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Fall Lance Armstrong:Doping? Ermittler bringen Radprofis zu Aussagen

Laut "New York Times" haben Radprofis den Ermittlern von Dopingpraktiken im früheren US-Postal-Team berichtet. Die Lage für den siebenmaligen Tor-Sieger Lance Armstrong wird immer prekärer.

Die Lage für den viele Jahre erfolgreichsten Radsportler der Welt, Lance Armstrong, wird immer prekärer. Amerikanische Bundesanwälte haben nach einem Bericht der New York Times ihre Ermittlungen gegen Armstrong intensiviert und seit dem Ende der Tour de France viele seiner ehemalige Mannschaftskollegen nach Dopingpraktiken befragt.

Lance Armstrong

Wo führt das alles hin? Lance Armstrong, siebenmaliger Tour-Sieger.

(Foto: AP)

Einige Fahrer hätten demnach systematisches Doping beim früheren von Armstrong angeführten US-Postal-Team geschildert, heiße es aus dem Ermittlungsstab.

Ein ehemaliger Fahrer sagte in einem Interview mit der New York Times, er sei von Ermittlern befragt worden. Er habe Details zu seinen eigenen Dopingpraktiken offengelegt und zudem zum verbreiteten Betrug im Postal-Team. Er behauptet laut New York Times, Lance Armstrong habe davon gewusst und es gefördert. Der Fahrer, der noch anonym bleiben wolle, sei nie positiv auf Dopingmittel getestet worden.

Die Bundesbehörde mit ihrem Chefermittler Jeff Novitzky hat sich den Fall Armstrong vorgenommen und versucht, eine Anklage wegen "Betrugs und Verschwörung" vor einer Grand Jury zu erzwingen. Zeugenaussagen sind dabei die wichtigsten Indizien.

Dabei steht Armstrongs Rolle im bis 2004 existierenden Rad-Team US Postal Service, an dessen Betreiberfirma er offenbar beteiligt war, im Fokus. Die Ermittler versuchen zu beweisen, dass Sponsorengeld des öffentlich-rechtlichen Sponsors US Postal für die Beschaffung von illegalen Dopingmitteln benutzt wurde. Sollten Novitzky und seine Mitarbeiter erfolgreich sein, würde quasi als Nebeneffekt Armstrongs sieben Tour-Siege als Schwindel auffliegen. Armstrong bestreitet, jemals gedopt zu haben.

Auslöser der Ermittlungen sind die Aussagen des früheren Postal-Kollegen Floyd Landis, der im Mai seinen früheren Chef Armstrong beschuldigt hatte, er habe wie andere Fahrer im Team mit Dopingmitteln und Bluttransfusionen seine Leistung gesteigert. Armstrong hätte als Chef die Kollegen dazu ermutigt und es seien auch Fahrräder verkauft worden, um an das nötige Geld zu kommen.

Einige Fahrer werden offenbar derzeit gezwungen, bei den Ermittlern auszusagen. Tyler Hamilton zum Beispiel, der eine achtjährige Dopingsperre absitzt, oder George Hincapie. Während Sportler vor Sportgerichten relativ gefahrenlos lügen können, weil sich daraus keine strafrechtlichen Konsequenzen ergeben, steht für sie bei einer Befragung eines Bundesermittlers oder vor einem amerikanischen Bundesgericht viel auf dem Spiel.

Sprinterin Marion Jones etwa musste im Zuge der Balco-Affäre, die auch Chefermittler Novitzky geleitet hatte, wegen Meineid sechs Monate ins Gefängnis. Leichtathletik-Trainer Trevor Graham erhielt Hausarrest.

Unterdessen berichtet der Spiegel, dass Armstrongs Anwälte bereits Ermittler Novitzky unter die Lupe nehmen, um dessen Arbeitsmethoden und auch Integrität zu beschädigen. Armstrong gilt als knallhart, wenn ihn jemand als Dopingsünder entlarven möchte.

Der 38-Jährige stellte am Mittwoch in Denver seine Pläne vor, eine Rundfahrt im US-Bundesstaat Colorado zu gründen und hat auch seine eigene Teilnahme in Aussicht gestellt. Die Quiznos Pro Challenge, die bereits vom internationalen Radsport-Verband UCI genehmigt wurde, soll im August 2011 rund um die Stadt Denver ausgetragen werden.

In Europa will Armstrong hingegen nicht mehr an den Start gehen: "Meine Tage im europäischen Spitzen-Radsport sind definitiv vorbei. Das heißt aber nicht, dass ich nicht noch bei ausgewählten Rennen starten werde", sagte er.

Ob er auch die Dopingaffäre um ihn und sein früheres US-Postal-Team kommentieren wolle? Dazu, so Armstrong, habe er "nichts zu sagen".

© sueddeutsche.de/hum
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