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BVB-Trainer Lucien Favre:Einen Besseren kennen sie in Dortmund grad auch nicht

Gut, aber nicht gut genug für den FC Bayern: Lucien Favre

(Foto: AFP)

BVB-Coach Lucien Favre ist das Gegenteil eines Draufgängers, bei der Niederlage gegen die Bayern fehlt seinem Team mal wieder der Mut. Doch Spekulationen um seinen Abschied sind wohl verfrüht.

Es war nur eine Randbemerkung, aber irgendwie schien sie den ganzen Dortmunder Frust dieses Abends mit einer unerwarteten Auflösung zu verbinden. Der Sky-Reporter hatte nach dem Spiel aus gebührendem Abstand Trainer Lucien Favre gefragt, wie es ihm damit gehe, dass man bei Borussia Dortmund von ihm offenbar Titel erwarte, und dass das mit diesem 0:1 unmöglich geworden sei. Favre antwortete, wie man ihn kennt, wohl ohne großes Kalkül: "Das weiß ich, das geht seit Monaten so. Aber ich bleibe ruhig, ich vertraue mir. In ein paar Wochen werde ich darüber sprechen. Nicht jetzt."

"In ein paar Wochen." Bei einem anderen Trainer hätte man das als Warnung interpretieren können, als Ankündigung einer Kündigung. Doch im konkreten Fall ist es wahrscheinlicher, dass auch Favre in diesem Augenblick enttäuscht war und in seinem bisweilen unperfekten Deutsch lediglich sagen wollte, dass er in erster Linie noch sechs Spiele bis zum Saisonende zu bestreiten habe. "Wir haben gut gespielt", fügte er an. Aber das machte alles noch schlimmer. Gut gespielt? Sagt man das, wenn man gerade die Meisterschaft gegen Bayern verloren hat? Schon wieder? Kann man das vielleicht denken - aber doch nicht nach einem so beängstigend ereignislos verlorenen Spiel in Kameras sagen?

Dortmund verliert die meisten der zum "Clásico" hochgejazzten Duelle

Favres vermeintlich verräterischer Satz fiel jedenfalls postwendend in die großen Interpretations-Windmühlen des Fußballbetriebs. Im Sky-Studio hatte Weltmeister Lothar Matthäus sofort eine ganze Kausalkette parat: Der Satz könne nur heißen, dass Favre am Saisonende aufhöre, und dass im Sommer, man höre und staune, der in München entlassene Niko Kovac den BVB übernehme. Zumindest Teil zwei von Matthäus' neuer Relativitätstheorie dürfte keiner Überprüfung standhalten.

Tatsächlich konnte dieses 0:1 gegen die Bayern aber als letzter Beweis dafür herhalten, dass Dortmund die wichtigen Spiele gegen die Münchner meist verliert. An diesem sonnigen Frühsommer-Abend war das so wie fast immer. Ja, Jürgen Klopp hat mit Dortmund mal ein Pokalfinale gegen die Bayern gewonnen, aber dann 2013 das Champions-League-Finale gegen sie verloren. Ansonsten verliert Dortmund die meisten der zum "Clásico" hochgejazzten Duelle - egal mit welchem Trainer. Das könnte auch daran liegen, dass der FC Bayern eben doch der einzige deutsche Klub ist, der nicht ständig seine wichtigsten Spieler an noch finanzstärkere verliert.

Während die tief stehende Sonne im Stadion mehr in den Augen brannte als die Leidenschaft der Borussen auf dem Rasen, konnte man den Trainer auch nicht davon freisprechen, ein Teil des Problems zu sein. Emre Can, erst zur Halbzeit eingewechselt, versuchte sich in Diplomatie: Doch, man habe zu 100 Prozent gewinnen wollen: "Aber es hat uns die letzte Konsequenz gefehlt." Unbedingter Siegeswille also, aber nicht mit letzter Konsequenz. Tatsächlich machte Cans harmlose Aussage das Dilemma greifbar. Favre meinte noch: "Wir haben okay gespielt." Die Frage des Abends aber war: Kann man es sich leisten, gegen die Bayern "okay" zu spielen? Ohne Mut und Präzision bei jedem letzten und vorletzten Pass? Obwohl klar war, dass an diesem Abend nur ein Sieg gegen die Bayern etwas gezählt hätte?

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