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Bundesliga:Bayerns Basketballer verlieren ihre Schlüsselspieler

Derrick Williams

Derrick Williams verlässt den FC Bayern.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern Basketball verliert mit Derrick Williams, Devin Booker und Stefan Jovic drei seiner Schlüsselspieler an die europäische Konkurrenz.
  • Mittlerweile nähert sich diese in ihrer Zahlungskraft der nordamerikanischen Profiliga NBA an.
  • Manager Marko Pesic sieht darin aber auch eine Chance für den deutschen Meister.

Es ist noch nicht lange her, dass Karl-Heinz Rummenigge erklärte, man wolle erst einmal die großen Deals abwarten, dann würden die Dominosteine auch in der zweiten Reihe fallen. Denn wenn die Pläne der weltbesten Spieler fixiert sind, kommt Bewegung in die Transferszene: Wer muss sich einen neuen Arbeitgeber suchen, welcher Klub hat plötzlich wieder Posten offen? Rummenigge ist bekanntlich als Vorstandsvorsitzender für die Fußballer des FC Bayern München verantwortlich, seine Worte könnten aber auch für die Basketballer des Klubs stehen. Momentan scheint sich fernab des Gehälter-Irrsinns in der nordamerikanischen Profiliga NBA auch in Europa ein Wettbieten der zahlungskräftigsten Vereine zu entwickeln, was nun auch den deutschen Meister aus München unmittelbar trifft.

Die Euroleague-Konkurrenten rüsten auf

Der muss sich ab sofort für drei seiner Schlüsselspieler Ersatz suchen: Devin Booker, Stefan Jovic und Derrick Williams haben sich gegen eine Vertragsverlängerung beim FC Bayern entschieden. Booker und Jovic werden sich Khimki Moskau anschließen, Derrick Williams wird zwar nach Europa zurückkehren, entgegen seiner Ankündigung aber nicht nach München, sondern zum steten Euroleague-Titelkandidaten Fenerbahce Istanbul. Die Münchner verlieren damit ihren stärksten Spieler, der 28-Jährige erzielte in der Euroleague durchschnittlich 13,4 Punkte pro Partie. Die Bundesliga verliert den wohl spektakulärsten Akteur. Williams' neuer Arbeitgeber Fenerbahce stand zuletzt fünfmal nacheinander in der Final-Four-Endrunde, ist also einer jener Klubs, deren Sehnsucht nach der kontinentalen Krone ein weiteres Mal enorme finanzielle Mittel freisetzt. Neben Williams, dessen Salär für eine Saison sich dem Vernehmen nach der Zwei-Millionen-Dollar-Grenze nähert, kommen auch die französischen Nationalspieler Nando de Colo (vom Euroleague-Sieger ZSKA Moskau) und Leo Westermann (Zalgiris Kaunas) an den Bosporus, ebenfalls Akteure, die als Großverdiener gelten.

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Auch Khimki Moskau hübscht seinen Euroleague-Kader gehörig auf, der 13. Platz in der Vorsaison stellte die Verantwortlichen kaum zufrieden. So werden dem Spitzenverdiener Alexey Shved neben dem Letten Dairis Bertans (zuletzt beim NBA-Klub New Orelans) auch zwei Bayern-Profis zur Seite gestellt: Spielmacher Stefan Jovic, 28, der auch in der serbischen Nationalmannschaft Regie führt, und Center Devin Booker. War der Abschied des Serben von Münchner Seite erwartet worden, so tut der Weggang von Booker, der immerhin drei Jahre für die Münchner auf dem Parkett stand, "schon sehr weh", wie Geschäftsführer Marko Pesic zugibt. Der muskulöse 2,05-Meter-Mann hinterlässt nicht nur wegen seiner Konstitution eine Lücke unter dem Korb: "Das hat mich emotional schon getroffen", sagt Pesic, den die Entscheidung überrascht hat. Der 28 Jahre alte Booker hatte den Klub stets als neue Familie bezeichnet, dem Angebot aus Russland, das ihm für eine Saison eine Million Dollar bringen soll, konnte er trotzdem nicht widerstehen. Das Gesamtsalär seines Teamkollegen Stefan Jovic liegt ebenfalls im siebenstelligen Bereich, der Serbe wird dafür aber wohl zwei Jahre bleiben. Der Ergänzungsspieler Nemanja Dangubic hat die Bayern bereits verlassen, der Serbe geht zum spanischen Erstligisten Estudiantes Madrid. Somit hat die sportliche Führung in München ein paar Zusatzaufgaben bekommen: Es gilt nun, vier große Spieler und einen Spielmacher zu verpflichten.

Die Gehälter nähern sich NBA-Dimensionen

Sonderlich panisch klingt Münchens Geschäftsführer Pesic aber nicht, die gewaltigen Deals der europäischen Topklubs erschrecken ihn nicht. Die Bayern würden "den ganzen Wahnsinn" erst mal abwarten und sich dann positionieren, denn bei den großen Namen "können wir sowieso nicht mitbieten". In der Tat rufen die europäischen Spitzenklubs Gehälter auf, die sich NBA-Dimensionen nähern. Wurde in den vergangenen Jahren eine stete Zunahme der Spielerwanderung Richtung NBA beobachtet, scheint sich der Trend nun umzukehren. Auffallend viele Akteure verlassen die NBA, der Serbe Milos Teodosic etwa wechselt von den LA Clippers nach Bologna, wo er nur Eurocup spielen wird. Dem Israeli Omri Casspi hat Maccabi Tel Aviv ein Angebot unterbreitet, das ihn nach zehn Jahren NBA in seine Heimat zurücklockt. Und dann ist da noch der FC Barcelona, der mit aller Macht an die europäische Spitze drängt und in Nikola Mirotic und Alex Abrines zwei gestandene NBA-Spieler verpflichtet hat. Abrines kommt nach drei Jahren in Oklahoma City zurück in sein Geburtsland, spektakulärer ist freilich der Transfer des Montenegriners Mirotic, der für Chicago, New Orleans und zuletzt Milwaukee in der weltbesten Liga 319 Mal auf dem Parkett stand und mit 28 Jahren in der Blüte seines Schaffens steht - er wird dem Vernehmen nach in drei Jahren bis zu zwölf Millionen Dollar netto verdienen.

All dies macht in München niemanden nervös, die Bayern blicken ohnehin in eine rosige Zukunft. Die Teilnahme in der Euroleague ist zwei weitere Jahre per Wildcard gesichert, danach dürfte der Klub in den Kreis der ständigen Mitglieder aufrücken, rechtzeitig zur Fertigstellung der neuen Halle 2021. Bis dahin will der FC Bayern zu den besten acht Mannschaften des Kontinents gehören. Ob Pesic angesichts des Wettbietens der Konkurrenz sein Ziel in Gefahr sieht? Mitnichten, erklärt er gelassen, "das ist doch jedes Jahr dasselbe". Sportdirektor Daniele Baiesi war gerade erst in Las Vegas, wo er den US-Markt beobachtete. "Wir sind gut vorbereitet", findet Pesic. Angesichts der drei Topspieler, die er verliert, sagt er noch: "Das ist auch eine Chance, uns zu verbessern."

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