FC Augsburg:Trippelnd in den Konvent

FC Augsburg - Arminia Bielefeld

"Selber schuld": Der enttäuschte Torwart Rafal Gikiewicz benötigte nur zwei Worte, um zu erklären, warum es gegen Bielefeld nicht zum zweiten Saisonsieg gereicht hatte.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Vor der Mitgliederversammlung sucht der FCA weiter nach Wegen aus dem Souterrain der Bundesliga. Geschäftsführer Reuter erhöht sanft den Druck.

Von Maik Rosner

Es kommt selten vor, dass für eine Jahreshauptversammlung Wetterberichte von Belang sind und vorsichtshalber dicke Socken aus dem Schrank gekramt werden. Beim FC Augsburg läuft gerade einiges etwas anders, als es sich all jene vorstellen, die es mit dem Verein halten. Dass der Konvent an diesem Dienstagabend in der Augsburger Arena als Freiluftveranstaltung abgehalten wird, liegt allerdings an den besonderen Umständen der Pandemie.

Viele Mitglieder sind schon froh, nach der Zwangspause im Jahr 2020 nun überhaupt eine JHV als Präsenztermin erleben und ihr Mitspracherecht ausüben zu können. Denn Gesprächs- und Debattenstoff gibt es durchaus beim FC Augsburg. Dazu zählt der Verdacht auf Lohndumping bei Nachwuchstrainern des Vereins, weshalb die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hatte und die Geschäftsstelle des FCA im August durchsucht worden war. Zudem fühlten sich einige Mitglieder und Fans übergangen, als der Präsident und Vorstandsvorsitzende Klaus Hofmann im Frühjahr den US-Milliardär David S. Blitzer stillschweigend in Augsburgs Investoren-GmbH holte, die 99 Prozent an der Profiabteilung hält. Anhänger des Vereins entdeckten diese wichtige strategische Entscheidung zufällig im Handelsregister.

Umtreiben dürfte die Mitglieder auch die weiterhin schwierige sportliche Situation. Die engagierte Leistung beim 1:1 gegen Arminia Bielefeld am Sonntagabend war zwar nicht dazu angetan, den Weg des FCA ganz grundsätzlich infrage zu stellen. Denn Augsburg hatte das Spiel in der ersten Hälfte klar bestimmt und war durch Reece Oxfords Kopfballtor in Führung gegangen (19.). Danach aber versäumte die Mannschaft die Entscheidung und verfiel nach der Halbzeit wieder einmal in eine Passivität, die es den Bielefeldern erlaubte, durch Jacob Laursens Volleyschuss zu einem glücklichen Punkt zu kommen (77.). "Man sieht, dass wir uns schwertun, Spiele zu gewinnen", sagte Trainer Markus Weinzierl.

Mit sechs Punkten aus acht Spielen bewegen sich die Augsburger in sehr kleinen Trippelschritten, ohne wirklich von der Stelle zu kommen. Nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen die Arminia sind sie in der Tabelle sogar auf Relegationsrang 16 abgerutscht, weil Bochum zuvor in Fürth gewonnen hatte. Und so langsam entfernen sich die Augsburger nicht nur tabellarisch von ihrem Ziel, nach dem zähen Abstiegskampf der Vorsaison nicht erneut im Souterrain der Liga festzuhängen. Auch der Ertrag fällt mit nur einem Sieg und gerade einmal vier erzielten Toren sehr übersichtlich aus. "Wir wollen mehr Punkte als Spiele haben", sagte Geschäftsführer Stefan Reuter, und weil das nicht der Fall ist, "müssen wir zulegen."

Nun kommen drei Gegner, gegen die sich die Augsburger einiges versprechen - aber das war gegen Bielefeld auch schon so

Es ist ein noch sanfter Druck, den er ausübt vor den beiden kommenden Ligaspielen beim FSV Mainz 05 am Freitagabend und gegen den VfB Stuttgart an Halloween. Dazwischen steht das DFB-Pokalspiel der zweiten Runde in Bochum an. Drei Gegner also, gegen die sich die Augsburger einiges versprechen. Doch das war auch schon gegen Bielefeld so, und wegen des Leistungsabfalls in der zweiten Hälfte musste Reuter "extrem enttäuscht" bilanzieren: "Wir haben es nicht geschafft, eine Linie in unser Spiel zu bringen." Auch Weinzierl kam nicht umhin, einige Defizite zu benennen. "Zu passiv" sei man geworden, analysierte er, man habe "keine eigene Spielstruktur" gehabt und "zu viele lange Bälle geschlagen". Torwart Rafal Gikiewicz benötigte nur zwei Worte, um zu erklären, warum es nicht zum zweiten Saisonsieg gereicht hatte. "Selber schuld", sagte er.

Dennoch geben sie sich beim FC Augsburg zuversichtlich vor den kommenden Aufgaben, weil sie bereits bei der 1:2-Niederlage in Dortmund und nun gegen Bielefeld zumindest eine zart aufsteigende Tendenz erkennen ließen. Zudem kehren nach und nach wichtige Spieler zurück, die sich zuletzt mit einer in der Mannschaft um sich greifenden Erkältung angesteckt hatten oder wegen Blessuren oder Reisestrapazen nach ihren Länderspielen ausgefallen waren. Wann Stürmer Florian Niederlechner, der zwei der vier Augsburger Tore erzielte, nach seiner Leisten-OP wieder zur Verfügung steht, ist allerdings offen.

Die Aufgabe des hauptamtlichen Torschützen hatte diesmal Verteidiger Oxford, 22, übernommen. Gefallen war sein erstes Tor für den FCA in der Drangphase jener ersten Spielhälfte, die nun als Vorbild dienen soll. "Wenn wir das hinbekommen über 90 Minuten, dann bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Punkte holen werden", sagte Weinzierl. Und damit zum Wetter: Vorhergesagt für den Beginn der JHV sind ein bedeckter Himmel und 14 Grad Celsius, Tendenz sinkend.

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