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David Alaba beim FC Bayern:Die letzten Kommandos auf Wienerisch

FC Bayern München: David Alaba im Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen

Demnächst in einem anderen, vermutlich weißen Trikot: David Alaba zieht es weg aus München.

(Foto: Matthias Schrader/AP)

Dreizehn Jahre lange spielte David Alaba in München, jetzt zieht es ihn wahrscheinlich zu Real Madrid. Sein Wert für die Mannschaft ist enorm - aber auch er ist Teil des politischen Streits beim FC Bayern geworden.

Von Martin Schneider

Vielleicht ist einer der überraschendsten Fakten über David Alaba, dass er immer noch erst 28 Jahre alt ist. Es gibt so ein paar Fußballer, die wirken scheinalt. Auch bei Mario Götze (ebenfalls 28) gab es diesen Effekt, er tritt ein, wenn Fußballer jung debütieren und dann weiter durch Leistung oder Geschichten präsent bleiben. Wenn man dann denkt, dass sie auf die Zielgerade ihrer Karriere einbiegen, muss man mit Blick auf den Kalender feststellen: Moment - mit 28 Jahren hat man ja noch ein paar Jahre vor sich.

Und David Alaba war immer präsent beim FC Bayern, seit ihn Louis van Gaal im Jahr 2010 gegen Greuther Fürth 17-jährig erstmals bei den Profis einwechselte. Trotzdem ist er aus dem Tagesrampenlicht ein bisschen herausgefallen - was verwundert, wenn man bedenkt, was sein bevorstehender Abschied beim FC Bayern dann doch bedeutet. Aktuell und historisch.

Beim 2:0-Sieg gegen Leverkusen wurde Bayern-Trainer Hansi Flick nach dem Spiel gefragt, ob Alaba der beste Mann auf dem Platz gewesen sei, was Flick so nicht bestätigen wollte, aber für ein "sehr gut gespielt" reichte es dann doch. Alaba hatte die beiden frühen Tore von Eric Maxim Choupo-Moting (8.) und Joshua Kimmich (13.) mit präzisen Flanken vorbereitet. Aber vor allem hat er wieder einmal das Münchner Spiel sortiert. In der leeren Arena hörte man wie so oft hauptsächlich zwei Stimmen: die von Thomas Müller und die von Alaba.

Alaba hatte es sich so ein bisschen zur Abend-Aufgabe gemacht, Alphonso Davies zu coachen, der ja auf Alabas vormaliger Position des Linksverteidigers spielte. "Gut so, Phonzy", "Pressure", "Phonzy Mitte", "Phonzy go" - wie der Kopilot beim Rallyefahren dem Fahrer die Kurven vorliest, so navigierte Alaba Davies und manchmal auch die ganze Abwehr aus dem Mittelfeld heraus in Wienerisch-Englisch durchs Spiel. Im Angriff übernahm das dann Müller mit besonderem Augenmerk auf Jamal Musiala (18 Jahre alt).

Während Alaba also Tore vorbereitete und Anweisungen gab, ploppte im Netz eine Meldung auf: "Alaba einig mit Real Madrid", vermeldete der Sender Sky. Bestätigt wurde die Info am Mittwoch nicht, allerdings hatten mehrere spanischen Medien auch schon früher von einer Einigung geschrieben; außerdem wird Alaba vom legendären Agenten Pini Zahavi beraten, dem sehr gute Kontakte nach Madrid nachgesagt werden - Robert Lewandowski engagierte ihn einst nur deswegen.

Alaba selbst äußerte sich nicht, aber der vermeldende Sender fragte dann Joshua Kimmich, der sich gerade so praktisch vor den Mikrofonen befand, wie er einen Wechsel von Alaba zu Madrid fände. "Er hat hier alles gewonnen, zweimal das Triple, einmal sogar sechs Titel. Real Madrid ist auf jeden Fall ein würdiger Verein", sagte Kimmich. "Es gibt nicht viele Steps, die man nach Bayern München noch machen kann, aber Real ist nicht ganz so schlecht."

Den "Step" macht Alaba natürlich aber nicht ganz freiwillig, und da landet man dann wieder bei der Tagespolitik des FC Bayern, die gerade dabei ist, auch den möglichen Gewinn der Meisterschaft am kommenden Samstag zu überlagern. Kimmich, einmal vor den Mikrofonen, sagte dann auch noch, wenn Flick im Sommer aus seinem Vertrag rauskomme, dann "hoffe ich natürlich, dass er danach zum DFB geht". Ob Flick das kann und darf, wird noch zu verhandeln sein. Der Trainer befindet sich ja nach wie vor im offenen Konflikt mit seinem Arbeitgeber, nach dem Mainz-Spiel will man sich zusammensetzen.

Und auch Alaba ist ein kleines Puzzleteil dieses Zorngemäldes. Flick hätte den Österreicher gern behalten, man sah gegen Leverkusen noch mal, warum. Aber die Vertragsgespräche scheiterten spektakulär, inklusive öffentlicher Uli-Hoeneß-Attacke gegen Alabas Berater ("Piranha"). Mit dem Abschied von Alaba und Boateng hätte Flick dann seine Stamm-Innenverteidigung verloren, wenn er denn im kommenden Jahr noch Trainer sein würde.

Linksfuß Lucas Hernández wird dann sehr wahrscheinlich unter einem noch zu findenden Trainer die Position von Linksfuß Alaba übernehmen, neben ihm wird entweder Neuzugang Dayot Upamecano oder Niklas Süle spielen. Tanguy Nianzou, 18 Jahre alt, weitgehend anerkanntes Talent und gegen Leverkusen nach seiner Verletzung mal wieder mit längerer Spielzeit, wird sich in der Abwehrhierarchie hinter den dreien einreihen.

Aber Alaba fehlt ja nicht nur in der Innenverteidigung - dorthin stellte ihn erst und einzig der Trainer Flick. Er fehlt auch als Linksverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler. Man muss Real Madrid lassen, dass sie wirklich viel für ihr Geld bekommen würden. Wenn sie denn noch Geld haben. Klub-Präsident Florentino Pérez sagte ja im Zuge dieses ganzen Super-League-Wahnsinns, ohne den neuen Wettbewerb sei Madrid bis 2024 "tot". Nun ist die Super League tot, aber dafür kann Alaba ja nichts.

Zu Ende geht die Klubkarriere von Alaba so oder so, und man merkt da wieder, wie sehr Fans in den Stadien fehlen. Alaba, Spieler aus der eigenen Nachwuchs- (2008) und der Amateurmannschaft (2009), vereinstreu und langjähriger Freund von Franck Ribéry, war immer eine sogenannte Identifikationsfigur der Kurve. Was ja meint, dass da jemand vielleicht nicht nur wegen des Geldes und der sportlichen Perspektive für den FC Bayern spielt, sondern sich auch irgendwie dem Verein verbunden fühlt. Es konnte deswegen auch im Stadion leider keiner sehen, dass Alaba, quasi als letzte Dienstleistung, mit Alphonso Davies vielleicht noch seinen Nachfolger auf die kommenden Aufgaben vorbereitet hat.

© SZ/nee/bek/bkl
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