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Fall Caster Semenya:Südafrika spricht von "drittem Weltkrieg"

Laut Zeitungsberichten soll ein Geschlechtstest ergeben haben, 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya sei ein Zwitter. Südafrikas Sportminister reagiert empört.

Geschockt und empört hat sich Südafrikas Sportminister Makhenkesi Stofile zu Berichten geäußert, 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya sei ein Zwitter. Jeder Versuch, die 18-Jährige von Wettkämpfen auszuschließen, führe zu einem "dritten Weltkrieg", drohte der Minister am Freitag bei einer Pressekonferenz in Pretoria. "Weder Caster noch ihre Familie haben diese Art von Demütigung verdient. Keiner von ihnen hat etwas Falsches getan", meinte Stofile.

Die Aufregung um Caster Semenya geht weiter.

(Foto: Foto: AP)

Die australische Zeitung Daily Telegraph hatte am Freitag unter Berufung auf zuverlässige Quellen behauptet, ein Geschlechtstest habe ergeben, dass Semenya ein Zwitter sei. Dabei habe die 18-Jährige ein dreifach höheres Testosteron-Niveau als bei Frauen üblich aufgewiesen, schrieb das Blatt unter Berufung auf Quellen, die über die Untersuchung gut informiert sein sollen. Sie habe innenliegende Hoden statt Eierstöcke und keine Gebärmutter, berichtete der Daily Telegraph unter Berufung auf seinen Informanten. Schon während der WM hatte die Schweizer Zeitung Blick berichtet, Semenya sei ein Zwitter.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF reagierte am Freitag - unmittelbar nach dem Bericht - mit einer siebenzeiligen Erklärung. Darin wurde der Geschlechtstest der Südafrikanerin zwar bestätigt, die endgültige Entscheidung im Fall Semenya wird die IAAF aber frühestens auf ihrer Council-Tagung am 20./21. November in Monaco bekanntgeben. Vor Abschluss der Untersuchungen werde es keine Stellungnahme mehr geben. Den Test hatte die IAAF in Auftrag gegeben und von Anfang an darauf verwiesen, dass sie den Fall aufgrund der besonderen Sensibilität zunächst sehr sorgfältig prüfen und erst dann an die Öffentlichkeit gehen werde.

Caster hatte das 800-Meter-Finale am 19. August im Berliner Olympiastadion mit einem sensationellen Vorsprung gewonnen. Sie siegte in der Weltjahresbestzeit von 1:55,45 Minuten vor Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei aus Kenia (1:57,90) und Jennifer Meadows aus Großbritannien (1:57,93). Aufgrund ihrer männlichen Erscheinung waren bereits vor dem Endlauf Zweifel aufgekommen, ob sie eine Frau ist. Die bis dahin unbekannte Südafrikanerin hatte drei Wochen vor der WM die Weltklassezeit von 1:56,72 Minuten gelaufen.

Vor vier Tagen war Semenyas Trainer wegen der Kontroverse um die Weltmeisterin zurückgetreten. "Ich bedauere die Rolle, die ich dabei gespielt habe. Aufgrund meiner Nachlässigkeit musste sie das Ganze erleiden", hatte Wilfried Daniels der Zeitung The Star gesagt. Man habe die junge Läuferin getäuscht, behauptete der Coach.

Semenya sei bei dem vom Weltverband angeordneten und nach ihrem WM-Sieg in Berlin vorgenommenen Geschlechtstest im Glauben gelassen worden, es handele sich nur um eine Doping-Kontrolle. "Ich muss zurücktreten und mich nun fragen, ob ich mein Leben noch genießen kann. Mein Schuldbewusstsein ist groß", sagte Daniels.

© sueddeutsche.de/dpa/sid/aum/jüsc

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