FC Bayern BasketballDie Münchner Attraktion bleibt in den USA

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Kurzes Gastpiel: Spencer Dinwiddie flog wegen eines familiären Krankheitsfalls in seine Heimat – und wird nicht mehr zurückkehren.
Kurzes Gastpiel: Spencer Dinwiddie flog wegen eines familiären Krankheitsfalls in seine Heimat – und wird nicht mehr zurückkehren. (Foto: Frank Hörmann/Sven Simon/Imago)
  • Der FC Bayern Basketball hat den Vertrag mit NBA-Zugang Spencer Dinwiddie wegen eines familiären Krankheitsfalls vorzeitig aufgelöst.
  • Als Ersatz verpflichteten die Münchner den nordmazedonischen Nationalspieler Nenad Dimitrijevic von Zenit St. Petersburg bis Saisonende.
  • Dinwiddie absolvierte nur 16 Partien für Bayern und konnte trotz zweistelliger Punkteschnitte nicht richtig ins Mannschaftsspiel integriert werden.
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Der FC Bayern hat den Vertrag mit seinem spektakulären NBA-Zugang Spencer Dinwiddie vorzeitig aufgelöst – und bereits Ersatz verpflichtet. Damit könnte nach einer turbulenten Phase mehr Ruhe einkehren.

Von Ralf Tögel

Für einen Basketballprofi, der hierzulande seinem Beruf nachgeht, ist die sogenannte stade Zeit nicht existent. Denn zwischen den Jahren, wie der Zeitraum von Weihnachten bis Heilige Drei Könige gern bezeichnet wird, ist es in den professionellen Basketballligen alles andere als ruhig. Der FC Bayern beispielsweise durfte in dieser Zeit in Bundesliga (BBL) und Euroleague fünfmal antreten, am Mittwoch bereits gastiert der spanische Euroleague-Klub Vitoria-Gasteiz (20.30 Uhr) im Münchner SAP Garden, ehe nur zwei Tage später die Partie bei Olympiakos Piräus ansteht.

Dass es beim deutschen Meister zuletzt besonders turbulent zuging, hatte aber andere Gründe. Zunächst wurde die Schaffenszeit von Weltmeister-Trainer Gordon Herbert kurz vor Weihnachten vorzeitig beendet, nach acht teils hohen Niederlagen in der europäischen Eliteliga trennten sich die Münchner vom 66-Jährigen. Herbert gewann mit dem FCB 2025 den Titel, zog in die Play-ins der Euroleague ein, im Pokal allerdings scheiterte sein Team überraschend im Halbfinale am MBC. Zuletzt fehlte der Kanadier wegen einer Corona-Erkrankung und anhaltender Folgen mehrere Wochen, seine Mannschaft schlitterte unter Co-Trainer T.J. Parker (der mittlerweile in seine Heimat Frankreich zurückgekehrt ist) in die Niederlagenserie.

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Um eine schnelle Aufbruchstimmung zu entfachen, wurde in Svetislav Pesic, 76, ein Trainer installiert, der Verein und Umfeld wie kein Zweiter kennt. Mit Erfolg: Am 2. Januar wurde die desaströse Serie von neun Niederlagen hintereinander gegen Maccabi Tel Aviv gestoppt, nach einer nahezu „perfekten Leistung“, wie Altmeister Pesic vergnügt anmerkte. Der muss fortan allerdings ohne seinen prominentesten und vermeintlich besten Spieler auskommen, was die jüngste Volte im ohnehin geplagten Kader darstellt. Spencer Dinwiddie war aufgrund eines schweren familiären Krankheitsfalls in Absprache mit der sportlichen Leitung des Klubs kurz vor Weihnachten in die USA geflogen. Nun ist klar, dass er nicht mehr zurückkehren wird. Spieler und Verein haben den Vertrag, der bis Saisonende gültig war, in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.

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Ausgerechnet Dinwiddie, dekoriert mit 631 NBA-Partien für diverse prominente Klubs und einem Durchschnitt von 13 Punkten: Die Verpflichtung des 32-Jährigen war die Attraktion der Liga. Die Münchner konnten den Guard trotz mehrerer Mitbewerber in Europa an die Isar locken, weil er kein für ihn ansprechendes Angebot aus der NBA erhielt. Die Pre-Season hatte er für die Charlotte Hornets absolviert, er kam also in bestem körperlichen Zustand.

Doch so richtig wollte das Spektakel nicht zünden: Dinwiddie war zweifellos aus dem Stand einer der auffälligsten Spieler, den immensen Erwartungen konnte er in der Kürze der Zeit aber vor allem in der europäischen Eliteliga, in der viele ehemalige NBA-Akteure zugange sind, nicht gerecht werden. Zumal der US-Guard in der laufenden Saison kam und letztlich nur 16 Partien für die Bayern absolvierte. Dinwiddie punktete in Euroleague (11,7) und BBL (12,6) zwar im Schnitt auf Anhieb zweistellig, wirkte aber nicht so richtig in das Mannschaftsspiel der Münchner integriert.  Wofür sich auch Trainer Herbert verantwortlich fühlte, der zugab, die richtige Rolle für seinen Topzugang nicht gefunden zu haben – eine Aussage, die Sportdirektor Dragan Tarlac nicht gefallen wollte.

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Bester Spieler der osteuropäischen VTB-League: Nenad Dimitrijevic, hier im Trikot von Olimpia Mailand, hat auch in der Euroleague reichlich Erfahrung gesammelt. (Foto: IPA Sport/Abacapress/Imago)

Nachfolger Pesic wird diese Suche nicht weiterführen können, hat aber von seinem Klub bereits Ersatz zur Verfügung gestellt bekommen: Combo Guard Nenad Dimitrijevic hat einen Vertrag bis Saisonende mit der Option auf ein weiteres Jahr unterschrieben. Der 27-jährige nordmazedonische Nationalspieler kommt von Zenit St. Petersburg, wohin er im Sommer von Olimpia Mailand gewechselt war. In der osteuropäischen VTB-League hatte er 2024 den Titel des wertvollsten Spielers bekommen, nun erhofft sich Sportchef Tarlac „Dynamik, Energie und viel Erfahrung“ von dem 27-Jährigen.

In der BBL bleiben die Bayern auch ohne Dinwiddie das Maß der Dinge; ob es nach den Turbulenzen unter Pesic nun zu der nötigen Aufholjagd in der Euroleague reichen kann, erscheint hingegen sehr fraglich. Eines könnte indes einkehren beim FC Bayern: etwas mehr Ruhe.

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