BasketballDie Suche nach dem Rhythmus geht weiter

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Wenyen Gabriel (re., gegen Istanbuls Mikael Jantunen) deutete seine Qualität mit 13 Punkten und ein paar Monsterblocks an, gegen den Titelverteidiger aber war das zu wenig.
Wenyen Gabriel (re., gegen Istanbuls Mikael Jantunen) deutete seine Qualität mit 13 Punkten und ein paar Monsterblocks an, gegen den Titelverteidiger aber war das zu wenig. (Foto: Cemal Yurtta/Imago)
  • Bayern München verliert bei Titelverteidiger Fenerbahce Istanbul deutlich mit 73:88 und rutscht mit drei Niederlagen bei zwei Siegen ins untere Tabellendrittel ab.
  • Den Münchnern fehlt nach wie vor die nötige Feinabstimmung im Spiel, was sich in Ballverlusten und schlecht vorgetragenen Angriffen äußert.
  • Fenerbahce-Guard Scottie Wilbekin lief mit 14 Punkten zur Höchstform auf und war entscheidend dafür, dass die Bayern im zweiten und dritten Viertel den Faden verloren.
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Bayern München verliert bei Titelverteidiger Fenerbahce Istanbul klar mit 73:88 und rutscht ins untere Tabellendrittel ab. Erneut macht sich die fehlende Vorbereitung negativ bemerkbar.

Von Ralf Tögel

Gordon Herbert hatte so eine Vorahnung. Als er seine Analyse über den 64:53-Sieg seiner Basketballer am Dienstagabend gegen Armani Mailand zum Besten gab, erfuhr er, dass Fenerbahce Istanbul zeitgleich in eigener Halle verloren hatte.  „Das ist gar nicht gut“, befand der Trainer des FC Bayern, denn es war nicht nur eine schmachvolle 69:93-Heimpleite des Titelverteidigers gegen den Retorten-Neuling aus Dubai, es war zudem die dritte Niederlage Istanbuls in Folge. Und Herberts behielt mit seiner dunklen Prognose Recht, die Münchner verloren in Istanbul deutlich mit 73:88 Punkten und stehen mit nunmehr drei Niederlagen bei zwei Siegen im unteren Drittel der Tabelle, die indes nach fünf Spieltagen noch nicht sonderlich aussagekräftig ist. Allerdings sollten die Bayern zusehen, nicht den Anschluss nach oben zu verlieren, denn für den angepeilten Platz in der K.-o.-Runde ist mindestens Rang zehn für die Play-Ins vonnöten.

Mit der Niederlage beim aktuellen Euroleague-Champion bestätigte sich eine weitere Vorhersage des Münchner Trainers, die ihm ebenfalls wenig gefallen dürfte. „Wir hatten keine Vorbereitung“, erinnert Herbert immer wieder, deshalb müsse sein Team jedes Spiel nutzen, um weiter seinen Rhythmus zu finden. Weil die Nationalspieler erst kurz vor der Saison zum Team stießen, wie auch die letzten Neuzugänge, ist die nötige Feinabstimmung im Spiel der Münchner weitgehend nicht vorhanden. Derlei äußert sich vorwiegend in Ballverlusten, elf waren es in Istanbul, aber auch in schlecht vorgetragenen Angriffen nebst unvorbereiteter Würfe. Zudem fehlt in Spielmacher Rokas Jokubaitis der zentrale Aufbauspieler, auch sein Ersatz Stefan Jovic, der serbische Nationalspieler ist ebenfalls ein Regisseur erster Güte, musste mit einer Sprunggelenksverletzung passen.

Solche Probleme hat im Übrigen auch das Gros der Konkurrenten, eine geregelte Präparation für eine Saison ist bei den dichten Spielplänen kaum möglich. Erst recht nicht, wenn ein Großturnier wie die EM im September die Nationalspieler beansprucht. So sucht auch Fenerbahce nach wie vor seinen Rhythmus, der türkische Meister hat aber deutlich mehr Qualität im Kader als die Münchner.

Fenerbahce-Guard Scottie Wilbekin tut das, was er gegen die Bayern immer tut: Er läuft zur Höchstform auf

Zudem kehrte Scottie Wilbekin gerade rechtzeitig zurück aufs Parkett, der US-amerikanische Spielmacher ist eine Art Schreckgespenst für die Bayern. Denn egal in welchem Team, Wilbekin läuft gegen den FC Bayern immer zur Höchstform auf. Auch am Donnerstagabend, als er mit 14 Punkten und seinen Dreiern ursächlich dafür war, dass die Münchner im zweiten und dritten Viertel entscheidend an Boden verloren.

Dabei hatten die Gäste im ersten Abschnitt an die gute Vorstellung gegen Mailand angeknüpft und 20:14 geführt, danach allerdings gegen die deutlich aggressiver verteidigenden Türken völlig den Faden verloren. Vor allem in der Offense wollte nicht mehr viel gelingen, aus der Distanz war lediglich Andreas Obst zu Stelle. Center Wenyen Gabriel deutete seine Klasse immerhin mit sehenswerten Blocks und an und auch Isiaha Mike hatte starke Szenen, alle drei Bayern-Akteure sammelten jeweils 13 Punkte.

Viel zu wenig gegen den Euroleague-Champion, der langsam zurück in die Spur zu finden scheint, wie Wade Baldwin, neben Onuralp Bitim einer von zwei ehemaligen Münchner Spielern, bestätigte: „Der Sieg bedeutet uns alles. Es ist eines der wenigen Male, dass ein Klub wie dieser eine Niederlagenserie von drei Spielen hat. Wir haben dieses Spiel wie ein Finale behandelt. Es ist ein Moral-Booster.“

Das Gegenteil dürfte für die Münchner der Fall sein, die einen weiteren Rückschlag verdauen müssen: „Wir wussten, dass es ein schweres Spiel sein würde, nachdem Fenerbahce am Dienstag zu Hause verloren hatte. Wir haben ein gutes erstes Viertel gezeigt, im zweiten und dritten taten wir uns jedoch auf beiden Seiten des Courts sehr schwer“, gab Trainer Herbert zu, „wir hatten im Angriff richtig Probleme zu scoren, vor allem im Halbfeld. In der Verteidigung haben wir Dreier abgegeben. Ich denke, der Unterschied war heute, wie sie geworfen haben.“

Die nächste Gelegenheit zur Rehabilitation kommt schnell, am kommenden Montag gastieren die Löwen Braunschweig zum Pokal-Achtelfinale. Es ist das erste K.-o.-Spiel für die Bayern in dieser Saison, da gibt es keine Chance zur Wiedergutmachung.

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