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Fankultur des FC Bayern:Kritik an inszenierter Stimmung

Diese Konflikte zwischen Fankultur einerseits und vom Verein inszenierter Stimmung andererseits sind Jahre alt bei den Bayern, womöglich brechen sie auch an diesem Donnerstag wieder auf bei der Mitgliederversammlung. Bei jener vor fünf Jahren führten sie zu einem legendären Wutausbruch des Klubpatrons. Als einer kritisierte, dass der FC Bayern seine Fans nur noch als "Kunden" und "Gäste" bezeichne und dass die Stimmung in der Arena schlecht sei, nannte Uli Hoeneß das eine "populistische Scheiße".

Uli Hoeneß

Tiraden vom Tegernsee

"Für die Scheiß-Stimmung, da seid ihr doch selbst verantwortlich", polterte er und schimpfte, dass ihnen die Menschen auf den teuren Plätzen den Stadionbesuch finanzierten. In der Tat: Sieben Euro zahlt der Stehplatz-Dauerkartenbesitzer pro Bundesligaspiel, bei der Champions League 20 Euro. Das ist auch im europäischen Vergleich so sagenhaft günstig, dass diese Karten inzwischen auch gar nicht mehr auf den Markt kommen, sondern quasi vererbt werden.

Das wiederum erbittert Ultra-Fans, die eben keine solchen mehr ergattern können und nur mit teureren ins Stadion kommen - jene fanatische junge Leute also, die pausenlos schreien und singen und schon in der Halbzeitpause klatschnass geschwitzt sind, die die Polizei höchst suspekt findet, auf die der Verein aber auch angewiesen ist, weil ja selbst Opern-Publikum der Stimmung wegen ins Stadion geht. Andererseits ist auch die Fanszene selbst uneins bis zerstritten.

Sehr viele erbost das Selbstverständnis der Ultras, das wie der Alleinvertretungsanspruch daherkommt, nur sie selbst seien wahre Fans. Oder deren Maßlosigkeit: Vor gut einem Jahr etwa wollten sie dem neuen Torwart Manuel Neuer einen Katalog an Benimmregeln vorsetzen, wie er sich gegenüber der Südkurve zu verhalten habe. Sein einziges Vergehen: Er war von Kindesbeinen an Schalke-Fan.

So ist der FC Bayern nun vor sieben Jahren in sein neues, offiziell stets ausverkauftes Stadion umgezogen. Ein wunderbares Stadion. Er hat dort zum Beispiel mehr als 200 Plätze für Rollstuhlfahrer geschaffen, nicht irgendwo am Rand, sondern in der Mitte, beste Plätze.

Er hat nun nicht mehr das dachlose Olympiastadion, mit seiner Offenheit und Weite, die auf den Rängen auch Distanz zum Platz zuließ, sondern eine enge Arena, verdichtet und fokussiert auf das Spiel, den Kampf. Doch er hat kein Publikum, das zu dieser Form von Spielstätte passt - und Arenen-Stimmung allenfalls dank unkontrollierbarer Fanatiker.

Beim Spiel gegen Lille waren genau die nicht da. Aber sie hatten eine Botschaft hinterlassen. "Klatschpappen kann man kaufen - Stimmung nicht", hatten sie zuvor in der Südkurve als großes Transparent aufgehängt. Und darunter ein zweites, kleineres: "Ist es das, was ihr wollt?"

FC Bayern

Verzagt beim FC Hollywood