Süddeutsche Zeitung

Jugendfußball:FC Bayern zieht Konsequenzen nach Rassismus-Vorfall

Der Klub erklärt die Untersuchung der Affäre am Nachwuchsleistungszentrum für abgeschlossen und trennt sich offenbar von einem weiteren Jugendtrainer.

Von Sebastian Fischer

Den Fans war es zu wenig, was ihr Klub bisher öffentlich gegen die schweren Vorwürfe unternommen hatte. "Keine Aufklärung, keine Konsequenzen, nur Aussitzen. #RotgegenRassismus: Reine Heuchelei", das hatten Anhänger des FC Bayern auf Transparente geschrieben, die sie vergangenen Woche an einer Mauer des Nachwuchsleistungszentrums des Vereins aufhängten. Dort, am sogenannten Campus, spielt eine Geschichte, die den Rekordmeister empfindlich traf: Rassismusvorwürfe gegen Jugendtrainer. Am Freitag hat der Klub nun bekanntgegeben, was in den vergangenen Wochen seit Öffentlichwerden der Vorwürfe Anfang August angekündigt worden war: Konsequenzen.

"Der FC Bayern München ist in den vergangenen Wochen Rassismus-Vorwürfen gegen Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) nachgegangen", so lautet der erste Satz einer Mitteilung auf der Vereinswebseite, und schon damit hatte der FC Bayern, zumindest auf diesem Wege, mehr mitgeteilt als zuvor. Bislang hatten die Münchner nach den Berichten des WDR-Magazins "Sport Inside" über massiv rassistischen Sprachgebrauch, belegt durch Chatprotokolle in einer Whatsapp-Gruppe, lediglich ohne Angaben von Gründen eine "einvernehmliche" Trennung von einem Jugendtrainer bekanntgegeben, der im Mittelpunkt der Vorwürfe steht und sich inzwischen vor dem Arbeitsgericht gegen die Trennung wehrt, obwohl an der Echtheit der Chats, in denen sich Trainer und Scouts unter anderem über die Sichtung von Spielern austauschten und Begriffe wie "Drecks-Türke" oder "Kanake" benutzten, kein Zweifel besteht.

Nun heißt es in der Mitteilung, dass die Aufarbeitung des Falls durch Personal- und Rechtsabteilung des FC Bayern seit Donnerstag abgeschlossen sei. Das Ergebnis: Es seien Vorgänge ermittelt worden, "die gegen arbeitsrechtliche Pflichten verstoßen haben, mit der Haltung des FC Bayern nicht übereinstimmen und zu Konsequenzen führen", und zwar zu "strukturellen Veränderungen und einem personellen Neuanfang für die Jugendmannschaften U9 bis U15", für die besagter Trainer tätig gewesen war. "Der FC Bayern hat die notwendigen Schritte bereits eingeleitet", heißt es weiter. Nach "Sport Inside"-Informationen zählt dazu auch die Trennung von einem weiteren Trainer, der als engster Vertrauter des bereits entlassenen Trainers galt und sich bereits am Donnerstag von den Mitarbeitern verabschiedet habe. Dazu äußert sich der FC Bayern nicht.

Belegt ist durch die Chatprotokolle, dass die Wortwahl in der Gruppe mit wechselnder Zusammensetzung unwidersprochen blieb und teils mit Smileys kommentiert wurde. Nach SZ-Informationen wurden weitere Mitglieder der Chatgruppe abgemahnt. Laut Mitteilung sollen in Zukunft Schulungsprogramme entwickelt werden, außerdem die Verantwortung auf mehrere Personen verteilt und die "Bedeutung der Anlaufstellen für Probleme (...) neu positioniert" werden. Offenbar hatten solche Anlaufstellen bislang nicht funktioniert. Anonym war gegenüber dem WDR der Vorwurf formuliert worden, der Trainer habe ein Klima geschaffen, in dem sich niemand traute, ihm zu widersprechen.

In der Klub-Mitteilung findet sich auch der Hinweis: "Weitere öffentlich erhobene Vorwürfe haben sich nicht bewahrheitet." Damit dürften Vorwürfe gemeint sein, der entlassene Trainer habe sadistische Trainingsmethoden angewendet. Außerdem war von einer Zusammenarbeit zwischen dem Trainer und einem Spielerberater die Rede gewesen, weshalb zwischenzeitlich die Staatsanwaltschaft neben des Verdachts der Volksverhetzung auch wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelte. Letzteres Verfahren wurde Ende September eingestellt.

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Quelle:
SZ vom 17.10.2020/schm
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