FC BarcelonaWenn Frauen für Männer bezahlen müssen

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Zuletzt spielten die Fußballerinnen des FC Barcelona um Alexia Putellas (Mitte) im Mai um den Champions-League-Titel – und verloren das Finale gegen Arsenal.
Zuletzt spielten die Fußballerinnen des FC Barcelona um Alexia Putellas (Mitte) im Mai um den Champions-League-Titel – und verloren das Finale gegen Arsenal. (Foto: Leiting Gao/BSR Agency/Imago)
  • Der FC Barcelona muss aufgrund finanzieller Probleme, verursacht durch hohe Ausgaben für das Männerteam, auch bei den erfolgreichen Frauen Einsparungen vornehmen.
  • Sechs Spielerinnen haben den Verein bereits verlassen, weitere könnten folgen.
  • Trotz der Abgänge glaubt Trainer Pere Romeu weiterhin an die Wettbewerbsfähigkeit des Teams, muss aber verstärkt auf Nachwuchsspielerinnen setzen.
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In den vergangenen fünf Jahren gewannen die Fußballerinnen des FC Barcelona so gut wie alles. Nun aber schrumpft der Kader, selbst ein Weggang von Alexia Putellas erscheint nicht mehr ausgeschlossen – wegen der Schulden der Männer.

Von Anna Dreher

Vergangenen Freitag war dann auch noch Jana Fernández weg, verkauft vom FC Barcelona an den englischen Aufsteiger London City Lionesses. Eine Spielerin, die die Jugendakademie La Masia durchlief, mit 16 Jahren bei den Frauen debütierte, dann etliche Titel sammelte und die Trophäe bei der Europameisterschaft im Juli mit Spanien erst knapp im Elfmeterschießen gegen England verpasst hat. Unter anderen Umständen wäre die 23-jährige Verteidigerin wohl bei ihrem Klub geblieben, so reizvoll die englische Profi-Liga Women’s Super League auch geworden ist. Aber die Bedingungen sind gerade nicht normal beim FC Barcelona.

Fernández ist die sechste Spielerin, die aus Katalonien wegzieht, um für einen anderen Verein Fußball zu spielen. Zuvor waren bereits die Wechsel von Torhüterin Ellie Roebuck, Bruna Vilamala und Martina Fernández sowie die Abschiede der schwedischen Nationalspielerin Fridolina Rolfö zu Manchester United und der norwegischen Nationalspielerin Ingrid Engen zu Olympique Lyon bekannt geworden. Dem gegenüber steht bisher nur die Verpflichtung der etablierten spanischen Nationalspielerin Laia Aleixandri, die ablösefrei von Manchester City zurückkehrt.

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In den vergangenen fünf Jahren stand Barcelona fünfmal im Finale der Champions League und gewann die Königsklasse dreimal, in den vergangenen zwei Jahren holte Blaugrana zudem jeweils das nationale Triple. Dieses Team hat fußballerisch mit Weltklasse-Spielerinnen wie den beiden Ballon-d’Or-Gewinnerinnen Aitana Bonmatí (2023, 2024) und Alexia Putellas (2021, 2022) und auch bei den Rahmenbedingungen Maßstäbe gesetzt. Und ausgerechnet dieser Kader ist eine Woche vor dem Saisonstart geschrumpft auf 17 Spielerinnen – wenn man so will: wegen der Männer.

Weil bisher nicht genug eingespart und eingenommen worden ist, könnten weitere Spielerinnen den FC Barcelona verlassen

Wobei die Verantwortung dafür nicht die Kollegen tragen, sondern die Vereinsführung mit ihrem Finanzgebaren trägt, über Jahre Kohle ohne Ende in die Komposition und das Salär des Männerteams gepumpt zu haben, obwohl die Budgetgrenze längst überschritten war. In der Vergangenheit phasenweise mit kolportierten Gehältern in Höhe von 1,4 Milliarden Euro für eine Handvoll prominenter Spieler. Nicht zu vergessen die Verstöße gegen Regeln des europäischen Fußballverbands Uefa und Bilanztricks, was auch zu einem Streit zwischen Barça und dem Ligaverband (La Liga) um Spielgenehmigungen geführt hat. Bei seinem Amtsantritt im März 2021 hatte Klub-Präsident Joan Laporta auf einer Pressekonferenz Schulden von 1,35 Milliarden Euro mitgeteilt, ein Erbe, das schwer wiegt und unter dem nun auch die Frauen leiden.

Weil La Liga festgesetzt hat, dass die Financial-Fair-Play-Regelung, um die Zahlungsfähigkeit der Vereine zu gewährleisten, nicht nur für die Abteilung der Verursacher gilt, wirkt sich die äußerst angespannte Finanzlage auch auf die anderen Bereiche des Klubs aus. Da ist es egal, dass die Fußballerinnen dem Verein bisher keine Kosten bereitet haben, sondern sich selbst tragen konnten und Barça gar neben all den Erfolgen auch Einnahmen bescherten. Was im Fußball der Frauen noch nicht selbstverständlich ist. Der Klub soll von La Liga bereits eine Änderung dieser Regel gefordert haben, um die Budgets getrennt zu behandeln. „Es wäre für alle bequemer, wenn jede Sportart eigene Regeln hätte, statt dass La Liga alles kontrolliert“, sagte Xavi O’Callaghan, Barcelonas Sportchef, in einer Medienrunde: „Das ergibt nicht viel Sinn. Aber wir müssen mit diesen Karten spielen, auch wenn sie nicht die gerechtesten sind.“

Salma Paralluelo zählt zu den Spielerinnen, deren Verträge nach der neuen Saison auslaufen und die auf dem Transfermarkt äußerst begehrt sind.
Salma Paralluelo zählt zu den Spielerinnen, deren Verträge nach der neuen Saison auslaufen und die auf dem Transfermarkt äußerst begehrt sind. (Foto: Kai Schwörer/Imago)

Wie bei den Männern – wenngleich in weniger gewaltiger Dimension – sind auch bei den Frauen Einsparungen die Konsequenz, um die Gesamtkosten zu senken. Zum Vergleich: In der Saison 2024/25 lagen die Gehaltsausgaben für die Mannschaft von Hansi Flick laut The Athletic bei 319 Millionen Euro, für die Frauen laut der spanischen Zeitung El Periódico bei 13,75 Millionen Euro. Die Zielsumme, die von der Frauen-Abteilung eingespart werden muss, um die Bilanz auszugleichen, liegt wohl bei einer Million Euro. Und weil trotz der sechs Transfers bisher nicht genug eingespart und eingenommen worden ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass der FC Barcelona weitere Spielerinnen ziehen lässt – während die Männer sich verstärken.

„Zweifeln Sie nicht an uns“, beschwichtigt Trainer Romeu. „Wir werden weiterkämpfen.“

Die Verträge von fast der Hälfte des Kaders laufen zum Ende der neuen Saison aus, wichtige Spielerinnen wie Weltmeisterin Salma Paralluelo, Caroline Graham Hansen und Mapi León müssten also vorher transferiert werden. Auch der Kontrakt von Alexia Putellas endet im Sommer 2026. Blaugrana ohne sie? Nicht vorstellbar! Was allerdings bei Lionel Messi ebenso undenkbar war – bis es doch dazu kam. Laut Mundo Deportivo scheiterte auch die Verpflichtung der deutschen Nationalspielerin Klara Bühl vom FC Bayern am Financial Fair Play, weil die verhandelten Bezüge damit nicht vereinbar waren. Vergangenes Jahr hatten sich bereits Leistungsträgerinnen wie Mariona Caldentey, Lucy Bronze und Keira Walsh nach England verabschiedet.

Die große Frage ist nun, welche sportlichen Auswirkungen die aufgezwungene harte Kursänderung bei den Frauen hat. Zumal die Konkurrenz weiter investiert. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir immer noch den Kader haben, um gegen jeden mitzuhalten und um alles wettzueifern“, sagte jüngst Trainer Pere Romeu, der wohl mehr auf Talente aus dem Nachwuchsteam setzen muss. Die Schweizer Nationalspielerin Sydney Schertenleib, 18, beispielsweise soll befördert werden. Wobei diese bestens ausgebildeten Fußballerinnen international längst ebenso begehrt sind, weshalb auch der Kader der Reserve geschrumpft ist. „Zweifeln Sie nicht an uns“, beschwichtigte Romeu: „Wir werden weiterkämpfen.“

Am 30. August beginnt die Saison gegen Alhama CF. Ob sich die Erfolgsära des FC Barcelona seit der vor zehn Jahren mit viel Engagement gestarteten Professionalisierung fortsetzen lässt, wird auch davon abhängen, ob weitere Schlüsselspielerinnen gehen müssen.

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