FC Arsenal Selbstzerstörungsknopf

Mit finsterem Blick: Arsène Wenger hat erstmals als Trainer des FC Arsenal die beiden ersten Spiele der Champions League verloren.

(Foto: Stefan Wermuth/Reuters)

Der FC Arsenal ist noch früher desillusioniert als sonst, weil Trainer Arsène Wenger zockt - und verliert.

Von Sven Haist, London

Arsène Wenger ist kein Freund des Glücksspiels. In seinen sieben Jahren Trainertätigkeit beim AS Monaco, erzählte der Franzose, habe er dem fürstlichen Spielcasino in Monte Carlo nie einen Besuch abgestattet. Der vorsichtige Umgang mit Geld beschert Wenger in jeder Transferperiode unliebsame Fragen. Am Dienstagabend ging es aber nicht darum, behutsam Banknoten zu verwalten, sondern sorgsam die Startelf des FC Arsenal auszuwählen. Statt den Signalen des 1:2 gegen Dinamo Zagreb zum Auftakt der Champions League Beachtung zu schenken, machte Wenger das, wofür er bislang am wenigsten bekannt ist: er zockte - und verlor.

Arsenal hat in den vergangenen Jahren schon einige empfindliche Niederlagen in der Königsklasse erlitten, aber kaum eine war so desillusionierend wie das 2:3 gegen Olympiakos Piräus. Die Geisterbahnfahrt der Gunners in diesem Wettbewerb hat sie nach zwei Spieltagen mit null Punkten am Boden der Gruppe F ankommen lassen. Der englische Klub benötigt aus den bevorstehenden Duellen mit dem FC Bayern wohl mindestens einen Sieg, um nicht erstmals seit 16 Jahren in der Vorrunde des Wettbewerbs zu scheitern.

Erneut bestand der Niederlagen-Cocktail aus Zutaten, die Arsenals Fans bestens bekannt sind: Zweimal verzichtete Wenger in seiner Startelf auf Stammkräfte; zweimal war Arsenal nicht in der Lage, einen Eckball zu verteidigen; zweimal folgte auf den jeweiligen Ausgleich im Gegenzug wieder ein Rückstand. Der Selbstzerstörungsknopf war das einzige Element, das bei Arsenal in den Spielen gegen Zagreb und Piräus bislang funktionierte.

Die Saison hat also nicht mal Herbst erreicht - schon prasseln negative Schlagzeilen über Arsenal herein. Nach dem Schlusspfiff sanken Arsenals Spieler auf ihre Knie, aber Sympathie gab es von den Anhängern dafür nicht. Viele Inhaber der verkauften 60 260 Eintrittskarten hatten sich gar nicht erst die Mühe gemacht, die Partie im Stadion zu verfolgen.

In seiner 19. Spielzeit bei Arsenal verfügt der 65-jährige Wenger eigentlich über genügend Erfahrung, um zu wissen, dass ungewöhnliche personelle Entscheidungen häufig die Geschichte einer Fußballbegegnung bestimmen. Im Hinblick auf den Schlagabtausch in der Premier League am Sonntag mit Manchester United schonte Wenger seinen Kapitän Per Mertesacker und Torwart Petr Cech, den einzigen Sommerzugang. Eine fatale Entscheidung.

"Einen Penny für deine Gedanken, Petr?", fragte der Mirror. David Ospina, Cechs Stellvertreter, lenkte tölpelhaft einen Eckball ins eigene Tor. Um diese selbst verursachten Probleme zu stoppen, ist der titelerprobte Tscheche Cech eigens von Ligakonkurrent FC Chelsea gekauft worden.

Weder Cech noch Wenger ließen später die Öffentlichkeit an ihren Gedanken zu diesem Wechselspiel teilhaben. Als Fehler wollte Le Professeur sein Malheur jedoch nicht verstanden wissen und beging in seiner aufgebrachten Verteidigungsrede gleich den nächsten: Wie auf dem Basar pries Wenger seinen Ersatztorhüter an, in 14 von 19 Spielen habe der Kolumbianer in der abgelaufenen Spielzeit kein Gegentor kassiert, dozierte er. Doch da fiel ihm auch noch die Statistik in den Rücken, die Ospina dann doch in 23 Partien lediglich zehnmal ohne Treffer des anderen Teams auswies. Der Zahlendreher spiegelte, dass Arsène Wenger auf die Folgen seines Wechsels nicht vorbereitet war. Er hätte einfach die Finger weglassen sollen, von dem Spiel mit dem Glück, das er schon in Monaco nicht gemocht hatte.