Debakel beim FC AugsburgRückschläge sind eingepreist

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Noch nicht der letzte Schrei: Vor allem mit der Rückwärtsbewegung seines FC Augsburg konnte Trainer Sandro Wagner gegen Leipzig nicht einverstanden sein.
Noch nicht der letzte Schrei: Vor allem mit der Rückwärtsbewegung seines FC Augsburg konnte Trainer Sandro Wagner gegen Leipzig nicht einverstanden sein. Frank Hoermann/Sven Simon/Imago
  • Der FC Augsburg verliert mit 0:6 gegen RB Leipzig und kassiert damit die höchste Heimniederlage seiner Bundesligageschichte.
  • Trotz des Debakels hält der Verein an Trainer Sandro Wagner und seiner offensiven Spielweise fest, da Rückschläge bei der jungen Mannschaft eingepreist seien.
  • Augsburg hat in acht Ligaspielen bereits 20 Gegentore kassiert und zeigt eine wellenförmige Lernkurve mit stark ausgeprägten Tiefen.
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0:6 gegen RB Leipzig: Trotz der höchsten Heimniederlage seiner Bundesligageschichte zweifelt beim FC Augsburg bislang niemand an der forschen Spielidee von Trainer Sandro Wagner.

Von Maik Rosner, Augsburg

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Was sich alles aufgestaut hatte, ließ sich schon nach gut 20 Minuten beobachten, als Ersatzkapitän Kristijan Jakic versuchte, seine Gefühle zu kanalisieren. So weit weg wie möglich beförderte der Augsburger den Ball nach dem dritten Gegentor auf die Tribüne. Später, nach dem 0:6 (0:4)-Endstand gegen RB Leipzig, musste Jakic vom verletzten Spielführer Jeffrey Gouweleeuw sogar davon abgehalten werden, nach Wortgefechten mit einigen Fans selbst auf die Ränge zu gehen.

Sie hatten schon mal bessere Laune beim FCA, und zur Erheiterung von Sandro Wagner trug auch nicht bei, dass er nach der höchsten Heimniederlage in der Augsburger Bundesligageschichte gefragt wurde, ob er noch das hundertprozentige Vertrauen seiner Vorgesetzten spüre. „Ja“, sagte der Trainer knapp und lächelte süffisant.

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Tatsächlich lassen sie beim FC Augsburg keine Zweifel daran, den eingeschlagenen Weg mit ihrem neuen Cheftrainer fortzusetzen. Trotz des heftigen Rückschlags äußerten sich Sportdirektor Benjamin Weber und die Spieler überzeugt von der Herangehensweise. Für zu forsch hielt auch Wagner die Spielweise trotz der Havarie gegen den Tabellenzweiten Leipzig nicht. Er verwies auf die zuvor vier Punkte gegen Wolfsburg und Köln. „Wir können, weil wir in den letzten zwei Spielen sehr scharf waren gegen den Ball und jetzt eine Watschn bekommen haben, nicht sagen, dass das ein strukturelles Thema ist, dass wir zu hoch verteidigen“, befand Wagner. Gerade bei einer jungen Mannschaft wüssten alle, „dass es auch mal einen Knacks geben kann. Da preisen wir den ein oder anderen Fehler mit ein.“

Es sind die großen Ausschläge nach oben und unten, die die Augsburger in ihrem Lernprozess nerven. Auf einen 3:1-Sieg in Freiburg zu Saisonbeginn waren beim FCA vier Niederlagen in Serie gefolgt, darunter ein 1:4 zu Hause gegen Mainz und ein 1:2 in Heidenheim. Nach dem 3:1 gegen Wolfsburg und 1:1 in Köln setzte es nun den bisher größten Rückschlag gegen Leipzig.

Schon zur Halbzeit lagen die Augsburger hoffnungslos 0:4 zurück, weil sie immer wieder in Konter gelaufen waren. Yan Diomande (10. Minute), Rômulo (18.), Antonio Nusa (22.) und Christoph Baumgartner (38.) waren gegen die hoch stehenden und oft naiv verteidigenden Augsburger zu leichten Toren gekommen. „Es war brutal, jeder Fehler wurde ausgenutzt“, sagte Mittelfeldspieler Robin Fellhauer. Planmäßig hatten die Leipziger mit ihren schnellen Offensivkräften den FCA seziert. „Wir wussten, dass Augsburg hoch anläuft, aggressiv ist und es darum gehen wird, das immer wieder zu überspielen, um in der Tiefe Räume zu bekommen“, referierte RB-Trainer Ole Werner. Mit chirurgischer Präzision war genau das gelungen, „wir haben das sehr effektiv für uns nutzen können“, freute er sich. In der zweiten Halbzeit spielte Leipzig die Partie seriös und reif zu Ende. Assan Ouédraogo (56.) und Castello Lukeba (65.) erzielten die weiteren Tore zu Leipzigs höchstem Auswärtssieg in der Bundesliga.

Die Lernkurve des FCA verläuft in Wellen – wobei die Tiefen stärker ausgeprägter sind

Nach der 0:6-Niederlage beim FC Bayern zu Saisonbeginn haben die Leipziger, abgesehen vom 1:1 in Dortmund, alle ihre Spiele gewonnen. Etabliert haben sie sich damit als erste Mannschaft hinter den Münchnern, die in ihrer ganz eigenen Liga unterwegs sind. In all ihren Spielen habe sich zwar gezeigt, „dass wir noch Luft nach oben haben“, bilanzierte Werner nach rund einem Viertel der Saison. Zufrieden stellte er vor der Pokalaufgabe beim Drittligisten Energie Cottbus am Dienstag aber fest, dass mit jeder weiteren Partie „die Verbindung der Spieler untereinander besser wird, das Vertrauen in Abläufe, in das System“.

Beim FC Augsburg können sie das noch nicht behaupten. Anders als die kontinuierliche und lineare Lernkurve der Leipziger beschreibt ihre einen stark wellenförmigen Verlauf, wobei die Tiefen stärker ausgeprägter sind als die Höhen. Wagners Mannschaft ist weiterhin auf der Suche nach Stabilität und Konstanz. In acht Ligaspielen hat sie bereits 20 Gegentore hinnehmen müssen, im Schnitt 2,5 pro Partie. Allein in den vier Heimspielen waren es 14 Gegentore, durchschnittlich also sogar 3,5. Das klingt eher nach der Zwischenbilanz eines Abstiegskandidaten.

Doch beim FCA geben sie sich auch deshalb überzeugt von ihrem Ansatz, nach vorne zu verteidigen, weil die Statistik sie in vielerlei Hinsicht als ungefähr gleichwertig mit Leipzig auswies, darunter bei den Torschüssen. Allerdings blieben die Augsburger meist ungefährlich, da sie deutlich weniger Bälle auf das Tor brachten. Gemangelt hatte es zudem daran, die Konter der Gäste frühzeitig zu unterbinden. „Wir wurden brutal erwischt in der Defensive“, räumte Wagner ein, man habe sich „nicht gut verhalten“. Besser werden soll das am Dienstag im DFB-Pokal, wenn gegen den Zweitligisten VfL Bochum „eine gute Prüfung“ anstehe, wie Sportdirektor Weber findet. Danach warten in der Bundesliga die Spiele gegen Dortmund und in Stuttgart.

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