FC Bayern besiegt Juve in der Champions League:Bayern wehren sich mit hohen Bällen

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Ansonsten beließen es die Italiener vor 41 000 Zuschauern weitgehend bei regelkonformen Mitteln des sportlichen Wettkampfs: Sie attackierten früh und hartnäckig, sodass den Münchnern kein rechter Spielaufbau gelingen wollte. "Vor allem am Anfang war es schwierig, da haben wir keinen rechten Zugriff auf die Partie bekommen", sagte Sportchef Matthias Sammer. Die Turiner schienen den Bayern den Schneid auf jene Weise abkaufen zu wollen, wie es ihnen selbst in der Fröttmaninger Arena widerfahren war: durch aggressives Pressing und ein kräftezehrendes Spiel gegen den Ball.

Die Bayern wiederum wehrten sich ungewohnt oft mit hohen Bällen - bloß weg aus der eigenen Gefahrenzone. Franck Ribéry hatte sich zudem eine List ausgedacht: Anstatt auf seiner linken Seite auf Zuspiele zu warten, wechselte er oft zu Robben und Müller nach rechts. Wenn sie sich schon auf engem Raum durchkombinieren mussten, dann wenigstens in Überzahl. Die erste gute Gelegenheit hatte dann auch Mandzukic nach einer Ribéry-Flanke (9.) von rechts, der Kroate kam aber nicht zwingend an den Ball.

Manuel Neuer entschärfte kurz darauf einen Pirlo-Freistoß mit einem starken Reflex (23.). Dann dauerte es eine Weile, ehe wiederum David Alaba den Juve-Keeper Buffon per Weitschuss prüfte (39.). "Vier Tage nach der errungenen Meisterschaft" hätten sich seine Spieler "schwer getan", räumte Jupp Heynckes später ein, aber "peu à peu haben wir dann doch die Kontrolle über das Spiel gewonnen. In der zweiten Halbzeit haben wir wesentlich besser gespielt".

Es blieb allerdings das erwartete Duell auf Augenhöhe - mit engagierterer Laufleistung der Italiener: Nach 50 Minuten hatten sie als Kollektiv drei Kilometer mehr zurückgelegt; inklusive des berüchtigtsten Standfußballers der Welt wohlgemerkt, des Regisseurs Andrea Pirlo. Doch nicht nur das setzte die Bayern unter Druck, hinzu kamen ungewohnte Ungenauigkeiten: Schweinsteiger ließ sich beim Ballverteilen anfangs so viel Zeit, als habe ihn Pirlo inspiriert, Martínez und Robben überraschten mit Querschlägern im Strafraum.

Beunruhigen musste all das aber nicht: Die 2:0-Führung aus dem Hinspiel hatte ja Bestand. Und auch in der zweiten Halbzeit hielten sich Anzahl und Qualität der Torchancen zunächst die Waage: Hier strich ein Schuss von Quagliarella an den Außenpfosten (48.). Dort schlenzte Arjen Robben den Ball an den Pfosten (57.). Sehr viel mehr Aufregung war nicht - und nach Mandzukic' Führungstor war dann ohnehin alles im Plan.

Dass am Ende noch der Stürmer Claudio Pizarro eingewechselt wurde und in der Nachspielzeit das 2:0 erzielen durfte, das wiederum lässt einen interessanten Rückschluss zu: Pizarro, und nicht etwa Mario Gomez, könnte auch im Halbfinale zum Zuge kommen. Dann nämlich ist Mario Mandzukic gesperrt, weil ihm Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo nach einem Pressschlag, den er für ein Foul hielt, die gelbe Karte zeigte.

Carballo stand ja unter besonderer Beobachtung - weil er Spanier ist, wie zwei mögliche Halbfinalgegner der Münchner. Und weil er im Ruf steht, schneller gelb zu ziehen als Lucky Luke seinen Colt. Die Frage war: Wieso traf die Uefa diese Personalentscheidung? Carballo beließ es dann aber bei der Verwarnung für Mandzukic. Lahm und Dante, denen auch eine Sperre drohte, blieben - trotz einiger Fouls - verschont.

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