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FC Augsburg:Die verbotene Diskussion

FC Augsburg v Sport-Club Freiburg - Bundesliga

Im Augsburger Tor: Tomas Koubek. Den Ausgleichstreffer von Janik Haberer hält er nicht.

(Foto: Alexandra Beier/Getty Images)

Beim 1:1 gegen Freiburg patzt der im Sommer für siebeneinhalb Millionen Euro verpflichtete Torwart Tomas Koubek erneut - und setzt damit seine ziemlich wacklige Saison fort.

Als Tomas Koubek hinterher über das 1:1 (1:0) gegen den SC Freiburg und seinen Fehler vor dem Gegentor sprach, hinterließ er nicht den Eindruck, allzu schwer zu tragen an der andauernden Debatte um ihn. "It's schade", sagte der 27 Jahre alte Tscheche in einer Mischung aus Englisch und Deutsch über jene Szene vor dem 1:1 durch Janik Haberer (51.), in der er Jonathan Schmids Freistoß prallen gelassen hatte. Dass es seine Kollegen danach nicht geschafft hatten, das Gegentor zu verhindern, erwähnte er zumindest indirekt, indem er auf den sogenannten zweiten Ball verwies. Aber Koubek wusste natürlich auch, dass ihm sein nächster Fauxpas den Fortbestand der schon über die gesamte Saison geführten Torwartdebatte einbringen wird.

"Schwierig" sei die Gemengelage für ihn durchaus, sagte die umstrittene Nummer eins des FC Augsburg. Andererseits betrachtet er die Diskussionen um seine Person auch als übliches Berufsrisiko. "Das gehört zum Torwartdasein dazu", befand er. Im Falle von Koubek sind mittlerweile allerdings so viele Unsicherheiten und auch spielentscheidende Fehler zusammengekommen, dass Trainer Martin Schmidt zuletzt einen Torwartwechsel hin zu Andreas Luthe zumindest als Option in Aussicht gestellt hatte. Nun aber versuchte Schmidt, die Debatte um seinen Torwart wieder einzufangen, der im August für die für Augsburger Verhältnisse stolze Ablöse in Höhe von 7,5 Millionen Euro von Stade Rennes verpflichtet worden war.

"Keine Torhüterdiskussion", beschloss Schmidt am Samstagabend, "das sind Fehler, die passieren. Auch andere machen Fehler", also Koubeks Kollegen weiter vorne auf dem Spielfeld. Koubek wisse, "dass er da mit drin hängt", sagte Schmidt noch über die Entstehung des 1:1. Einen Anlass zu einem Torwartwechsel wollte er darin aber nicht mehr erkennen vor den folgenden fünf Spielen, in denen ausschließlich Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte warten, in Leverkusen, München und Schalke sowie gegen Mönchengladbach und Wolfsburg. Und auch Stefan Reuter, der Koubek verpflichtet hatte, verwies vor allem auf die insgesamt instabile Defensive. "Klar ist, dass wir in dieser Saison extrem viele Gegentore bekommen haben. Das stärkt einen Torwart nicht", sagte der Manager. Durch die Debatte müsse Koubek durch, befand Reuter, "der steckt das sehr gut weg", wenngleich Koubek vor dem 1:1 "ein bisschen unglücklich" agiert habe.

Maßgeblich beigetragen hatte Koubek damit nach dem 1:0 durch Philipp Max (38.) auch dazu, dass der FCA nun schon 20 Punkte nach Führungen verspielt hat, so viele wie kein anderer Bundesligist. Andererseits stimmte es durchaus, wie Koubek den Spielverlauf einordnete: "Es war ein kleines Wunder für uns, zur Halbzeit 1:0 zu führen." Denn Freiburg hatte das Geschehen mit seinem gepflegten Aufbau klar bestimmt, im letzten Drittel aber zu kleinteilig agiert, um mehr Chancen herauszuspielen. Abgesehen von Vincenzo Grifos direktem Freistoß, den Koubek sicher wegfaustete, gab es deshalb lange keine Gelegenheit zu bestaunen. Erst Mitte der ersten Halbzeit ließ sich wieder eine Torannäherung verzeichnen, die Lucas Höler allerdings missriet.

Die Augsburger hatten bis dahin überwiegend die Rolle der interessierten Zuschauer eingenommen und sich damit begnügt, sich der Gefahrenabwehr zu widmen. Das lag wohl auch an den jüngsten Erfahrungen aus der 0:5-Niederlage in Frankfurt, nach der Schmidt ziemlich scharfe Töne gegenüber seiner Belegschaft angeschlagen hatte. Einer Leistung, die einer Katastrophe gleichgekommen sei, hatte er seine Spieler geziehen und ebenso einer Selbstzufriedenheit, nachdem es zuvor gelungen war, sich von der Abstiegszone einigermaßen beruhigend abzusetzen. Die personellen Änderungen, die Schmidt angekündigt hatte, fielen nun aber recht überschaubar aus. Für Ruben Vargas und Felix Uduokhai begannen Stephan Lichtsteiner und Iago, wobei Letzterer als Linksverteidiger auflief, weshalb Max von seiner angestammten Position nach vorne rutschte und den Linksaußen gab.

Zusätzliche Geschwindigkeit im Umschaltspiel hatte sich Schmidt davon versprochen, doch lange Zeit blieb Marco Richters unvermittelter Pfostenschuss nach einem Konter die einzige nennenswerte Chance der Augsburger (25.). Die zweite brachte dem FCA die Führung ein, allerdings unter maßgeblicher Mithilfe der Freiburger. Einen Augsburger Konter hatten sie eigentlich unter Kontrolle gebracht, doch nachdem Kapitän Christian Günter den Ball im Aufbau wieder verlor, verpassten seine Kollegen gleich mehrere Möglichkeiten, erneut zu klären. Das galt besonders für Robin Koch, der nach Iagos Flanke ein formvollendetes Luftloch schlug, weshalb Max aus rund elf Metern freistehend zu seinem bereits siebten Ligator dieser Saison einschießen konnte.

Die Freiburger versuchten in der zweiten Halbzeit, Versäumtes nachzuholen, und es passte ganz gut ins Bild dieses Spiels, das auch sie der Augsburger Unterstützung bei ihrem Ausgleich bedurften, nicht allein durch Koubek. Weitere Torannäherungen der Freiburger folgten, erst in der Schlussphase kamen auch die Augsburger noch einmal zu Chancen. Und Koubek? "Ich lebe meinen Traum, jede Woche in der Bundesliga zu spielen", sagte er hinterher noch, "es ist für alle Torhüter schwierig in der Bundesliga." Dann zog Koubek in den Feierabend. Angesichts der andauernden Debatte um ihn wirkte er dabei erstaunlich unbeeindruckt und stabil. Jedenfalls nach dem Spiel.

© SZ vom 16.02.2020
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