Fandebatte bei Borussia Dortmund:Wie die Fußballmoderne Dortmund spaltet

Borussia Dortmund - RB Leipzig

Dortmunder Fans bevölkern die "Süd" - meist friedlich, manchmal aber auch mit solchen Bannern.

(Foto: dpa)

Tradition oder Kommerz? Beim BVB ist unter den Fans eine ideologische Debatte eskaliert, die der Verein nun einzufangen versucht. Die Seite 3 der SZ über die Folgen der Leipzig-Randale.

Von Christof Kneer und Freddie Röckenhaus

Der Deutsche Fußball-Bund erwägt, das wurde am Freitag bekannt, die berühmte Südtribüne des Dortmunder Stadions zu sperren. 25 000 Zuschauer, die dort Spieltag für Spieltag eine schwarz-gelbe Wand bilden, sollen für eine Bundesliga-Partie draußen bleiben. Es wäre eine bislang einmalige Sanktion. Wie aber konnte es so weit kommen? Dass beim Spiel gegen RB Leipzig vor einer Woche vor dem Stadion zehn Personen verletzt wurden, Gästefans und Polizisten? Dass im Stadion, auf der Südtribüne, eine Plakatwand mit Hassparolen gegen den Gegner gebildet wurde? Dass inzwischen mehr als 30 strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet sind?

Kommerz gegen Tradition, Tradition gegen Kommerz. Das ist das große Spiel, das im deutschen Fußball gerade gespielt wird. Beim Duell von Dortmund und Leipzig, dem Traditionsklub von 1909 und dem erst 2009 gegründeten Erstliga-Aufsteiger, ist diese ideologische Debatte eskaliert. Der einstige Arbeiter- und Bergmannsklub Borussia und dessen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mussten erleben, wie das zu Marketingzwecken genutzte Echte-Liebe-Image von bundesweiten Echte-Hiebe-Schlagzeilen überschattet wurde.

Wie die Südtribüne plötzlich nicht mehr als Ort der schönen Fußball-Bilder und der reinen Gesinnung wahrgenommen wird, sondern als Fan-Ansammlung, aus deren Deckung heraus ein harter Kern von circa 500 Ultras Gewaltbereitschaft erkennen lässt. Ultras sind kein alleiniges BVB-Phänomen, andere Klubs in der Bundesliga haben ähnliche Sorgen, aber in Dortmund wissen sie, dass nach den jüngsten Vorfällen das ganze Land auf sie schaut.

Tradition gegen Kommerz - dieser Branchenkonflikt spiegelt sich einstweilen in der Figur des Hans-Joachim Watzke, der in den vergangenen Tagen erleben musste, wie die Öffentlichkeit bei der reflexhaften Suche nach Verantwortlichen alte Sätze von ihm, die auf RB Leipzig zielten, ans Tageslicht zerrte und lustvoll ausweidete. Wie diese als Exzess-Auslöser interpretiert wurden. Aber kann ein Verein diese verhaltensauffälligen Gruppen überhaupt kontrollieren? Oder ist er damit überfordert? Nach dem Schock vom Leipzig-Spiel schließt BVB-Boss Watzke nicht mehr aus, als gewaltbereit bekannte Südkurven-Ultras ab der kommender Saison nicht mehr mit Eintrittskarten zu bedienen.

© SZ.de/jbe
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