FC Barcelona: Trikotwerbung Tabubruch für 165 Millionen

111 Jahre ist der FC Barcelona ohne kommerzielle Trikotwerbung ausgekommen. Bis jetzt: Eine Stiftung des WM-Ausrichters Katar wird künftig auf der Barça-Brust werben. Der Verein streicht dafür eine Rekordsumme ein.

Es gibt im modernen Fußball nur wenige Traditionen, die noch gewahrt werden - und noch weniger Dinge, die als heilig gelten. Die Akteure tragen Schuhe in Farben, die man gemeinhin auf der Love Parade der neunziger Jahre vermuten würde, Stadien werden nicht nach verdienten Helden, sondern nach gut zahlenden Unternehmen benannt - und Turniere werden an zahlungskräftige Nationen vergeben.

Bislang war auf den Trikots des FC Barcelona keine Werbung zu sehen - nur der Schriftzug der Unicef. Für das Hilfswerk warb der Verein unentgeltlich.

(Foto: AFP)

Einer der wenigen Vereine, die sich zumindest teilweise gegen den Ausverkauf gewehrt haben, war der FC Barcelona. Keine kommerzielle Werbung auf dem Trikot, das war 111 Jahre lang das Dogma des spanischen Vereins. Doch auch damit ist nun Schluss: Erstmals in seiner langen Geschichte verkauft der Verein den Werbeplatz auf der Brust seiner Spieler - und dabei in den kommenden Jahren die Rekordsumme von 165 Millionen Euro einnehmen.

Der Verein hat sich mit der Qatar Foundation des Emirats Katar auf eine Zusammenarbeit bis 2016 geeinigt. In dieser Saison fließen noch 15 Millionen Euro, danach pro Jahr 30 Millionen Euro. Das teilte Barcelonas Finanzchef Javier Faus am Freitag mit. Es sei der bislang lukrativste Vertrag über Trikotwerbung in der Geschichte des Fußballs.

Bisheriger Top-Verdiener in Sachen Trikotwerbung ist Bayern München. Der deutsche Rekordmeister bekommt jährlich zwischen 25 und 27,5 Millionen Euro von der Deutschen Telekom. Der spanische Rekord-Champion Real Madrid und Manchester United kommen auf knapp 24 Millionen Euro.

Bislang hatte der Verein von Lionel Messi auf den Trikots lediglich kostenlos für das Kinderhilfswerk Unicef geworben und diesem seit 2006 darüber hinaus jährlich 1,5 Millionen Euro für Hilfsprojekte gespendet. Dieses Engagement solle beibehalten werden, hieß es. Das Logo des Hilfswerks soll auch künftig auf dem blau-karmin-farbenen Trikot prangen. Wie genau die beiden Hinweise auf den Shirts angebracht werden, will der Klub noch klären. Sollte es dabei Probleme geben, habe das Unicef-Logo Priorität.

Die Qatar Foundation ist eine gemeinnützige Organisation, die sich im Wesentlichen mit Bildungsprojekten im Mittleren Osten beschäftigt. Sie wurde 1995 von Scheich Hamad Bin Khalifa Al-Thani gegründet und wird nun geleitet von Mozah Bint Nasser Al-Missned, der Ehefrau des Emirs, der die zentrale Rolle bei der erfolgreichen Bewerbung des Wüstenstaats für die WM 2022 spielte. Katar richtet dann die Fußball-Weltmeisterschaft aus. Barças Trainer Josep Guardiola, der einst als Spieler bei einem Verein des Emirats unter Vertrag stand, hatte die Kandidatur unterstützt.

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