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Fans:Kritik am Plan für Zuschauer in Stadien

Wieder mit Zuschauern, aber keine Gesänge, zurückhaltender Jubel - und vermeintliche Überwachung: Die Aussicht auf eine "neue Normalität" in deutschen Fußballstadien stößt bei der organisierten Fanszene auf Gegenwehr. "Wir sehen das sehr, sehr skeptisch und können den Plänen nicht viel abgewinnen", sagte Sprecher Sig Zelt vom Bündnis "ProFans". Selbst ein Boykott mancher Fangruppen sei deshalb "durchaus denkbar".

Zuvor hatte die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) präsentiert, wie eine dosierte Rückkehr von Zuschauern aussehen könnte. Vom 1. September an seien Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern in Sachsen wieder möglich, wenn Hygieneregeln befolgt und Kontakte gegebenenfalls nachverfolgt werden. Zudem sollten Fans im Stadion bitte "rufen, singen und schreien vermeiden", forderte Köpping: "Und was noch nicht gelten wird, ist, dass das Stadion voll ist."

Für Sig Zelt sind diese Kriterien realitätsfern: "Nähe, das laute Äußern und Gesänge gehören zu einem Fußballspiel dazu", sagte er. Eine Kontaktnachverfolgung würde zudem "vielen überhaupt nicht" schmecken: "Sie befürchten, dass das missbraucht wird." Auch Borussia Dortmund hat bei der Entwicklung eines Konzepts bereits heftigen Widerstand aus seiner Fanszene erfahren. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will sich dem Dialog mit den Fans stellen. Denn die unterschiedlichen Auffassungen sowie die ungleichen Corona-Infektionszahlen in den Regionen sind bis zum geplanten Bundesligastart (18. September) die größten Hindernisse bei der Erarbeitung eines Hygienekonzepts. Dieses müsste Spiele unter halbwegs fairen Bedingungen gewährleisten - vor vergleichbarer Kulisse in allen Stadien. Oliver Mintzlaff, Klubchef von RB Leipzig, fordert "im Sinne der Gemeinschaft der Bundesliga eine einheitliche Lösung für alle Klubs".

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte im RND, der Plan aus Sachsen tauge als "perfekte Vorbereitung einer zweiten Welle im Herbst. Ich halte Fußballspiele mit Zuschauern für nicht verantwortbar." Auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß.

© SZ vom 09.07.2020 / sid, dpa
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