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FC Arsenal:Die Flanke auf Giroud kam eigentlich lausig

Der Franzose rennt anschließend so schnell er kann Richtung andere Spielfeldseite, wo er ja hingehört als Stürmer. Der Ball ist schon bei Alexis Sánchez auf dem linken Flügel, der Chilene flankt, eine lausige Flanke. Giroud ist viel zu schnell, der Ball segelt in seinen Rücken. Zur folgenden Szene wird der 30-Jährige später sagen: "Das war außer Kontrolle, ich hab mir einfach was ausgedacht in dem Moment. Das war sicherlich Zufall in dem Sinne, als dass niemand ernsthaft hoffen kann, das wiederholen zu können."

Weil der Ball so miserabel hereinfliegt, streckt Giroud sein linkes Bein über seinen Rücken nach oben. Es sieht ein wenig aus wie die berühmte Bielmann-Pirouette beim Eiskunstlaufen, wo die Athletinnen ein Bein und die zwei Arme über den Kopf zusammenführen. Giroud trifft mit der Hacke den Ball, derart abgelenkt fliegt er an die Unterkante der Latte ins Netz zum 1:0.

Wer will dieses Tor wiederholen?

Ein Moment, in dem sich alles zusammenfügt: Die verblüffende Beweglichkeit des 1,92 Meter großen Rammstürmers Giroud. Die Verwunderung, dass man in der Geschwindigkeit eines Premier-League-Angriffs eine solche Zirkusnummer erfolgreich ausführen kann. Und die Freude, einem wirklich einmaligen Ereignis beizuwohnen. Denn Giroud hat ja recht: Wer will dieses Tor wiederholen?

Tore mit dem Skorpion-Kick sind (bislang) so selten wie internationale Erfolge der englischen Nationalmannschaft. Fritz Walter schoss einmal ein solches Tor, 1956 vor 100 000 Zuschauer in Leipzig beim Duell des Meisters West (Kaiserslautern) gegen den Meister Ost (Wismut Karl-Marx-Stadt). Es firmiert als Jahrhundert-Tor. Später wurde der kolumbianische Torwart René Higuita berühmt, weil er bisweilen Schüsse auf sein Tor mit dem Skorpion-Kick abwehrte.

Man darf nun gespannt sein, ob die Könige der Torjäger das auf sich sitzen lassen. Ob Cristiano Ronaldo schon übt? Oder Zlatan Ibrahimovic, dem schon einmal ein ähnliches Werk gelang? Gary Lineker wird es mit seinen 56 Jahren wohl nicht mehr versuchen. Der ehemalige Stürmer ist heutzutage erster Repräsentant des englischen Humors und twitterte nach Girouds Treffer am 1. Januar: "Ohne Zweifel das beste Tor in diesem Jahr."

© SZ/chge
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