FC Bayern Das zweite Nullnull

Ein paar der alten Meister: Mats Hummels, Thomas Müller und Franck Ribéry (von links) vom FC Bayern.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Die Bayern stehen am Ende eines großen Zyklus - die Spieler müssen mit Kräften und Konzentration haushalten. Und trotzdem ist nun der Meistertitel wieder greifbar.

Kommentar von Christof Kneer

Niko Kovac hat nach dem Spiel etwas gesagt, was man als Trainer niemals sagen sollte. Im Verdacht der Naivität steht Kovac nicht, vielleicht wusste er einfach, dass ihm an diesem Abend nichts passieren konnte, weil er nach den schnellen Kriterien dieser Sportart gerade das Trainerduell gegen Jürgen Klopp gewonnen hatte. Oder wollte der Trainer mit diesen Sätzen eine kleine Botschaft an seine Spieler senden?

Jedenfalls sagte Kovac zum Beispiel das: "In der Bundesliga spart sich der eine oder andere mal den Gang, um seinem Mitspieler zu helfen." Und wenn man von draußen sehe, wie sich Spieler nicht an seine Vorgaben hielten, so Kovac, dann sei man als Trainer "manchmal hilflos".

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Wie gesagt, Kovac stand unter dem Schutz dieses Abends, aber normalerweise würde ein so ungewöhnliches Eingeständnis auf dem Boulevard zwingend diesen Reflex auslösen: Alarm! Trainer erreicht Mannschaft nicht mehr! Oder, lässig andersrum gedreht: Keine Einstellung! Trainer geht auf Mannschaft los!

Es ist der Mannschaft nicht egal, ob sie in Nürnberg oder Liverpool spielt

Am Ende hatte Kovac aber nur in Worte gefasst, was ohnehin jeder sehen konnte: dass seine Mannschaft Unterschiede macht. Es ist der Mannschaft nicht egal, ob sie in Nürnberg oder in Liverpool spielt, ob der gegnerische Stürmer Adam Zrelak oder Mo Salah heißt. Auch die Spieler selbst haben auffällig oft betont, dass an diesem Abend "alle gemeinsam" verteidigt hätten, manche haben das Wort "alle" extra noch mal wiederholt.

Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass Kovac über einen charakterlosen Haufen verfügt, dem es wurscht ist, wenn die Fans ein 3:3 gegen Düsseldorf ertragen müssen. Die unterschiedlichen Aggregatszustände der Spieler sind vielmehr ein Beleg dafür, dass das eine Elf ist, die mit ihren Kräften und ihrer Konzentration inzwischen haushalten muss. Die Bayern stehen am Ende eines großen Zyklus, aus Kraftprotzen wie Ribéry, Robben, Boateng, Hummels oder auch Lewandowski sind Momentspieler geworden, die un- oder unterbewusst nicht mehr jedem Nürnberg-Kick mit voller Körperspannung entgegenfiebern.

So gesehen sind die beiden Nullnulls dieser Woche keine gute Nachricht für die Konkurrenz. Bayerns Teilerfolg in Liverpool und vor allem der Teilverlust des BVB in Nürnberg könnten Bayerns alte Meister auf eine interessante Idee bringen: dass es sich lohnen könnte, auch in der Bundesliga noch mal die Kräfte zu bündeln, um diesen einen Titel da zu holen, der zuletzt nur noch Routine war.

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