Fan-Ausschreitungen:"Könnte Tote geben"

Lesezeit: 2 min

Nach den Vorfällen mit Anhängern des 1. FC Köln in Nizza und Frankfurter Fans in Marseille warnt die Gewerkschaft der Polizei vor eskalierender Randale bei Fußballspielen und fordert die Vereine zum Handeln auf.

Die Gewerkschaft der Polizei blickt mit Sorge auf zunehmende Gewalt im Umfeld von Fußball-Spielen und befürchtet in den kommenden Wochen eine weitere Eskalation. Die Grenzüberschreitungen nähmen zu, die Vereine würden sich zurückziehen und kaum etwas gegen gewaltbereite Fans tun, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Mertens dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Wenn sich nicht bald etwas ändert, dann könnte es Tote geben", warnte der Gewerkschafts-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen angesichts der jüngsten Gewaltexzesse.

Zuletzt hatte es schwere Ausschreitungen durch gewaltbereite Fans beim Conference-League-Spiel des 1. FC Köln in Nizza sowie beim Champions-League-Spiel von Eintracht Frankfurt in Marseille gegeben. Dabei waren zahlreiche Menschen verletzt worden. Nach Ansicht von Mertens gibt es nach dem Ende der Corona-bedingten Geisterspiele einen "Nachholbedarf beim Austoben" in der gewaltbereiten Fan-Szene: "Das war schon am Ende der letzten Saison so, das geht in der neuen weiter."

Mertens fordert von den Klubs lebenslange Stadionverbote für die Beteiligten an schweren Ausschreitungen. "Die Vereine müssen doch selbst ein Interesse haben, dass Fußball ein Familienevent bleibt", sagte der Gewerkschafter. Der 1. FC Köln hatte zuletzt angekündigt, überführte Gewalttäter aus dem Verein auszuschließen und ein Stadionverbot gegen sie zu verhängen.

Kürzlich hatte bereits der Fan-Experte Michael Gabriel eine wachsende Gewaltbereitschaft konstatiert: "Das hat innerhalb der Ultragruppen unseres Erachtens noch eine größere Bedeutung, eine größere Wertigkeit bekommen", sagte der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte dem Deutschlandfunk. Laut Gabriel sei die jüngste Häufung gewalttätiger Vorfälle auf internationaler Ebene besorgniserregend und in ihrer Dimension "sehr, sehr verstörend". Seiner Ansicht nach sei es Glück gewesen, dass es bei den beiden Europapokal-Partien in Frankreich "keine Toten gegeben hat". Bei der Randale in Nizza war ein Mann auf der Tribüne über ein Geländer vom Mittel- in den Unterrang gestürzt.

Fanvertreter setzen in der Debatte auf Deeskalation. Mehr Polizei sei nicht die Lösung des Problems, sondern ein Ziel müsse eine Stärkung der Rolle der sozialpädagogischen Fanprojekte sein. "Leider ist aber immer wieder zu beobachten, dass Vertreter und Vertreterinnen der Sicherheitsbehörden meinen, bessere Lösungen zu kennen und sozialpädagogische Expertise eher belächelt wird. Hier wäre eine Kehrtwende erstrebenswert, denn bisher hat keine Law-and-Order-Strategie Fehlverhalten verhindert", sagte Thomas Kessen von "Unsere Kurve" dem sid.

Zur SZ-Startseite