Coutinho beim FC Bayern:Was Tostão über Coutinho sagt

Bislang war ein solcher Status für Coutinho eine Last. "Coutinho ist ein großartiger Spieler. Aber um ihn herum ist eine Erwartungshaltung entstanden, der er gar nicht gerecht werden kann. Er ist kein Neymar, kein Messi, kein Ronaldo", sagt Experte Tostão. Was nicht heißt, dass er nicht auch gerne zuschaue, wenn Coutinho auf engem Raum dribbelt, oder von der Außenlinie nach innen zieht, um einen zumeist spektakulären Abschluss zu suchen. Auf Videozusammengeschnitten ist Coutinho eine Augenweide. "Er sorgt immer wieder für überragende Augenblicke. Aber es bleiben zu oft Momente. Es fehlt ihm an Beständigkeit", sagt Tostão. Zu Beginn des Jahres zählte der argentinische Fußballphilosoph Jorge Valdano den Brasilianer in der Zeitung El País zu den Spielern, die "eine fast tragische Beziehung zum Spiel" haben, weil ihre "Schüchternheit es ihnen nicht erlaubt, sich mit Natürlichkeit auszudrücken". Bei vielen Bällen, die Coutinho berühre, "nimmt man eine Unentschlossenheit wahr, die am Ende den Spielzug dahinschmelzen lässt".

Andererseits: Es gab auch einen anderen Coutinho, vor allem in Liverpool unter Jürgen Klopp. Nach enttäuschenden Engagements bei Inter Mailand und Espanyol Barcelona war der Familienmensch Coutinho im Januar 2013 an die Anfield Road gewechselt und wurde dort zum umjubelten Helden. Doch ab 2017 wurde Coutinho für die Reds zu einem Problem. Er meldete sich mit mysteriösen Verletzungen ab; seinerzeit gab es die begründete Vermutung, dass er seinen Transfer nach Katalonien erzwingen wolle. Im Januar 2018 landete er schließlich in Barcelona.

Coutinho wurde zwischen Jordi Alba und Messi zermalmt

Bei Barça rollten sie ihm damals den roten Teppich aus. Stürmer Luis Suárez, der mit Coutinho in Liverpool zusammengespielt hatte, nahm ihn bei der Hand, was von Bedeutung ist, weil Suárez bei Barça der beste Freund von Lionel Messi ist. Anders als Neymar wurde Coutinho aber nicht Teil des Messi-Clans; gleichzeitig suchte er auf dem Feld vergeblich nach einer Parzelle, auf der er sein Talent ausschöpfen konnte. Das lag nicht nur an ihm: Mittelfeldspieler haben es wegen der dominanten Rolle Messis schwer, sich in Barças System einzufügen.

Coutinho wurde zwischen dem linken Außenbahnspieler Jordi Alba und dem von rechts nach innen ziehenden Messi zermalmt. Auch privat lief es nicht gut: Mal wurde bei ihm eingebrochen, dann wurde sein Auto vor der Sagrada Familia abgeschleppt. Die Folge: ausdruckslose Auftritte, Kritik der Medien, das Zerwürfnis mit den Fans. Nach einem Tor gegen Manchester United hielt er sich im Camp Nou die Ohren zu. Und war damit bei Barças Fans unten durch, trotz 21 Toren in 76 Spielen. Beim 0:4 im Rückspiel im Halbfinale der Champions League in Liverpool verschwand Coutinho komplett, wie die meisten seiner Mitspieler.

Ob er nun seinen Platz in München findet? Hinter den Spitzen, womöglich anstelle von Thomas Müller? Grundlegend dafür, dass der sensible Coutinho seine Kunst zum Vorschein bringt, ist jedenfalls, dass er sich wichtig fühlt. So gesehen lassen sich die Bayern derzeit vom richtigen Instinkt leiten: Sie überhäufen ihn mit Lorbeeren. Coutinho werde "das Offensivpotenzial, das wir schon haben, mit seiner technischen Qualität aufwerten", sagte Rummenigge. "Wir bieten unseren Fans etwas Spektakuläres", sprach Salihamidzic. Und Trainer Niko Kovac befand, dass sich "komplett Deutschland" freuen könne, "so einen Topspieler hier in der Liga begrüßen zu dürfen".

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FILE PHOTO: La Liga Santander - Barcelona v Villarreal

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