Basketball„Lächerlich und peinlich“

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„Wettbewerbsfähigkeit auf Level null“: Münchens Trainer Gordon Herbert war richtig sauer.
„Wettbewerbsfähigkeit auf Level null“: Münchens Trainer Gordon Herbert war richtig sauer. (Foto: David Inderlied/dpa)

Beim 73:72 gegen Ludwigsburg zeigen die Bayern-Basketballer eine haarsträubende Leistung. Sie werden durch den Sieg Hauptrundenerster, aber Trainer Gordon Herbert übt die mit Abstand deutlichste Kritik seiner Münchner Amtszeit.

Von Christoph Leischwitz

Es ist eine kleine Tradition bei Heimspielen der FC-Bayern-Basketballer, dass die Zuschauer nach Spielbeginn so lange stehen bleiben, bis der erste Korb für die Roten gefallen ist. Am Sonntagnachmittag allerdings setzten sich alle schon früher wieder hin. Es dauerte einfach zu lange. Als Bayerns Trainer Gordon Herbert die erste Auszeit einberief, stand es 9:0 für die Gäste aus Ludwigsburg. Und lange, sehr lange sah es danach aus, als ob die Bayern Opfer ihrer eigenen Nerven werden würden, als ob sie am letzten Spieltag der Hauptrunde in der eigenen Halle ihren ersten Tabellenplatz verlieren würden. Doch in den Schlussminuten standen die Zuschauer dann völlig freiwillig, weil es plötzlich doch noch klappte mit der nicht mehr für möglich gehaltenen Aufholjagd. 8,8 Sekunden vor Schluss gingen die Bayern dank eines Dreiers von Niels Giffey zum ersten Mal überhaupt in diesem Spiel in Führung, das 73:72 (33:51) retteten sie über die Zeit, und so wurde der große Favorit trotz einer haarsträubenden Leistung trotzdem noch Hauptrundensieger – der Zweite Ulm hatte in Hamburg deutlich weniger Probleme gehabt.

Alles gut also? Mitnichten. Herbert setzte nach dem Spiel zu der mit Abstand deutlichsten Kritik in seiner Münchner Amtszeit an. Er bezeichnete den Auftritt als „lächerlich und peinlich“, er sprach von einer „Wettbewerbsfähigkeit auf Level null“ und fand, seine Mannschaft sei aktuell „zu weich“ für die Playoffs. „Wenn ich mir an der Eisdiele ein Eis kaufe, dann ist das härter“ schimpfte er.

Für die Playoffs ziehen die Bayern komplett in den SAP Garden um

In den vergangenen Wochen hatten die Bayern schon mehrmals nach Rückstand noch gewonnen, zuletzt erst am vorletzten Spieltag mit 90:86 in Bonn. Diesmal allerdings spielten sie so lange unkonzentriert, dass der Rückstand in der zweiten Halbzeit zunächst sogar noch größer wurde, noch Mitte des dritten Viertels lag er bei 22 Punkten, Leistungsträger wie Shabazz Napier und Vladimir Lucic hatten da noch überhaupt keine Punkte gesammelt. Zumindest hatten sie die Ludwigsburger aber in erhebliche Foulprobleme gebracht, Bayerns Abwehr fand gegen Ende ihre Konzentration und ließ im Schlussviertel nur noch neun Punkte zu.

„Aber wenn wir so in den Playoffs spielen, verlieren wir“, drohte Herbert. Er hatte aber auch Hoffnung: So wie dieses Spiel gelaufen sei, „wird uns das helfen, aufzuwachen“. Nach dem Spiel war lange noch nicht klar, wer überhaupt als Viertelfinal-Gegner infrage kommt. Ohnehin werden die Bayern erst am Donnerstagabend nach den Play-ins erfahren, ob sie Alba Berlin, den MBC, Oldenburg oder Rostock empfangen. Sicher ist nur, dass es das Saison-Abschiedsspiel für den BMW Park war, für die Playoffs ziehen die Bayern komplett in den SAP Garden um. Das dürfte auch Herbert freuen, denn bei den Heimspielen im Olympiapark hatte sich seine Mannschaft oft sehr viel wettbewerbsfähiger gezeigt.

Der bayerischen Konkurrenten aus Würzburg schließen die Hauptrunde als Tabellensechster ab, obwohl sie in Braunschweig sogar noch den dritten Platz hätten sichern können. Sie verloren jedoch eine lange offene Partie am Ende noch deutlich 72:86 – und treffen im Viertelfinale erneut auf Braunschweig. Für Bayerns Gegner reichte es nicht: Am Ende der Pressekonferenz erfuhr Ludwigsburgs Trainer Lars Masell, dass sein Team auf Platz elf gelandet war. „Raus, oder?“, fragte er, als er die Klinke in der Hand hatte und den Raum verließ.

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