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FA-Cup:Aubameyangs Geniestreiche bescheren Arsenal den Pokal

Pierre-Emerick Aubameyang (l.) und Trainer Mikel Arteta: Erster Titel in England für beide.

(Foto: Catherine Ivill/AFP)

Der frühere Dortmunder unterstreicht im FA-Cup-Finale gegen Chelsea seine Bedeutung für den FC Arsenal. Trainer Arteta will um ihn herum ein Team aufbauen - doch was will Aubameyang?

Von Sven Haist, London

Vermutlich hätte Pierre-Emerick Aubameyang auch noch die übrigen acht Mitspieler seiner Mannschaft geschultert, wenn sie nach seinem spielentscheidenden Treffer auf ihn zugestürmt wären. Als hätte sich der Angreifer des FC Arsenal nicht bloß einen Namen gemacht als einer der schnellsten, sondern auch als einer der stärksten Fußballer, fing er Ainsley Maitland-Niles auf - genauso wie er die Flugeinlage von Nicolas Pépé mit seinen Händen über dem Kopf ausbalancierte. Wie ein Gewichtheber stemmte Aubameyang die beiden Teamkollegen. Und irgendwie war es ein passendes Bild: Mit der ihm eigenen Lässigkeit trägt Aubameyang schon seit geraumer Zeit die ganze Last seines Vereins. Nun führte Arsenal mit einem 2:1 gegen den FC Chelsea im Londoner Stadtduell zum 14. Triumph im FA-Cup.

Nach dem Rückstand in der fünften Minute durch den feinen Treffer des US-Amerikaners Christian Pulisic drehte Aubameyang mit zwei sehenswerten Toren das Pokalendspiel zugunsten seines Klubs. Das entkräftet wirkende Chelsea - schwer gehandicapt durch die Ausfälle von N'Golo Kanté und Willian sowie den verletzungsbedingten Auswechslungen von Pulisic, Kapitän Cesar Azpilicueta und dem Spanier Pedro -, hatte dem besten Spieler auf dem Platz fast nichts entgegenzusetzen. Zunächst verwandelte der Torjäger aus dem Gabun einen Elfmeter, der genauso fragwürdig war wie die gelb-rote Karte für Chelseas Mateo Kovacic (73.), zielsicher ins rechte untere Eck (28.). Dann ließ er im Strafraum mit einer Körpertäuschung seinen Gegenspieler Kurt Zouma aussteigen und lupfte den Ball über den heraneilenden Torwart Willi Caballero hinweg (67.) - mit einem Fußspitzengefühl, das einem gegeben sein muss, weil es sich sonst kaum mehr erlernen lässt.

"Ich bin Rechtsfuß. Und weil Zouma das weiß, bin ich links vorbei. Das war's", erklärte Aubameyang seinen neuesten Geniestreich. Auf der Tribüne kriegte sich der frühere Arsenal-Angreifer Ian Wright, FA-Cup-Sieger 1993 und 1998 mit den Gunners, angesichts der Brillanz des Treffers als Fernsehexperte der BBC nicht ein.

Direkt nach Abpfiff rannte Arsenal-Trainer Mikel Arteta unmittelbar auf Aubameyang zu, um sich bei ihm zu bedanken. Schon im Halbfinale ebnete der Ausnahmeangreifer beim 2:0 über Vorjahressieger Manchester City mit zwei Toren den Weg zum Erfolg. Sowohl für Aubameyang als auch für Arteta ist der Pokalsieg der erste große Titelgewinn in ihren Funktionen als Spieler und Trainer in England. Bei der Pokalübergabe musste Aubameyang erstmal überlegen, wie er die Trophäe entgegennehmen sollte - und prompt ließ er sie vor lauter Nervosität auf den Boden fallen. Im zweiten Anlauf hob er den Silberpott zu goldenem Konfetti und Champagnerregen ins Panorama des leeren Wembley-Stadions. Bislang kam Aubameyang mit seinen Klubs nur einmal über individuelle Auszeichnungen wie den goldenen Schuh für den besten Ligaschützen hinaus - 2017 beim Gewinn des DFB-Pokals mit Borussia Dortmund.

Verlängert Aubameyang jetzt seinen Vertrag?

Für Arteta war es sein Premierentriumph als Cheftrainer, nachdem er Arsenal im Dezember 2019 übernommen hatte. Bis dahin arbeitete der Spanier, zwischen 2011 und 2016 in 150 Spielen der Mittelfelddirigent der Gunners, drei Jahre im Trainerstab von Pep Guardiola bei Manchester City. "Wenn ich eines weiß über mein Team, dann ist es, dass es nie aufgibt. Nach dem Rückstand haben wir die besten 30 Minuten in meiner Zeit bei Arsenal hingelegt", sagte Arteta.

Nach dem achten Platz in der Premier League haben sich die Gunners über den Pokal jetzt auf den allerletzten Drücker doch noch für die Europa League in der kommenden Saison qualifiziert. Letztmals verfehlte der Verein in der Spielzeit 1994/95 auf Rang zwölf in der Liga einen internationalen Wettbewerb. Eine Wiederholung des Missgeschicks hätte nach dem viermaligen Verpassen der Champions League hintereinander Einbußen von mindestens 30 Millionen Pfund zur Folge gehabt. Und um den im Sommer 2021 auslaufenden Vertrag mit Aubameyang zu verlängern, benötigt Arsenal gerade jeden Penny.

Seit Monaten verhandelt der Verein mit seinem wichtigsten Spieler über eine weitere langfristige Zusammenarbeit. Dabei stecken die Gunners wahrlich in einem Dilemma. Sportlich kann sich Arsenal einen Verlust des Torjägers nicht leisten, der für 63,75 Millionen Euro im Winter 2018 von Borussia Dortmund nach London wechselte und in den beiden Ligaspielzeiten zuletzt jeweils 22 Tore erzielte. Aber wirtschaftlich kann sich der Klub eher den Verbleib Aubameyangs nicht leisten. Seine Gehaltsvorstellungen richten sich am Topverdiener Mesut Özil aus, der 350 000 Pfund in der Woche kassiert - Aubameyang möchte dem Vernehmen nach auf circa 300 000 Pfund kommen. Um seinen Verbleib scheint im Verein am meisten Trainer Arteta zu kämpfen. "Auba weiß, was ich von ihm halte. Ich möchte ein Team um ihn herum aufbauen. Er ist ein großer Teil des Klubs und bei allen sehr beliebt", erklärte Arteta, aber vor allem sagte er: "Ich bin mir sicher, dass er verlängern wird."

Nur was sagt der bis hierhin schweigsame Aubameyang: "Nichts. Nur heute und die Trophäe!"

© SZ.de/ska
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