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Bundesliga:Ein Blinzeln reicht im Titelrennen

Bayern München - FC Schalke 04

Der FC Bayern feiert nach dem 5:0 gegen Schalke.

(Foto: dpa)

An der Bundesliga-Spitze geht es erfreulich eng zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass der FC Bayern wieder Meister wird, ist aber deutlich gestiegen.

Um direkt eine Fehlannahme aus der Welt zu räumen: Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden. Es ist weiterhin offen, ob Leipzig oder Gladbach oder vielleicht doch die Borussia Haaland aus Dortmund Meister werden wird. An den letzten 15 Spieltagen kann tatsächlich jede dieser Mannschaften 45 Punkte gewinnen, das wären fünf mehr, als der Tabellenführer aus Leipzig bislang gesammelt hat. Aber, ja, es stimmt: Am Samstag ist die Wahrscheinlichkeit doch um mehr als nur drei Punkte gestiegen, dass der Meister am Ende der Saison nicht Leipzig, nicht Gladbach, nicht einmal Haaland heißen wird. Sondern so wie der Titelträger der vergangenen sieben Spielzeiten: FC Bayern München.

Erst zwei Wochen ist es her, dass der FC Bayern gerade so zehn einigermaßen gestandene Feldspieler auftreiben konnte, und das nur, um ein Testspiel beim Zweitligisten Nürnberg 2:5 zu verlieren. Der Dauermeister wirkte so kränklich und schwächlich wie seit vielen Wintern nicht mehr. Doch nun, eine Gladbacher Niederlage (vor einer Woche auf Schalke) sowie eine Leipziger Niederlage (am Samstag in Frankfurt) sowie insgesamt 9:0 Münchner Tore später, hat der FC Bayern, wie es im Fußballdeutsch heißt, wieder alles in der eigenen Hand.

Aus vier Punkten Vorsprung für Leipzig ist ein einziger geworden, und so funktioniert auch die Rechnung nicht mehr, die bislang einen großen Reiz dieser Rückrunde ausgemacht hatte: Hält Leipzig diese Distanz bis zum übernächsten Spieltag, bis zum direkten Aufeinandertreffen in München, und sollte RB dann gewinnen, dann, ja dann wäre alles bereitet für den Meistergewinn einer anderen Mannschaft als dem FC Bayern.

Mindestens zwei Teams, die aus eigener Stärke oben stehen

Dass diese Rechnung so nicht mehr aufgeht, macht aber einen vielleicht noch größeren Reiz dieses ersten Halbjahres 2020 aus: Erstmals seit 2012 kämpfen wieder mindestens zwei Mannschaften um den Titel, die aus der eigenen Stärke heraus in der Spitzengruppe stehen und nicht aus der Schwäche der Konkurrenz (so wie es im vergangenen Jahr war, als die Bayern erst am letzten Spieltag den Titel vor ermatteten Dortmundern sicherten).

Leipzigs 0:2 in Frankfurt und das in genau dieser Höhe angemessene 5:0 der Bayern gegen Schalke stehen dafür, dass im Meisterschaftsrennen ein Blinzeln reicht, und schon haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Gladbach verliert in Schalke - aber schon nächstes Wochenende kann das Team im direkten Duell gegen Leipzig mindestens auf Platz zwei vorrücken.

Die Bayern retten sich mit zwei Last-Minute-Siegen in die Winterpause, haben nach dieser fast keine Spieler mehr - und marschieren dennoch so kraftstrotzend in die Rückrunde hinein, dass sie spätestens mit einem Heimsieg gegen Leipzig die Tabellenführung übernehmen könnten. Dortmund lässt die neue Sturmkante Erling Braut Haaland zweimal zunächst auf der Bank sitzen - dennoch schießt das Team zehn Tore, und die Hälfte davon kommt von Haaland. Und Leipzig? Verliert gegen Frankfurt, könnte in den nächsten beiden Spielen gegen Gladbach und Bayern auf Platz drei zurückfallen - das Team könnte bis dahin aber auch wieder vier Punkte Vorsprung oder mehr herausgespielt haben.

Was das für den Rest der Rückrunde bedeutet? Jede Rechnung mag noch so stimmig sein, sie kann schon ein Blinzeln später nicht mehr aufgehen. "Es fühlt sich gerade gut an", hat Thomas Müller am Samstagabend gesagt, "aber Fußball ist, wie wir alle wissen, ein Tagesgeschäft." Wenn Sätze wie dieser von einem Spieler des FC Bayern kommen, dann ist das ein gutes Signal für die Spannung in der Liga.

© SZ vom 26.01.2020/chge
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