FC Arsenal Bernd Leno fühlt sich machtlos

Bernd Leno in der Europa League.

(Foto: REUTERS)
  • Bernd Leno wartet seit seinem Wechsel zum FC Arsenal auf seinen ersten Einsatz in der Premier League.
  • "Ich bin hier hergekommen, um jedes Spiel zu machen", sagt Leno, doch seine Lage bleibt schwierig.
  • Hier geht es zur Tabelle der Premier League.
Von Daniel Böldt

Seinen Einstand hat sich Bernd Leno sicher anders vorgestellt. Sieben Schüsse gingen am Donnerstag bei seinem ersten Pflichtspiel für Arsenal London Richtung Tor. Drei gingen aufs Tor, zwei davon landeten im Tor. Zwar gewann Arsenal sein erstes Gruppenspiel in der Europa League am Ende mit 4:2 gegen Worskla Poltawa. Richtig freuen konnte sich Leno ob der Nachlässigkeit seiner Vorderleute in den letzten Minuten aber nicht. Nach Toren von Aubameyang, der zweimal traf, Welbeck und Özil stellte Arsenal das Verteidigen in der Schlussviertelstunde ein. Die Folge waren zwei späte Gegentreffer, bei denen Leno machtlos war.

Machtlos - so kann man durchaus auch Lenos Gesamtsituation beim derzeit FC Arsenal beschreiben. Der 26-Jährige wechselte im Sommer für 25 Millionen Euro von Bayer Leverkusen auf die Insel. Es sollte der nächste Karriereschritt werden. Leno wurde nicht müde zu erklären, wie viel er von der Premier League halte. Dass er mit Arsenal zunächst nur Europa League spielen würde, nahm er dafür in Kauf. Ein Angebot des Champions League-Teilnehmer SSC Neapel schlug Leno im Sommer aus.

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Doch auf seinen ersten Einsatz in der Premier League muss Leno weiter warten. Der Grund dafür: Petr Cech. Trainer Unai Emery entschied sich kurz vor Saisonstart, dass die alte Nummer eins im Arsenal-Tor auf die neue ist - zumindest in der Liga. Dabei ist Cech keineswegs unumstritten. Gerade mit dem Ball am Fuß hat der Tscheche unübersehbare Schwächen. Beim Auswärtsspiel in Cardiff am vierten Spieltag hatte Arsenal Glück, dass es nach zwei haarsträubenden Fehlpässen von Cech nicht früh 0:2 stand. Und als er im ersten Saisonspiel mit einer slapstickhaften Aktion fast ein Eigentor erzielt hätte, twitterte Lenos alter Verein Leverkusen vielsagend: "We might know a guy..." Cech regte sich darüber furchtbar auf, Leverkusen entschuldigte sich kurze Zeit später.

"Es ist ein bisschen frustrierend, aber ich bleibe ruhig"

Tatsächlich glauben aber nicht wenige Experten und Kommentatoren auf der Insel, dass Leno für Emerys Spielauffassung der geeignetere Mann ist, zum Beispiel der frühere Arsenal-Spieler Ray Parlour sprach sich für den Deutschen aus. Auf der Linie mag Cech immer noch einer der besten Keeper weltweit sein, für das von Emery favorisierte dominante Kurzpassspiel ist ein spielstarker Torwart jedoch essenziell. Auch ein Grund, warum Arsenal Leno überhaupt verpflichtet hat. Gegenüber dem Evening Standard äußerte sich Leno jetzt erstmals umfassend zu seiner Situation. "Ich bin hier hergekommen, um jedes Spiel zu machen", sagte er der britischen Tageszeitung. "Es ist ein bisschen frustrierend, aber ich bleibe ruhig und arbeite hart daran, mich zu verbessern. Das Spiel, was der Trainer will, entspricht meiner Spielweise."

Im Moment sieht es so aus, als würde Emery Leno zunächst zum Pokal-Keeper machen, auch wenn sowohl Leno als auch Emery eine solche Absprache bisher verneinen. "Die erste Entscheidungsgrundlage für mich ist die Leistung", sagte der Spanier im Vorfeld des Europa-League-Spiels. Nach dem Spiel deutete er jedoch an, dass Leno auch am Mittwoch im Liga-Cup gegen den Zweitligist FC Brentford das Arsenal-Tor hüten wird. Am Sonntag gegen Everton wird voraussichtlich wieder Cech zum Einsatz kommen.

Die Situation erinnert ein bisschen an die eines anderen deutschen Nationaltorhüters. Auch Marc-André ter Stegen musste sich 2014 nach seinem Wechsel zu Barcelona zunächst mit Einsätzen im nationalen und europäischen Pokal begnügen (wobei er sich 2015 mit einem Champions League-Triumph trösten konnte). Erst nachdem es Claudio Bravo zwei Jahre später nach Manchester City zog, wurde ter Stegen zur unumstößlichen Nummer eins bei Barcelona.

So lange muss Leno vielleicht gar nicht warten. Der Vertrag des immerhin schon 36 Jahre alten Cech läuft 2019 aus. Gespräche über eine Vertragsverlängerung gibt es noch nicht. Leno weiß, dass die Zukunft ihm gehört. Er sagte: "Vielleicht brauche ich ein wenig Zeit."

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