Salihamidzic über Coutinho, "ist seine Position, auf der er seine Kreativität, die er lebt, vorzeigen kann, und das ist wichtig für unsere Mannschaft". Salihamidzic spricht von Bällen, die Coutinho "durchstecken" könne und auch davon, dass dieser "unsere Spitzen" besser bedienen könne.

Coutinho sagt: "Meine Lieblingsposition, um mein Bestes geben zu können, ist die Zehnerposition, weil ich mich da auch am besten bewegen kann." Wo er spielt, werde aber der Trainer entscheiden. (Was ein bisschen Spannung verspricht, denn im aktuellen System hat Kovac keinen Zehner vorgesehen.) Das ebenfalls nicht unerhebliche zweite Problem, das Coutinho löst, ist das mit der Transferbilanz des Klubs.