Fall Caster Semenya:IAAF wehrt sich

Lesezeit: 1 min

IAAF Diamond League - Doha 2019

800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya.

(Foto: Francois Nel/Getty Images)

"Gebräuchlicher Standard": Der Leichtathletik-Weltverband IAAF verteidigt seine Testosteron-Regel zur Wettbewerbsgleichheit bei den Frauen. Die Senkung des Hormon-Pegels verstoße nicht gegen ethische Grundsätze.

Von Johannes Knuth, Monaco

Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hat sich erneut gegen Kritik an seinem neuen Testosteron-Paragrafen gewehrt. Die Regel basiere auf diversen Erkenntnissen, die Experten in den vergangenen 15 Jahren zusammengetragen hätten, teilte die IAAF mit. Läuferinnen wie die Südafrikanerin Caster Semenya müssen ihren Testosteronspiegel demnach mit Medikamenten senken, wollen sie bei internationalen Rennen in der Frauenklasse starten. Der Weltärztebund (WMA) hatte Mediziner zuletzt aufgefordert, die umstrittene Maßnahme nicht umzusetzen. Die Richtlinie verstoße gegen ethische Prinzipien.

Der Weltverband führte in seiner Mitteilung nochmals aus, warum er den Eingriff in den Hormonhaushalt von Athletinnen wie Semenya für angemessen halte. Es handele sich hierbei um Frauen mit "Differences of Sex Development (DSD)", die einen männlichen Chromosomensatz haben statt einen weiblichen, über Hoden statt Eierstöcke verfügen und deren Testosteronspiegel weit außerhalb des weiblichen Referenzbereichs liege. Die Organismen dieser Frauen seien für das erhöhte Testosteron zudem stark empfänglich, das spende ihnen einen unverhältnismäßigen Vorteil. Dass die hormonsenkenden Mittel dagegen starke physische und psychische Nebenwirkungen haben können, konterte die IAAF mit der Behauptung, dass solche Behandlungen "gebräuchlicher Standard" seien und die Körper der betroffenen Athletinnen verweiblichen würden. Das würde die Frauen in ihrer erwünschten Geschlechterrolle ja auch bekräftigen. Zudem wies die IAAF erneut Kritik an Studien zurück, mit denen sie ihre neue Regel begründet hatte. Man habe mangelhafte Werte später korrigiert.

Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) hatte den Einspruch von 800-Meter-Olympiasiegerin Semenya gegen die neue Regel am 1. Mai abgewiesen. Der Paragraf ist seit Mittwoch in Kraft.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB