FC Barcelona mit historischer Wende Messi, der Schlüssel

Messi war der Schlüssel für den Triumph. Auch das zweite Tor erzielte der Argentinier aus ähnlicher Position (40.). Doch der Schlüssel musste im übertragenen Sinne erst ins Schloss getragen werden. Und das machten andere. Der ewig unterschätzte Linksaußen Pedro etwa, der mit seiner aufopferungsvollen Laufarbeit schon die deutsche Nationalmannschaft im WM-Halbfinale 2010 vor unlösbare Probleme gestellt hatte. Im Verbund mit David Villa führte Pedro das Pressing der Spanier. Dazu hatten Vilanova und Roura Rechtsverteidiger Dani Alves praktisch auf die Rechtsaußen-Position geschickt, Barcelona verteidigte fast die gesamte Spielzeit mit einer Art Dreierkette.

"Wir wussten, was wir zu tun hatten", erklärte Interimstrainer Roura, "wir mussten den Platz öffnen und wir musste viel mehr Druck auf den Gegner in dessen Hälfte ausüben." Auch das dritte Tor entsprang dem schnellen Pressing nach Ballverlust, Mascherano spritzte dazwischen, Xavi spielte flugs den Ball zum freistehenden Villa, der gewohnt sicher verwandelte (55.). Es folgte ein Gefühlsausbruch des Stürmers, der nach einem Beinbruch acht Monate pausieren musste und nun das erste Tor in der Königsklasse seit Oktober 2011 erzielt hatte.

In dieser erfolgsverwöhnten Mannschaft stimmt auch immer noch das soziale Gefüge. Nach Villas Treffer schrie ihm Pedro (auch ein Konkurrent um einen Stammplatz) entgegen: "Das hast du verdient. Das hast du verdient." Oder als Messi das 2:0 erzielt hatte: Da lief Xavi, Gehirn und Kapitän der Elf, nicht zum jubelnden Torschützen, sondern nach hinten, um Verteidiger Mascherano zu umarmen. Der hatte eine Minute zuvor mit einem Stellungsfehler fast das Spiel kaputt gemacht, der Mailänder Stürmer M'Baye Niang war alleine aufs Tor enteilt, hatte aber nur den Pfosten getroffen. Ein Gegentor hätte wohl alles verändert.

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Die Szene von Niang war Sinnbild dessen, dass der AC Mailand noch nicht soweit ist, um auf der ganz großen Bühne zu bestehen. Stürmer Giampaolo Pazzini verletzt, Stürmer Mario Balotelli nicht spielberechtigt, so sollten der 18-jährige Niang und der 20-jährige Stephan El Shaarawy an der Seite des Berliners Kevin-Prince Boateng die Angriffe zum Ende bringen. Das klappte nur dieses eine Mal.

Nach dem 4:0 durch Jordi Alba in der Nachspielzeit brachen im Camp Nou alle Jubeldämme. "Es waren schwierige Tage. Die Kritik an den Spielern war übertrieben", erklärte Trainer Roura. Dieser FC Barcelona ist immer noch zu besonderen Leistungen fähig, die Trainer zu besonderen Kniffen. Dennoch gingen einige auch nachdenklich in die Nacht. "Ich hoffe, dass wir keine weitere Ohrfeige brauchen, um zu unserem Spiel zurückzufinden", sagte Mascherano. Es könnte dann die eine Ohrfeige zu viel sein.