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FC Arsenal:Unbesiegbarer für die zu oft Sieglosen

Nach der Trennung von Unai Emery trainiert Ex-Profi Fredrik Ljungberg den FC Arsenal. Bei seinem ersten Spiel an diesem Sonntag wird er von Per Mertesacker unterstützt.

Es dauerte nicht lange am Samstagnachmittag, dann hatte sich die Kunde prominent in den sozialen Netzwerken verbreitet: "BFG" stand da plötzlich immer öfter hinter den Hashtags der Nachrichten der FC-Arsenal-Fans, die teilweise sogar mit Herzchen verziert waren. BFG, das ist ihr Kürzel für Per Mertesacker, den sie als Spieler einst derbe, aber voller Respekt vor seiner auch menschlichen Größe "Big Fucking German" nannten. Es gibt sogar T-Shirts mit dem Aufdruck. Und nun kehrt dieser Mertesacker also zurück, die Londoner Fans feierten ihn virtuell ein Jahr nach seinem Karriereende, weil er in neuer Funktion fürs Premier-League-Team arbeitet. Die Kunde lautete schließlich: Per Mertesacker wird zumindest für ein Spiel Co-Trainer beim FC Arsenal, seit 2018 leitet er dort bereits das Nachwuchsleistungszentrum.

Am Freitag, dem Tag nach der Niederlage gegen Eintracht Frankfurt in der Europa League, hatte der FC Arsenal sich ja von Trainer Unai Emery getrennt. Die Fans taten ihre Meinung schon während des 1:2 gegen die Eintracht kund: "Emery raus" stand auf den Plakaten, "keine Taktik, kein Spielsystem". Sein interimsmäßiger Nachfolger ist zunächst der Assistent Fredrik Ljungberg, neun Jahre lang wirkte der Schwede als Spielgestalter beim Klub. An diesem Sonntag haben Ljungberg und Mertesacker ihr erstes Premier-League-Spiel bei Norwich City (15 Uhr), dem Klub des deutschen Trainers Daniel Farke.

Ljungberg war in den vergangenen Jahren für Jugend- und Reserveteams des FC Arsenal als Trainer aktiv und assistierte 2017 auch dem Niederländer Andries Jonker beim VfL Wolfsburg, im Sommer stieg er zu den Profis von Arsenal auf. Während Emery mit dem Englisch in seinen knapp anderthalb Jahren in London immer seine Probleme hatte, fungierte Ljungberg bereits die ganze Saison über als Vertrauensperson zumindest der jungen und aus der Reserve aufgerückten Spieler - die sich eben auch mal schwertaten, Emery zu folgen.

Die BBC legte den Fokus auf eine andere Episode von Ljungbergs Vergangenheit: "Vom Unterwäschemodel zum Arsenal-Coach", betitelte der englische TV-Sender einen Online-Artikel. Denn weltweit bekannt wurde Ljungberg nicht nur als genialer Spieler, sondern auch als Unterwäschemodel. Doch jenseits dieser Episode und einiger extravaganter Frisuren (heute trägt er Glatze), hat sich Ljungberg stets eine skandinavische Zurückhaltung erhalten.

Sieben Partien ohne Sieg

Der Spanier hatte im Juli 2018 die Nachfolge des langjährigen Teamchefs Arsène Wenger angetreten und sein Team im ersten Jahr ins Finale der Europa League geführt. Emery, der zuvor mit dem FC Sevilla dreimal die Europa League gewann, wurde nach einer lange nicht gekannten Schwächephase entlassen. Sieben Partien blieb das Team von Mesut Özil und Shkodran Mustafi zuletzt ohne Sieg, letztmals passierte das 1992. Das Team ist derzeit Achter. "Die Entscheidung wurde getroffen, weil Ergebnisse und Leistungen nicht dem erforderlichen Niveau entsprachen", hieß es in einer Mitteilung.

FILE PHOTO: Premier League - Arsenal v Crystal Palace

Arsenals neuer Trainer Fredrik Ljungberg berät sich vor dem Spiel gegen Crystal Palace mit seiner Mannschaft.

(Foto: Tony O'Brien/Reuters)

Da passt es gut, dass mit Ljungberg nun ein Trainer kommt, der als Spieler die größte Serie des Vereins mitgeprägt hat. Ljungberg war eine Schlüsselfigur der sogenannten "Invincibles" (Unbesiegbaren), die in der Saison 2003/04 ohne Niederlage in der Premier League blieben. Man habe "vollstes Vertrauen", dass Ljungberg "die Mannschaft voranbringe", heißt es vom Verein. "Ich bin hier, um dem Klub zu helfen und zu versuchen, eine gute Atmosphäre rund um den Klub und mit den Fans zu schaffen", sagte Ljungberg.

Wie lange er Trainer bleibt, ist noch unklar. Als langfristige Lösungen werden bereits der kürzlich bei Tottenham Hotspur entlassene Maurico Pochettino oder Nuno Espirito Santo, Trainer des Ligakonkurrenten Wolverhampton Wanderers, gehandelt. "Wir werden sehen", sagt Ljungberg selbst.

© SZ vom 01.12.2019
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