Es herrscht gerade einiges Stühlerücken bei den Bayern-Basketballern. Vielleicht mehr, als dem Klub kurz vor dem Saisonstart lieb sein kann. Dass Marko Pesic seinen Posten als Geschäftsführer zum Jahresende räumt, ist bereits seit Anfang Mai bekannt, seine Nachfolger haben am 1. Juli ihre Arbeit aufgenommen: Der bisherige Sportdirektor Dragan Tarlac ist seither Sport-Geschäftsführer, Adrian Sarmiento kaufmännischer Geschäftsführer. Sie beide werden von Pesic „gut und behutsam“ eingearbeitet, auch wenn dieser „gerade sein Büro ausräumt“, wie Sarmiento am Mittwoch bei einem Pressegespräch berichtete. Schmunzelnd fügte er an: „Er hat mich dazu verdonnert, in sein Büro gehen zu dürfen.“
Pesic und die anderen Führungskräfte haben die Münchner in den vergangenen 14 Jahren zum finanziell und sportlich stärksten deutschen Basketballteam und zu einem etablierten Euroleague-Klub geformt. Pesic übergibt außerdem einen Verein, der in Gordon Herbert vor einem Jahr den Weltmeister-Trainer der deutschen Basketballer verpflichtet hat. Dieser hat in der kommenden Saison eigentlich viel vor: „Meine Vision, die ich den Spielern vor drei, vier Wochen mitgeteilt habe, war: Gewinnt die deutsche Meisterschaft, den Pokal und zieht in die Euroleague-Playoffs ein! Doch dann verletzten sich Jokubaitis und Voigtmann.“

Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic:„Ich bin über meine Grenzen gegangen“
Nach 14 Jahren Verantwortung hört Marko Pesic bei den Basketballern des FC Bayern auf. Er erklärt, wie ihn Uli Hoeneß geprägt hat, wie die Mannschaft in der kommenden Saison aussieht – und ob er Vizepräsident der Münchner werden will.
Rokas Jokubaitis, für Herbert „der beste Point Guard in Europa“, dürfte nach seinem bei der Europameisterschaft erlittenen Kreuzbandriss fast die gesamte Saison ausfallen, Voigtmann musste sich ebenfalls einer Knie-OP unterziehen. Immerhin fanden die Bayern für Jokubaitis schnell Ersatz: Im serbischen Nationalspieler Stefan Jovic, 34, kommt ein Spielmacher aus Valencia, der die Stadt München und den Klub gut kennt. Schließlich stand Jovic bereits von 2017 bis 2019 beim FC Bayern unter Vertrag – und gewann zwei Meisterschaften und einen Pokal. „Es ist eine schwierige Situation gewesen und eine schockierende Nachricht, wir haben uns extrem Gedanken um Rokas und seine Rolle gemacht“, sagte Sarmiento am Mittwoch: „Es ist toll gelungen, die Lücke zu kompensieren.“
„Es ist eine Win-win-win-Situation für jeden hier in Deutschland“, sagt Herbert über den EM-Titel der deutschen Basketballer
Herbert lobte Jovic auch wegen dessen herausragender Spielintelligenz: „Wir sind sehr froh, dass er verfügbar war. Sein Basketball-IQ ist unglaublich, er denkt das Spiel, er ist wie ein Coach auf dem Feld.“ Bei der EM verpasste der zweimalige Vizeweltmeister und Olympia-Zweite von Rio allerdings mit Serbien das Viertelfinale – und musste sich am vergangenen Sonntag aus der Ferne anschauen, wie die deutschen Basketballer zum zweiten Mal nach 1993 Europameister wurden. Ein Moment, der auch den früheren Bundestrainer Herbert berührte: „Eine große Leistung, toll auch für die Liga, für die Klubs, für die Fans. Es ist eine Win-win-win-Situation für jeden hier in Deutschland. Und es ist sehr wichtig, dass die Klubs und Verbände das nutzen, um vorwärtszukommen.“
Herbert macht sich zugleich einige Sorgen um seine Vision, die er den Spielern vor ein paar Wochen mit auf den Weg gegeben hat. Denn zwischenzeitlich verletzten sich nicht nur Jokubaitis und Voigtmann. Die Europameister Andreas Obst, Oscar da Silva, Justus Hollatz und Leon Kratzer, kehren nun quasi ohne Erholungspause zu ihrem Klub zurück, für den am kommenden Freitag mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Jena die Saison beginnt.
Bei Kratzer und da Silva hofft Herbert, „dass sie in Form sind, sie haben nicht so viel gespielt. Hollatz sollte auch o.k. sein.“ Er plane, Andreas Obst „ein paar Extratage freizugeben, um sich zu erholen“. Herbert macht sich aber nicht nur wegen der EM, sondern ganz grundsätzlich Sorgen um die Gesundheit der Profis. „Wir sind dabei, unsere Spieler zu töten“, hatte er vor gut einer Woche der SZ gesagt. Gemeint war die Belastung durch die vielen Saisonspiele in den Klubwettbewerben, die auf die Profis zukommen.
Herbert wünscht sich auch deshalb noch mehr Spieler, er findet: „Wir schauen uns auf dem Markt um, unser Kader ist noch nicht komplett“. Man müsse sehen, wie schnell Voigtmann nach seiner Verletzung zurückkehren könne, außerdem blicke man sich nach einem jungen Flügelspieler um, auch in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters von Niels Giffey, 34, und Vladimir Lucic, 36.
Vier Trainings und ein Testspiel sind noch angesetzt bis zum Saisonstart gegen Jena, eine Woche Zeit also für die unmittelbare Wettkampfvorbereitung. Das muss reichen für Herbert. Aber er hat ja den Ruf, sich in Spieler hineinfühlen zu können wie kein Zweiter.

