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Titelrennen in der Bundesliga:Bayern verspürt Jagdlust

FC Bayern: Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer nach dem Spiel gegen Hertha BSC Berlin

Thomas Müller (Mitte) und Manuel Neuer (r.) haben sich vorerst mit der Rolle des Jägers angefreundet.

(Foto: REUTERS)
  • Die Münchner fühlen sich vom 4:0 bei Hertha BSC in der Rolle des Verfolgers bestärkt.
  • Offen ist, welchen Einfluss der erfolgreiche Start in die Rückrunde auf die Transferdebatte hat.
  • Hier geht es zur Tabelle der Bundesliga.

Von Maik Rosner, Berlin

Als Oliver Kahn mit Hasan Salihamidzic durch den Bauch des Olympiastadions stapfte, unterschied sich sein Gesichtsausdruck kaum von jener wenig erbauten Miene, mit der er lange Zeit sein erstes Spiel als Vorstandsmitglied des FC Bayern verfolgt hatte. Ernst und ein bisschen verkniffen schritt Kahn durch die langen Gänge der Betonschüssel, während der Sportdirektor auf ihn einredete.

Zu öffentlichen Einlassungen über diesen lange Zeit mühsamen, dank einer Tempoverschärfung in der zweiten Halbzeit aber noch standesgemäßen 4:0 (0:0)-Sieg bei Hertha BSC, war dem früheren Torwart Kahn nicht zu Mute. Vielleicht auch, weil er während seines Gangs zum Mannschaftsbus einen Apfel aß. Dabei verstärkte sich der Eindruck, dass er seine Spielpremiere als Funktionär ähnlich verbissen beschloss wie ihn das Publikum als Bayern- und DFB-Schlussmann in Erinnerung behalten hat. Und auch sein damaliges Credo "weiter, immer weiter" lag in der Berliner Luft, als Thomas Müller und Kapitän Manuel Neuer in der improvisierten Interviewzone über die angestrebte Titelverteidigung in der Bundesliga sprachen, während Kahn in ihrem Rücken vorbeiging und energisch in den Apfel biss.

Für Müller war es ja nicht nur ein "optimaler Start", den er mit seinem 1:0 nach einer Stunde maßgeblich auf den Weg gebracht hatte gegen die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann, der ihm im August 2008 zu seinem Profidebüt als damaliger Coach der Münchner verholfen hatte. Es sei "sogar noch die bessere Antwort" gewesen auf die Siege von Leipzig und Dortmund vom Samstag, befand Müller, "wir hatten keine Phase des Spiels, wo wir zurücklagen", also im Gegensatz zu RB gegen Union Berlin und zum BVB beim FC Augsburg. Ob die Jagd also eröffnet sei auf Tabellenführer Leipzig, der nun als einzige Mannschaft noch vor den Münchnern steht, mit weiterhin vier Punkten Vorsprung? "Die läuft die ganze Zeit schon", sagte Müller. Neuer ergänzte durchaus selbstgewiss: "Wir kennen die Rolle aus der letzten Saison und haben schon da gezeigt, dass wir Kämpfer sind."

Es ist sogar so, dass sich die Ausgangssituation des Meisters schon nach dem ersten Spieltag der Rückrunde im Vergleich zu vor einem Jahr nun besser darstellt, jedenfalls rein tabellarisch. Im Januar 2019 lagen die Bayern sechs Punkte hinter dem damaligen Tabellenführer Dortmund zurück. Nun sind sie zwei Zähler näher dran an Platz eins und haben in Borussia Mönchengladbach auch schon den ersten Konkurrenten überholt, der nach seiner 0:2-Niederlage beim FC Schalke den zweiten Platz an die Münchner abtreten musste.

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