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Basketball-Euroleague:Zum Gruß ein totes Huhn

Skandal im griechischen Basketball Die Dauerfehde im griechischen Basketball könnte möglicherweise; Olympiakos Basketball Huhn

Um dieses Huhn hab es im griechischen Basketball einen Skandal. Olympiakos weigerte sich, gegen Panathinaikos anzutreten.

(Foto: imago images / ANE Edition)
  • Die Basketballer des FC Bayern treffen an diesem Abend auf Olympiakos, einen Verein, der in Griechenland zwangsabsteigen musste.
  • Zwischen Olympiakos und Panathinaikos, Bayerns übernächstem Gegner, herrscht seit Jahren eine schwere Auseinandersetzung.

Berlin natürlich, vielleicht noch Bamberg. Man muss sich schon etwas Mühe geben, um einen Gegner zu finden, der für einen emotionsgeladenen Vergleich mit den Basketballern des FC Bayern München taugt. Zwischenzeitlich jazzte der Boulevard das Duell der beiden Spitzenteams Berlin und München zum "Hass-Gipfel" hoch, weil sich weiland ein paar Spieler von der Spree an die Isar verändert hatten. Fortan konnte man beim Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten tatsächlich von einer feindlichen Stimmung reden. Längst vorbei, längst vergessen.

Beim jüngsten Vergleich im Audi Dome, den die Bayern 84:80 gewannen, wurden die Münchner Zuschauer schon eher ihrem Ruf als Theaterpublikum gerecht. Am Dienstagabend (20.30 Uhr) gastiert in der Euroleague ein Team, dessen Spieler die erwartete Auswärtsatmosphäre als Wohlfühlambiente empfinden dürften: Olympiakos Piräus. Denn in Griechenland tobt seit Jahren zwischen Piräus und Panathinaikos Athen eine Rivalität, die längst jede Grenze des fairen Wetteiferns sowie des guten Geschmacks überschritten hat. Es geht um Verschwörungstheorien, Drohungen, ein abgebrochenes Pokalspiel, einen Zwangsabstieg, einen roten Damenslip und ein totes Huhn.

Von den Fanklubs bis zu den Eigentümern - auf allen Ebenen wird gehetzt

Endgültig eskaliert war diese fast grenzenlose Abneigung der beiden griechischen Spitzenvereine, die sich vom Fußball in leicht abgeschwächter Form auf die Basketballsparten der beiden Klubs übertragen hat, im vergangenen Februar. Dort fühlten sich die Gäste aus Piräus von den Schiedsrichtern im Pokalhalbfinale bei Panathinaikos derart benachteiligt, dass sie sich nach der Pause weigerten, die Kabine zu verlassen und das Spiel fortzusetzen.

Was Dimitris Giannakopoulos, schwerreicher Pharmaunternehmer und Panathinaikos-Boss, dazu veranlasste, den Damenslip auf die Auswechselbank des in roten Trikots angetretenen Gegners zu legen - was später vom Verband mit einer Geldstrafe von 3000 Euro sanktioniert wurde. Piräus bestand nach dem Pokal-Eklat darauf, dass fortan Spiele gegen den verhassten Kontrahenten von unbelasteten ausländischen Referees geleitet werden müssten, eine Forderung, der der Verband wenig überraschend nicht nachkam.

Daraufhin boykottierte das Team aus dem Hafenviertel auch das erste Playoffspiel bei Panathinaikos, dieses Mal lag ein totes Huhn auf der Auswechselbank der Gäste. Allerdings war in diesem Fall nicht zu eruieren, wer diese Geschmacklosigkeit zu verantworten hatte. Dieser unselige Konflikt der beiden Traditionsklubs schwelt seit vielen Jahren, ist nicht zuletzt auf die beiden mächtigen und zutiefst verfeindeten Fanklubs der Vereine zurückzuführen und zieht sich durch alle Sparten.

Ein Auslöser des schier grenzenlosen Hasses vieler Ultras aufeinander war ein Vorfall, der sich vor zwölf Jahren bei einem Derby im Frauenvolleyball ereignet hat, vor dessen Anpfiff sich die Fans beider Lager eine Massenschlägerei lieferten, ein Panathinaikos-Fan kam dabei zu Tode. Die Rivalität setzt sich auch auf Ebene der Besitzer fort: Während Giannakopoulos bei Panathinaikos das Sagen hat, jener Pharma-Unternehmer, der dem Vernehmen nach gerne mal in der Halbzeitpause die Referees aufsucht, um ihnen zu drohen, so ziehen bei Olympiakos die Brüder Panagiotis und Giorgos Angelopoulos die Fäden.

Beide sind Reeder und sicher nicht weniger finanzstark als ihr Piräus-Rivale. Im Fußball ist Olympiakos im Ringen um Titel der erfolgreichere Klub, im Basketball hat dafür Athen deutlich die Nase vorn. Der Basketballverband jedenfalls musste wegen des Boykotts reagieren und versetzte Piräus per Zwangsabstieg in die zweite griechische Liga.

Zuhause nur mit der B-Mannschaft

Ein einmaliger Vorgang, den Olympiakos damit beantwortete, dass der Traditionsklub im heimischen Ligabetrieb nur mit einer B-Auswahl antritt. Gespielt wird in der Trainingshalle, aktuell steht das Team auf dem letzten Platz. An dieser Stelle kommen wieder die Bayern-Basketballer ins Spiel. Denn neben Athen ist auch Piräus Lizenzinhaber der Euroleague und somit mit einem Startrecht ausgestattet. Die Griechen werden angesichts der derzeitigen Situation also mit einer ausgeruhten und topbesetzten Auswahl nach München reisen.

Während die Gastgeber, die bekanntlich im heimischen Spielbetrieb mitmischen, deutlich mehr Spiele in den Knochen haben - zuletzt den hart erkämpften 91:79-Sieg am Sonntagabend gegen Bayreuth. Zudem hinterlassen die Anstrengungen des doppeltem Spielbetriebs aus nationalem und internationalem Wettbewerb Verschleißspuren. Bayern-Trainer Dejan Radonjic muss weiterhin auf seinen verletzten Spielmacher T.J. Bray und den NBA-erfahrenen Josh Huestis verzichten, er hofft aber wenigstens auf einen Einsatz des zuletzt angeschlagenen Regisseurs Maodo Lo. In Nihad Djedovic steht hinter einem weiteren Schlüsselspieler ein großes Fragezeichen.

Am Freitag ist auch Pana in München zu Gast

Derlei Probleme haben die Griechen nicht, die bisher dreimal den Titel im höchsten europäischen Wettbewerb gewonnen haben und deren Kader üppig und hochklassig besetzt ist. Der griechischen Nationalheld Vassilis Spanoulis führt eine Auswahl Hochtalentierter an, aus denen der legendäre Grieche Georgios Printezis, der serbische Center Nikola Milutinov und der frühere NBA-Profi Brandon Paul herausstechen. Wie die Bayern hat Piräus bisher drei Siege und vier Niederlagen zu Buche stehen, beide kämpfen um den Anschluss ans obere Tabellendrittel.

Nächste Gelegenheit dafür haben die Münchner bereits kommenden Freitag, dann gastiert pikanterweise Panathinaikos Athen im Dome. Piräus wird dann längst abgereist sein, ein Aufeinandertreffen von Funktionären oder Fans ist also ausgeschlossen. Vorerst, denn am 6. Dezember treffen die griechischen Traditionsklubs erstmals in dieser Saison bei Panathinaikos aufeinander. Der Gastgeber gewährt im Übrigen einen 50-Prozent-Nachlass auf Jahreskarten - für Olympiakos-Fans. Die müssen nur die Piräus-Dauerkarte des Vorjahres vorzeigen.

© SZ vom 19.11.2019/jbe

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