FC Bayern vor dem Duell in Dortmund Der Gegenteil eines Kaders im Umbruch

Gegen Athen spielte erstmals seit dem 0:3 der deutschen Nationalelf gegen die Niederlande die Innenverteidigung aus Boateng und Hummels gemeinsam, wobei Boateng oft bedrohlich humpelte, wenn er nach einem Zweikampf wieder aufstand. Es spielte auf Linksaußen Ribéry, 35, der nach seinen wenigen Dribblings kaum mal torgefährlich wurde. Und es stürmte vorne Lewandowski, 30, der mit einem Tor nach einem Elfmeter, den er selbst herausholte, und einem zweiten Tor nach einer Ecke das Spiel entschied. Der Kader des FC Bayern ist mit 27,3 Jahren im Schnitt der älteste und mit 23 Spielern der kleinste in der Bundesliga. Der Kader ist also wenn überhaupt ein Kader vor dem Umbruch.

Es hat die vergangenen Wochen ja auch erschwert, dass der FC Bayern einen Generationswechsel im Sommer aufgeschoben hat, indem er etwa die Verträge mit Ribéry und dem (zurzeit angeschlagenen) Arjen Robben, 34, verlängerte. Denn so muss Kovac - in der Tat ein junger Trainer, der sich beim FC Bayern erst in ein schwieriges Metier hineinarbeiten muss - eine Mannschaft voller nicht gerade uneitler Persönlichkeiten bei Laune halten. Als er vor dem Spiel darauf angesprochen wurde, dass seit Wochen immer wieder Interna aus der Mannschaft und Trainerkritik in der Bild-Zeitung stehen, da verglich er seine Situation mit jener des von Verrätern ermordeten Cäsar. Er sagte: "Wir müssen zusammenhalten, vom Zeugwart bis zum Trainer." Hoeneß nannte die Debatte um sogenannte Maulwürfe nun "ein Geschwür, das man nicht mehr los wird". Seine vor Wochen getroffene Aussage, den Trainer "bis aufs Blut" zu verteidigen, gelte immer noch. Wer ein Spiegelbild der vergangenen unruhigen Wochen sehen wollte, wurde auch gegen Athen durchaus fündig. In der ersten Halbzeit fiel den Bayern im Spiel nach vorne kaum etwas ein, der Elfmeterpfiff vor dem 1:0 war schmeichelhaft, und Athen kam zwar zu sehr wenigen, aber gar nicht mal schlechten Torchancen. Wenn Kovac an der Seitenlinie zaghaft mit einer Hand die Richtung wies oder hie und da forderte, über die Außen zu spielen, dann bildete das durchaus den taktischen Hauptkritikpunkt ab, es fehle der Mannschaft unter seiner Leitung an einer erkennbaren offensiven Spielidee. Darauf angesprochen, wich Kovac in der Pressekonferenz aus, er sagte: "Entscheidend ist, dass man als Trainer gewinnt, das haben wir getan."

Es gab dann aber auch die bessere zweite Halbzeit, in der ein weiteres Tor hätte fallen können. Und es gab auffällig viele Szenen wie jene nach dem 1:0, in der sich die Spieler gegenseitig applaudierten. Szenen, von denen es in der Vergangenheit auffällig wenige gegeben hatte. Als Hummels den besten Angriff des Spiels mit einer Grätsche und einem Pass in die Tiefe einleitete, da applaudierte ihm Müller, und David Alaba tätschelte ihm den Nacken.

Solche Aktionen seien die Basis, sagte Joshua Kimmich. Lewandowski, sonst für solche Sätze nicht bekannt, sagte, man müsse "kämpfen, positiv bleiben, Geduld haben". Manuel Neuer sprach von einer "schwierigen Zeit" seit der WM, "man konnte nie durchatmen. Da versteht es sich von selbst, dass man nicht mit Leichtigkeit auf dem Platz stehen kann und die super Bayern sieht, die man kennt". Neuer sagte allerdings über das Spiel beim BVB: "Wir dürfen auf keinen Fall verlieren."

Der FC Bayern hält zusammen, das war die Botschaft des Abends. Bis auf Weiteres.

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