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Positiver Test bei Süle:Wie es nach dem Corona-Fall beim FC Bayern weitergeht

FC Bayern Muenchen v Atletico Madrid: Group A - UEFA Champions League

Muss in Quarantäne: Bayern-Verteidiger Niklas Süle.

(Foto: Getty Images)

Niklas Süle hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Dürfen die Münchner trotzdem gegen Salzburg spielen? Und was ist, wenn weitere Profis positiv getestet werden? Fragen und Antworten.

Von Tim Brack

Wie sieht die Ausgangslage aus?

Der Bayern-Spieler Niklas Süle wurde am Montag positiv auf das Coronavirus getestet. Dem 25-Jährigen geht es nach Angaben seines Klubs "gut". Er befinde sich in häuslicher Isolation.

Welche Auswirkungen hat der Fall?

Am Dienstagabend soll das Champions-League-Spiel in Salzburg ausgetragen werden. Der FC Bayern muss nun sichergehen, dass kein weiterer Spieler des Kaders infiziert ist. Generell müssen dem europäischen Fußbalverband Uefa spätestens sechs Stunden vor Anpfiff die Ergebnisse der Spieler vorliegen, die im Kader stehen. Es dürfen nur jene Profis in den Bus zum Stadion steigen, deren Test negativ ausfällt. Eine Austragung der Partie gegen die Österreicher ist also nicht zwangsläufig in Gefahr.

Ist es der erste Corona-Fall beim FC Bayern?

Jein. Vor rund zwei Wochen wurde Serge Gnabry positiv getestet. Später stellte sich heraus, dass der Befund falsch war. Der Stürmer verpasste dennoch die Spiele gegen Atlético Madrid und Eintracht Frankfurt, weil er in Quarantäne festsaß. Auch Gnabrys Offensivkollege Kingsley Coman hatte Mitte September in häusliche Quarantäne gemusst, weil er Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatte. Trotzdem waren die Bayern im Gegensatz zu etlichen Top-Klubs in Europa - etwa Juventus Turin mit dem mehrmaligen Weltfußballer Cristiano Ronaldo - bislang von Infektionen mit Sars-CoV-2 verschont geblieben.

Was passiert, wenn jetzt bei weiteren Bayern-Spielern das Coronavirus nachgewiesen wird?

Positive Corona-Tests innerhalb einer Mannschaft führen laut Uefa-Reglement nicht zwangsläufig zu Spielabsagen. Stehen mindestens 13 Spieler zur Verfügung (einschließlich mindestens einem Torhüter), muss die Partie am geplanten Termin ausgetragen werden. Die Uefa setzt diese Regel bislang rigoros um. Maccabi Tel Aviv etwa musste trotz elf Corona-Fällen im Kader in der Champions-League-Qualifikation gegen Salzburg antreten. Tel Aviv verlor beide Spiele.

Und wenn nur noch zwölf oder weniger Bayern-Profis zur Verfügung stehen?

Die Klubs dürften laut Uefa-Reglement auch Spieler einsetzen, die nicht für die Champions League gemeldet sind, aber für den Verein spielen und negativ auf Corona getestet wurden. Die Münchner könnten sich also rein theoretisch auch mit Akteuren aus der zweiten Mannschaft behelfen. Im Freundschaftsspiel gegen Frankreich nominierte der ukrainische Nationaltrainer Andrej Schewtschenko seinen Torwarttrainer Alexander Schowkowski und setzte ihn auf die Bank, weil ihm sonst Spieler gefehlt hätten.

Wird sicher gespielt, wenn die Anforderungen der Uefa erfüllt sind?

Das hängt auch von den örtlichen Behörden ab. Bei einer Anordnung zur Quarantäne der kompletten Mannschaft oder erheblichen Teilen davon könnte das Spiel nicht stattfinden. In München ist dafür das Referat für Gesundheit und Umwelt zuständig.

Wie geht es weiter im Falle einer Spielabsage?

Dann muss die Partie auf einen neuen Termin verschoben werden. Das könnte zu erheblichen Problemen führen, da diese Saison aufgrund des Coronavirus bereits sehr verdichtet ist. Der Uefa bleiben nur wenige Ausweichtermine, im Januar gibt es einen Zeitraum von drei Wochen. Deswegen ist der Verband auch wenig verständnisvoll bei Corona-Fällen. So gelten Reisebeschränkungen nicht als Grund für eine Spielabsage. Die Uefa verpflichtet die Klubs, frühzeitig auf eventuelle Schwierigkeiten hinzuweisen, um einen anderen Spielort zu finden und den Spielbetrieb zu garantieren.

Im Notfall kann der Verband auch Partien mit 3:0 gegen einen Klub werten, weil dieser wegen Corona nicht antreten kann oder nicht alles zur Austragung getan hat. Das ist in den Qualifikationen für die europäischen Klubwettbewerbe schon den kosovarischen Mannschaften KF Drita und FC Prishtina passiert.

Mit Material von sid und dpa

© SZ.de/chge
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