FC Bayern in Lissabon Direkt, geschwind und schnörkellos

Arjen Robben ließ gegen Benfica mehrfach das 2:0 liegen.

(Foto: REUTERS)
Von Benedikt Warmbrunn, Lissabon

Renato Sanches hob seine Hände in die Höhe, er legte sie ineinander, in seinen Händen steckte nun die gesamte Gefühlswelt dieses immer noch jungen, immer noch talentierten Fußballers. Es war eine Geste der zurückhaltenden Freude, eine Geste der Erleichterung, eine Geste der Verzeihung. Und die Zuschauer verstanden Sanches. Sie applaudierten diesem jungen Kerl, der kein Trikot so häufig getragen hat wie das ihrer Mannschaft. Getroffen hatte Sanches allerdings nicht für Benfica Lissabon, sondern für den FC Bayern. Er hörte den Jubel, blieb stehen, seine Mitspieler umarmten ihn. Mit den Händen wischte er sich durch das Gesicht. Dann, ganz kurz, lächelte Sanches.

Es war kein leichtes Spiel, mit dem der FC Bayern in die Gruppenphase der Champions League gestartet ist. In manchen Phasen war Benfica Lissabon ein aggressiver, forscher Gegner. In manchen Phasen war der FC Bayern ungenau und unkonzentriert. Es blieben der Mannschaft jedoch genug Phasen, um zu demonstrieren, dass sie als Favorit dieser Gruppe E gilt, zu eingespielt, zu überlegen war der FC Bayern dann. Es waren die Phasen, in denen Renato Sanches sein Können zeigte. Und es waren diese Phasen, die Niko Kovac bei seinem Debüt als Trainer in der Champions League das 2:0 (1:0) sicherten.

In seinem ersten Spiel als Trainer auf dieser Bühne demonstrierte Kovac mit einer Entscheidung, wie wenig ihn dieser Rahmen beeindruckt: In die Startelf stellte er einen jungen Mann, der zuletzt im Mai 2017 für den FC Bayern gespielt hat, der als gescheitert galt, der zu Swansea City ausgeliehen wurde, der nach seiner Rückkehr in diesem Sommer immer noch als gescheitert galt; er setzte auf einen jungen und talentierten Mann, der viel durchgemacht hat, seit er vor zwei Jahren seinen Jugendverein verlassen hat. Seinen ersten Abend als Trainer in der Champions League nutzte Kovac also, um Sanches eine Chance zu geben, dem 21 Jahre alten Portugiesen, der acht Jahre lang für Benfica gespielt hat.

"Heute war nach dem Ausfall von Thiago die Zeit für Renato gekommen", erklärte Kovac hinterher. "Ich habe ihm gesagt, spiel' einfach, spiel' deinen Stil, du bist hier zu Hause. Dass der Junge Fußball spielen kann, wussten wir. Wir müssen aber immer bedenken, dass ein so junger Spieler sich akklimatisieren muss. Jetzt ist er körperlich auf einem guten Niveau." Vor eineinhalb Wochen erst, beim Länderspiel gegen Italien, war Sanches im Estádio da Luz eingewechselt worden, unter dem Applaus der Zuschauer. Auch am Mittwoch feierten ihn die Anhänger, zum ersten Mal, als sein Name in der Aufstellung vorgelesen wurde. Sanches durfte auch den Anstoß ausführe. Es war sein erster von einigen präzisen Pässen.

Sanches ersetzte im Zentrum Thiago, der wegen Zehenproblemen pausierte. Außerdem verzichtete Kovac auf Thomas Müller, für ihn startete James Rodríguez. Sanches und James, die Neuen in der Mitte, waren sofort gefordert, da beide Teams in den ersten Minuten das Spielfeld auf die paar Meter vor und hinter der Mittellinie verengten; so eng war es, dass Sanches zweimal den Ball klärte, indem er einfach im Weg stand und angeschossen wurde. Diese intensive Phase endete allerdings mit dem ersten konsequenten Angriff.

Robben schießt sogar mit rechts

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Mit einer Körpertäuschung befreite sich Joshua Kimmich am eigenen Strafraum aus einer kniffligen Lage, er spielte den Ball zu Sanches. Der drehte sich, dribbelte nach vorne, dann spielte er einen präzisen Pass zu Franck Ribéry. Der Franzose flankte, in der Mitte befreite sich Robert Lewandowski mit einer Körpertäuschung aus einer kniffligen Lage, ein Schuss entgegen der Laufrichtung von zwei Verteidigern und Torhüter Odisseas Vlachodimos, die Führung (10.). Nun wirkte der FC Bayern für eine Weile unantastbar. Die Gäste trugen ihre Angriffe nun direkt und schnörkellos vor. Arjen Robben scheiterte an der linken Hand von Vlachodimos, dem vom VfB Stuttgart ausgebildeten Torhüter (13.). Ribéry übersah den freistehenden Lewandowski (16.).

Robben wagte aus spitzem Winkel einen Volleyschuss, allerdings mit seinem schwachen rechten Fuß. Er traf die Beine von James Rodríguez (21.). Danach begann eine fahrige Phase der Gäste, sie dauerte bis zum Ende der ersten Halbzeit. In der 22. Minute traf Mats Hummels den Ball nicht richtig, Eduardo Salvio verfehlte aus der Distanz das Tor. Diese Szene war für Benfica das Signal, dass diese Bayern gar nicht so unantastbar sind, dass sie wie ganz gewöhnliche Fußballer zu Fehlern gezwungen werden können. Vorausgesetzt, sie werden attackiert. In der 28. Minute wehrte Manuel Neuer gedankenschnell einen weiteren Schuss von Salvio ab.

Erst in der zweiten Halbzeit gewann der FC Bayern in seinen Aktionen die Souveränität zurück, früh entschied das Team dann die Partie. Robben leitete einen Pass von Kimmich kunstvoll weiter zu Sanches. Der spurtete schwungvoll über den Rasen, spielte nach links, zu Ribéry. Der passte zu James, und nachdem dieser den Ball in die Mitte geschlagen hatte, stand da ganz allein wieder: Sanches. Präzise schob er den Ball ins Tor (54.). Anschließend hob er die Hände, hörte den Jubel, wischte sich durchs Gesicht.

Das Spiel dauerte noch länger als eine halbe Stunde, unter anderem zeigte Neuer einen weiteren starken Reflex. Aber was bleibt von diesem Abend, das war dieser Applaus des ganzen Stadions für ihren Liebling im fremden Trikot.

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