bedeckt München 21°

Fakten zu den Paralympics:Bladerunner, Rihanna und Wyludda

Olympia war gestern, jetzt kommen die Paralympics: Mit einem nie da gewesenen Aufgebot an Athleten starten die Spiele der Menschen mit Behinderung am Mittwoch in London. Oscar Pistorius sprintet wieder, Alex Zanardi fährt Handbike, aber wer trägt eigentlich die deutsche Fahne? Zehn Dinge, die Sie über die Paralympics wissen sollten.

1 / 10

Fakten zu den Paralympics:Fahnenträgerin Daniela Schulte

London 2012 Paralympics - Schwimmerin Daniela Schulte

Quelle: dpa

Olympia war gestern, jetzt kommen die Paralympics: Mit einem nie da gewesenen Aufgebot an Athleten starten die Spiele der Menschen mit Behinderung am Mittwoch in London. Oscar Pistorius sprintet wieder, Alex Zanardi fährt Handbike, aber wer trägt eigentlich die deutsche Fahne? Zehn Dinge, die Sie über die Paralympics wissen sollten.

Von Saskia Aleythe

Fahnenträgerin Daniela Schulte: Was Hockeyspielerin Natascha Keller bei den Olympischen Spielen war, das ist Daniela Schulte bei den Paralympics: Fahnenträgerin. Nach all den Erfolgen, die die blinde Schwimmerin bei drei paralympischen Teilnahmen feiern konnte, ist das auch verdient. In Atlanta gewann sie 1996 als 14-Jährige zwei Mal die Goldmedaille, mittlerweile hält sie 17 Weltrekorde. Über die Nominierung war die heute 30 Jahre alte Schulte dennoch erstaunt. "Bei so vielen Spitzenathleten, die wir in der Mannschaft haben, habe ich nicht damit gerechnet, dass die Wahl auf mich fällt", sagt Schulte. "es ist das i-Tüpfelchen meiner Karriere, und ich freue mich sehr auf den Abend, an dem ich stolz unsere Mannschaft anführen werde."

2 / 10

Fakten zu den Paralympics:Dimensionen

Day 5 - Paralympic Torch Relay

Quelle: dpa

Dimensionen: Die Paralympics entwickeln sich zum Großereignis. Mehr als 4200 Athleten messen sich in 503 Wettbewerben. Und zwar vor stattlicher Kulisse: "Es sind mehr als zwei Millionen Eintrittskarten verkauft worden, das zeigt die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung in der Mitte der Gesellschaft", sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Die Eröffnungsfeier am Mittwoch ist ausverkauft.

Aus Deutschland gehen 150 Athleten an den Start, 20 weniger als im Jahr 2008. Sie ziehen in das olympische Dorf von Robert Harting und Co.: In nur fünf Tagen wurden die Häuser behindertengerecht gemacht. "Der Umbau war der größte in der Geschichte der Paralympics", sagte Paul Deighton, der Generalsekretär des Organisationskomitees Locog, "wir haben in kürzester Zeit eine große Operation gestemmt, um die größten Paralympics aller Zeiten sehen zu können." Auch einen Großteil der Wettkampfstätten der Olympischen Spiele nutzen die behinderten Athleten, zwei Sportstätten kamen neu hinzu: In Eton Manor werden die Wettbewerbe im Rollstuhl-Tennis ausgetragen und die Straßenradrennen der Handbiker steigen in Brands Hatch, auf der modernisierten Traditions-Rennstrecke des Automobilsports.

(Im Bild: Simon Richardson mit olympischer Fackel)

3 / 10

Fakten zu den Paralympics:Rückkehrerin Ilke Wyludda

Beinamputation bei Diskus-Olympiasiegerin Wyludda

Quelle: dpa

Rückkehrerin Ilke Wyludda: Mit Olympischen Dörfern kennt sich Ilke Wyludda bestens aus. 2000 bewohnte sie das in Sydney, davor reiste sie nach Atlanta und Barcelona. Damals trat sie jedoch noch nicht bei den Paralympics an, sondern startete bei den Olympischen Spielen. Ihren größten Erfolg feierte die heute 43-Jährige 1996: Damals wurde sie Olympiasiegerin im Diskuswurf. Durch die Infektion einer Wunde musste der Spitzensportlerin im Jahr 2010 der rechte Unterschenkel amputiert werden. Kein Grund, mit dem Leistungssport aufzuhören: Nun geht für Wyludda die Medaillenjagd bei den Paralympics in London weiter. "Dass ich überhaupt dabei bin, ist eine tolle Sache. Alles andere ist Zugabe", so Wyludda, "ich werde es genießen."

(Archivbild von 1996, Wyludda im Olympiastadion von Atlanta)

4 / 10

Fakten zu den Paralympics:Wortführerin Ilke Wyludda

Ilke Wyludda

Quelle: dpa

Wortführerin Ilke Wyludda: Unter den Athleten der Paralympics ist sie zwar noch ein Neuling, dennoch setzt sich Ilke Wyludda sofort für ihre Kollegen ein. Diskussionsthema Nummer eins: Die unterschiedliche Höhe der Medaillenprämien. 4500 Euro gab es für den Gewinn der Goldmedaille bei den Paralympics in Peking, 15.000 Euro bekam ein Goldgewinner der diesjährigen Olympischen Spiele. "Man macht es nicht der Prämien wegen, aber man braucht schon ein gewisses Geld, um die eigenen Kosten gestalten zu können", sagt Wyludda, "der Behindertensport hat in Deutschland leider Gottes immer noch nicht den Stellenwert, den er verdient." Und wer könnte das besser beurteilen als Wyludda? Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) stellt für den Paralympicssieg in London nun eine aufgestockte Prämie in Aussicht: 7500 Euro soll es dann geben. 

5 / 10

Fakten zu den Paralympics:16 neue Nationen

XIV. Paralympischen Sommerspiele

Quelle: dapd

16 neue Nationen: Schon bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele rieb man sich verdutzt die Augen, wie viel Länder die Welt doch hat und was da als Flagge von Osttimor ins Stadion getragen wurde. Bei den Paralympics starten 166 Nationen, fast 40 weniger als bei Olympia. Doch Exoten gibt es trotzdem: Brunei, Antigua und Barbuda, Salomonen, die Komoren und auch Dschibuti sind vertreten. Insgesamt 16 Länder schicken erstmals Athleten zu den Paralympics. Die können sich dann auch über die frisch geschmückte Tower Bridge freuen: Was für Olympia die Ringe, ist für die Paralympics die Kombination aus den drei bunten Streifen.

6 / 10

Fakten zu den Paralympics:TV-Übertragung

-

Quelle: AFP

TV-Übertragung: Den ganzen Tag Sport gucken? Das geht nur bei Olympia. Aber auch die Paralympics können Sportbegeisterte täglich bis zu sechs Stunden mitverfolgen. ARD und ZDF berichten von dem Ereignis in London so ausführlich wie noch nie. Insgesamt 65 Stunden und 30 Minuten haben die öffentlich-rechtlichen Sender von der Eröffnungs- bis zur Abschlussfeier am 9. September eingeplant, mehr als doppelt so viel wie noch in Peking 2008. Die Eröffnungsfeier am Mittwoch wird in der ARD zu sehen sein, anschließend wechseln sich die Sender wie bei Olympia täglich ab. Und auch auf den Internetseiten der Sender sollen zusätzliche Livestreams aufgerufen werden können. Ein besonderes Angebot liefert der Radiosender "Radio 4Health": Dort werden während der gesamten Paralympics mehrstündige Berichterstattungen auf Deutsch und Englisch zu hören sein.

(Im Bild: Frankreichs Weitspringer Arnaud Assoumani)

7 / 10

Fakten zu den Paralympics:Vom Formel-1-Piloten zum Handbiker

ZANARDI

Quelle: SZ

Vom Formel-1-Piloten zum Handbiker: Früher fuhr er Rennwagen, heute startet Alessandro Zanardi bei den Paralympics als Handbiker. Der ehemalige Formel-1-Fahrer verunglückte 2001 bei einem Rennen der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring, eine Amputation beider Beine oberhalb der Knie folgte. Lust auf Sport hatte der Italiener weiterhin: "Ich wollte mal einen anderen Sport ausprobieren. Nach fünf Kilometern aber war ich platt wie noch nie, wollte sofort ins Bett", sagt er zu seinen Anfängen mit dem Handbike, "da habe ich gedacht: Moment, mein Freund, das übst du jetzt. Und dann wurde ich süchtig nach dem Rad." So süchtig, dass er täglich bis zu 80 Kilometer mit dem Handbike zurücklegt.

8 / 10

Fakten zu den Paralympics:Marianne Buggenhagen

Paralympics - Marianne Buggenhagen gewinnt Gold mit Weltrekord im Diskus

Quelle: dpa

Marianne Buggenhagen: Sie ist 59 Jahre alt und startet mittlerweile zum sechsten Mal bei den Paralympics. Neun Goldmedaillen hat Marianne Buggenhagen schon, nun soll eine weitere hinzukommen. Die Vorfreude auf die Spiele wurde bei Buggenhagen allerdings durch eine Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) getrübt: Es nahm das Diskuswerfen in ihrer Schadensklasse aus dem Programm, die querschnittsgelähmte Buggenhagen kann nur noch im Kugelstoßen auf Medaillenjagd gehen. "Ich bin schwer enttäuscht und fühle mich immer noch betrogen", sagt Buggenhagen. Vielleicht kann sie ein weiterer Erfolg ja versöhnlich stimmen.

9 / 10

Fakten zu den Paralympics:"Bladerunner" Oscar Pistorius:

RNPS IMAGES OF THE YEAR 2011

Quelle: REUTERS

"Bladerunner" Oscar Pistorius: Durch ihn haben sich die "Karbonfedern" ins Vokabular des geneigten Sportzuschauers eingeschlichen: Oscar Pistorius ist der wohl bekannteste Behindertensportler der Welt. Für Aufsehen sorgte der unterschenkelamputierte Athlet zuletzt durch seine Teilnahme an den Olympischen Spielen. Ein Behinderter mit Karbonfedern startet bei Olympia? In der Sportwelt war das nicht unumstritten. Über 400 Meter schaffte es der "Bladerunner" ins Halbfinale, wo er als Achter ausschied. Mit der 4x400-Meter-Staffel belegte er im Finale ebenfalls Rang acht.

Wenige Wochen nach der Erfüllung seines olympischen Traums, geht es für den südafrikanischen Läufer bei den Paralympics weiter. Ob Pistorius zwischendurch gleich in London geblieben ist, ist nicht überliefert, aber fest steht: Der vierfache Paralympicssieger gilt bei den Spielen in London wieder als Favorit auf die Goldmedaille. 2008 in Peking lief er über 100, 200 und 400 Meter als Erster ins Ziel.

10 / 10

Fakten zu den Paralympics:Abschlussfeier

Leute-News: Rihanna und Coldplay

Quelle: dapd

Abschlussfeier: Dass sich in London nicht nur Spitzensport betreiben, sondern auch Spitzenpartys feiern lassen, ist spätestens seit der Abschiedszeremonie der Olympischen Spiele bekannt. Auftritte wie die von den Spice Girls, Take That oder den Pet Shop Boys lassen sich nicht toppen? Da dürften die Athleten der Paralympics anderer Meinung sein. Zu ihrer Abschlussfeier kommt Sängerin Rihanna aus Amerika rübergeschippert, auch die Band Coldplay wird ihren Auftritt haben. "Das wird einer der aufregendsten Tage unseres Lebens", sagt Sänger Chris Martin. Garantiert nicht nur für ihn.

© SZ.de/ska/jüsc

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite