Fan-Gipfel zur Gewalt in Stadien:Diplomatischer Durchbruch verfrüht

Rettig kritisierte die anwesenden - größtenteils vernünftigen Fans - offen dafür, dass sie sich nicht lautstark von Krawallmachern wie in Hannover distanzierten. Er sagte aber auch: "Damit wird den Hardlinern wieder in die Karten gespielt." Und das durfte man schon als scharfe Kritik an Politikern wie Lorenz Caffier (CDU), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, verstehen.

Caffier hatte jüngst verkündet, die Zeit des Dialoges sei vorbei, jetzt müsse gehandelt werden. "Auch die Politik muss jetzt mal die Polemik weglassen", findet Rettig. Im Gegensatz zu Caffier scheint er erkannt zu haben: "Die Zeit von Befehl und Gehorsam ist in Deutschland vorbei." Auch dafür bekam er warmen Applaus.

Von einem diplomatischen Durchbruch zu sprechen, wäre trotzdem verfrüht. Es ist weiterhin nicht absehbar, dass das umstrittene DFL-Konzept mit dem Titel "Sicheres Stadionerlebnis" wie geplant am 12. Dezember auf der DFL-Mitgliederversammlung verabschiedet werden kann. Da kann Rettig noch so oft darauf verweisen, es handle sich um einen Diskussionsvorschlag.

Die organisierten Kurvengänger empfinden das Papier als oktroyiertes Gesetz mit dem Ziel, die Sanktionsmöglichkeiten zu verschärfen. Ein Großteil der Profiklubs lehnt die Vorschläge auf Druck seiner Anhänger ab. Sven Brux, der Sicherheitsbeauftragte des FC St. Pauli, brachte die Stimmungslage auf den Punkt: "Das Papier gehört in die Tonne!"

Rettig sagt trotzdem: "Grundsätzlich ist das ein guter Beginn." Er hat aber auch erkannt, woran die Berliner Debatte krankte. Das Problem sind ja nicht die Leute, die zu solchen Veranstaltungen kommen. "Das Problem", sagte Rettig, "sind die, die heute nicht da waren." Und das gilt sowohl für die abwesenden Krawallmacher als auch für abwesende Politiker und Funktionäre.

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