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FC Augsburg:Geheimoperation Wohltätigkeit

FC Schalke 04 - FC Augsburg

"Immer wenn die Möglichkeit zu einem Schritt nach vorne besteht, kommt wieder ein Rückschlag": Augsburgs Trainer Heiko Herrlich versuchte, die Niederlage gegen Schalke zu erklären.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Siege führen beim FC Augsburg in dieser Saison wiederholt zu einem Verlust der Konzentrationsfähigkeit in der folgenden Partie. Das 0:1 gegen die so gut wie abgestiegene Mannschaft von Schalke 04 erweist sich dennoch als größter anzunehmender Unfall.

Von Ulrich Hartmann

Dem oft überforderten FC Schalke 04 in dieser Saison Tore oder Punkte und im seltensten Fall sogar Siege zu überlassen, fällt gewissermaßen ins Themengebiet Charity. Unter dem Aspekt der Wohltätigkeit brauchen sich die Fußballer des FC Augsburg über ihre 0:1-Niederlage am Sonntag in Gelsenkirchen nicht zu grämen. Bedürftigen drei Punkte ins Pappbecherchen zu werfen, zeugt von Mitgefühl. Das Problem ist bloß, dass der Trainer Heiko Herrlich und der Manager Stefan Reuter Mitgefühl und Wohltätigkeit gar nicht zuoberst ins Anforderungsprofil ihres aktiven Personals eingearbeitet haben. Sie hätten ihre Spieler auf Schalke gerne gewinnen und in der Tabelle weiter Anschluss ans etablierte Mittelfeld finden sehen. Doch ein halbes Eigentor nach 210 Sekunden und der eineinhalbstündige vergebliche Versuch des Ausgleichs versagten dem Klub den vierten Sieg binnen sechs Spielen.

Von diesen beiden Mankos war das halbe Eigentor noch das undramatischere. Dass der Torwart Rafal Gikiewicz eine scharfe Hereingabe des Schalkers Can Bozdogan beim Versuch zu fangen fallen ließ und Suat Serdar zum Einschuss auf dem Silbertablett servierte, kann passieren. Da waren sich auch die Teamkollegen einig, sie schoben die Schuld für die Niederlage nicht auf ihren Torwart. Bedenklicher erschien der Umstand, dass die Augsburger nicht einmal trotz der frühen Warnung in der 4. Minute aufwachten, dass sie nicht mit deutlicher Körpersprache auf Gegenwehr schalteten. Die erste Halbzeit blieb mau, und als man in der zweiten den Druck erhöhte, blieb die Leidenschaft unmittelbar vor dem Tor trotzdem viel zu vage.

"Die Durchschlagskraft im letzten Drittel war nicht so gut", sagte Marco Richter, der mit einem spektakulären Seitfallzieher neben einem Torschuss aus spitzem Winkel durch Ruben Vargas die beste Chance gehabt hatte. "Wir haben uns einlullen lassen", sagte Richter, klang aber mit dieser halben Ausrede nur mäßig überzeugend.

Die Niederlage - es war nach einem 4:0 gegen Hoffenheim erst der zweite Saisonsieg für Schalke - kam umso überraschender, als Reuter vor dem Spiel extra noch mal zur Fokussierung ermahnt hatte. Siege samt Druckerleichterung hatten bei den Augsburgern in dieser Saison bereits hier und da zu gefühltem Konzentrationsverlust geführt, weshalb Reuter nach dem 2:1-Sieg gegen Hoffenheim gefordert hatte, "jetzt keinen Millimeter lockerzulassen" und mit weiteren Ergebnisse in der Tabelle Punkte und Plätze gutzumachen. Die Aussichten mit Kontrahenten aus dem Abstiegsmilieu (Schalke und Bielefeld) schienen auch ganz ordentlich zu sein, aber dann kam es direkt beim abgeschlagenen Tabellenletzten in Gelsenkirchen-Buer zum größten anzunehmenden Unfall.

Man sei nicht gewohnt, gegen einen tief stehenden Gegner Dominanz walten lassen zu müssen, erklärte Augsburgs Trainer Heiko Herrlich

55 Prozent Ballbesitz, 13:7 Torschüsse und 6:4 Ecken sind gegen die am meisten überforderte Mannschaft der Liga ohnehin schon keine berauschende Statistik - aber so ein Spiel dann auch noch 0:1 zu verlieren, deutet darauf hin, dass die mahnenden Worte vom Manager nicht noch einmal als Großdruck in der Kabine gehangen haben. "Schalke hat schon Qualität", sagte Gikiewicz zwar noch und hatte auch Recht - aber wenn eine so gut wie abgestiegene Mannschaft mehr Leidenschaft aufbringt als die qualitativ besser besetzten Augsburger mit dem nötigen Rückgrat aus einer zuletzt erfolgreichen Phase, dann ist halt doch etwas schiefgelaufen.

Der Trainer Herrlich erklärte die maue Leistung auch damit, dass man nach dem frühen Rückstand unerwartet "gefordert" gewesen sei. Man sei nicht gewohnt, gegen einen tief stehenden Gegner Dominanz walten lassen zu müssen. Und an der spielübergreifenden Konstanz müsse man auch arbeiten. "Immer wenn die Möglichkeit zu einem Schritt nach vorne besteht, kommt wieder ein Rückschlag." Die Niederlage erhöhe nun den Druck gegen Bielefeld. Das ist aber sogar eine gute Nachricht für den FC Augsburg.

© SZ/pps/nee
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