Basketball-PokalBöser Rückschlag im K.-o.-Spiel

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Das tat weh: Münchens Andreas Obst wird von Bambergs Cobe Williams gebremst, der hoch favorisierte FC Bayern hat damit den ersten möglichen Titel der Saison verpasst.
Das tat weh: Münchens Andreas Obst wird von Bambergs Cobe Williams gebremst, der hoch favorisierte FC Bayern hat damit den ersten möglichen Titel der Saison verpasst. Alexander Trienitz/Imago
  • Der FC Bayern verliert überraschend das Basketball-Pokal-Halbfinale gegen Bamberg mit 97:103 nach Verlängerung in eigener Halle.
  • Die hoch favorisierten Münchner spielten ohne Energie und mit schwacher Defensive, während Bambergs Watson und Williams jeweils über 20 Punkte erzielten.
  • Trainer Pesic kassiert im ersten wichtigen K.-o.-Spiel der Saison einen bösen Rückschlag und verpasst den ersten möglichen Titel.
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Selten zuvor war eine Mannschaft derart favorisiert wie der FC Bayern im Pokal-Halbfinale gegen Bamberg. Doch die Münchner spielen ohne Energie und Biss und scheiden in eigener Halle verdient aus.

Von Ralf Tögel

Um zu ermessen, was da am Samstagnachmittag im SAP Garden vor 11 500 Zuschauern aus der Perspektive des FC Bayern geschehen war, genügte ein Blick in das Gesicht von Vladimir Lucic. Mit gesenktem Haupt und gequältem Blick bestieg er den Aufzug, der ihn in die Tiefgarage der riesigen Arena brachte. Bloß weg hier, bloß niemandem begegnen, bloß kein Wort sagen müssen. Das zweite Halbfinale lief noch, das die Berliner im Gegensatz zu den Münchnern erwartungsgemäß gewinnen sollten, aber dem Kapitän der Bayern-Basketballer war das in diesem Moment herzlich egal. Lucic wollte nur noch schnell und unerkannt dem Ort entfliehen, an dem sich der turmhohe Favorit gerade kräftig blamiert hatte.

Dabei war der routinierte Serbe einer von wenigen im Münchner Team, der bei der 97:103-Niederlage nach Verlängerung gegen famos kämpfende Bamberger in Normalform agiert hatte, 17 Punkte steuerte der Kapitän bei, 24 waren es beim nordmazedonischen Spielmacher Nenad Dimitrijevic, Andreas Obst erzielte wie sein Kapitän ebenfalls 17 Zähler. Womit man bei der Schlüsselpersonalie dieser Begegnung wäre. Obst hatte zuletzt äußerst starke Leistungen gezeigt, stellte einen Rekord mit 37 Punkten in der Euroleague auf, nie zuvor hatte ein deutscher Spieler mehr Punkte in der kontinentalen Königsklasse erzielt. Das ist derzeit die einfachste und effektivste Lösung im Spiel der Bayern-Basketballer, wenn nichts mehr geht: Ball zu Obst, der Welt- und Europameister wird es schon richten.

Dummerweise wusste das der gegnerische Trainer auch. Anton Gavel hat nicht nur die letzten fünf Jahre seiner aktiven Karriere in München gespielt, er hatte auch sein Team optimal auf die Bayern eingestellt: Obst sei zwar nie ganz auszuschalten, erklärte der 41-Jährige, was der ja mit 17 Zählern belegte, aber: „Wir wollten aggressiv verteidigen und versuchen, es Andi schwer zu machen. Das ist uns ganz gut gelungen.“ In der Tat, Obst blieb in der ersten Halbzeit bei zwei kümmerlichen Pünktchen, die Dreierquote der Bayern war mit 17 Prozent insgesamt miserabel. Allerdings schien das im Team des Meisters niemanden großartig zu beunruhigen, zumal die Bamberger aus dieser schwachen Vorstellung kaum Profit schlagen konnten. So plätscherte die unansehnliche Partie der Pause entgegen. Obwohl Bamberg meist vorlegte, gingen die Bayern mit einem dünnen 36:34-Vorsprung in die Kabine.

Schlechte Defense, schlechte Würfe, keine Energie: Die Bayern lassen alles vermissen, was sie zuletzt stark gemacht hat

Die Erwartung, dass Münchens Trainer Svetislav Pesic seine Profis aus ihrer Lethargie wecken würde, erfüllte sich nicht. Das Spiel blieb schwach, die Bayern agierten „ohne Energie, mit schwacher Defense und schwachen Würfen“, wie Pesic hernach feststellte. Seine Spieler agierten weiter eigenartig pomadig, es schien fast, als würden sie den Ernst der Lage verkennen. Und kein Akteur war in der Lage, wirksam für Obst in die Bresche zu springen. Zwar fehlten in Spielmacher Stefan Jovic und Center Wenyen Gabriel wichtige Akteure, die offenbar für das Finale geschont werden sollten. Jovic war leicht angeschlagen, Gabriel etwas krank, was sich im Nachhinein als Fehler erwies, angesichts der Qualität im hochgelobten und breiten Kader nicht als Erklärung dienen kann.

Offenbar unterschätzten die Bayern den Gegner schlichtweg, der über eine starke Starting Five verfügt. Vor allem Ibi Watson, mit 24 Punkten Topscorer der Partie, und Cobe Williams, der 22 Punkte sammelte, setzten mit ihren Dribblings und Würfen der behäbigen Bayern-Defensive wirkungsvoll zu, zudem zeigte Moritz Krimmer mit 15 Punkten nach langer Verletzungspause eine feine Leistung. „Es war klar, dass die beiden Verantwortung übernehmen müssen“, lobte Gavel sein dynamisches Duo, „das haben sie getan.“

Viel vom Altmeister gelernt: Anton Gavel gab alles bei seinem ersten Auftritt im SAP Garden – mit Erfolg. Schließlich habe er unter Trainer Pesic in München Wichtiges in seine Trainerlaufbahn mitgenommen“, wie Pesic hernach dozierte.
Viel vom Altmeister gelernt: Anton Gavel gab alles bei seinem ersten Auftritt im SAP Garden – mit Erfolg. Schließlich habe er unter Trainer Pesic in München Wichtiges in seine Trainerlaufbahn mitgenommen“, wie Pesic hernach dozierte. Alexander Trienitz/Imago

Und die Münchner? Wachten tatsächlich nochmals auf, Obst kam besser ins Spiel, führte sein Team zu einem 68:61-Vorsprung, es deutete sich ein weiterer dieser schmucklosen Pflichtsiege an, für die allein die individuelle Münchner Qualität so oft den Ausschlag gegeben hat. Nicht so an diesem Abend. Der Favorit ließ auch dieses Momentum eigenartig kraftlos verpuffen – und so schleppte sich diese Partie der vertanen Möglichkeiten ihrem unvermeidlichen Ende entgegen. Einmal noch konnten Obst und Dimitrijevic mit erfolgreichen Dreierwürfen in höchster Not zum 83:83 das vorzeitige Aus verhindern und die Verlängerung erzwingen, dann aber war Bamberg nicht mehr aufzuhalten.

„Ich habe in meiner gesamten Karriere noch nie erlebt, das ein Team  20 Punkte in einer Overtime erzielt hat“, staunte Pesic über die spektakuläre Verlängerung. Bambergs Williams eröffnete mit seinem Distanzwurf einen Schlagabtausch von sechs Angriffen, die in schneller Reihenfolge jeweils per Dreier abgeschlossen wurden. Den letzten von Watson konnten die Münchner allerdings nicht mehr beantworten, der Versuch von Obst ploppte an den Ring und hinterließ 11 500 weitestgehend entsetzte Zuschauer. Nur eine Gruppe von etwa 1000 mitgereisten Bambergern wollte gar nicht mehr aufhören zu jubeln.

„Wir können besser spielen, natürlich, aber man spielt auch nur so gut, wie es der Gegner erlaubt“, schloss Pesic lapidar. Auch der 76-Jährige konnte nicht wirksam ins Spiel eingreifen. Und so kassierte der Serbe, der an Weihnachten wegen anhaltenden Misserfolgs für Weltmeister-Trainer Gordon Herbert installiert worden war, ausgerechnet im ersten wichtigen K.-o.-Spiel der Saison den ersten bösen Rückschlag. Dabei sind die Bayern dem Rest der Bundesliga meilenweit enteilt, führen souverän das Klassement an, fegen die Gegner in der Regel vom Parkett. Auch in der Euroleague hat Pesic die Mannschaft erfolgreich reanimiert, gleichwohl dürften die Playoffs außer Reichweite bleiben. Umso wichtiger wäre das nationale Double gewesen, das Präsident Hainer zur Pflichtaufgabe erklärt hatte. So musste er an der Seite von Oberbürgermeister Dieter Reiter, der vor dem Spiel seiner Freude Ausdruck darüber verlieh, dass das Event für drei Jahre in seiner Landeshauptstadt zu Gast ist, das Desaster aus erster Reihe mitverfolgen.

Immerhin hatte Pesic an diesem verkorksten Abend einmal Grund zur Freude. Auf die Frage, ob er denn stolz sei auf Anton Gavel sei, entfuhr ihm ein Lachen. Gavel, dem diese veritable Überraschung gelungen war, habe schließlich einiges in seiner Zeit als Spieler unter dem Trainer Pesic gelernt: „So wie er als Spieler war, hat sein Team heute gespielt: immer über 100 Prozent. Man hat gemerkt, dass er bei mir war.“ Es sollte der einzige Lacher des Münchner Trainers an diesem verkorksten Abend bleiben.

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