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FA-Cup-Sieg des FC Arsenal:Magie ohne Eistonne

Aston Villa v Arsenal - FA Cup Final

Großer Jubel beim großen Deutschen: Per Mertesacker gelang beim 4:0- Sieg des FC Arsenal gegen Aston Villa ein Schulter/Kopf-Tor.

(Foto: Getty Images)
  • Mesut Özil und Per Mertesacker gewinnen mit dem FC Arsenal durch ein 4:0 gegen Aston Villa den FA-Cup.
  • Es ist bereits der zwölfte Triumph der Londoner in diesem Wettbewerb: Rekord.
  • Mertesacker trägt mit einem Tor zum Erfolg bei, Özil zeigt sich nach drei Monaten Pause tatenhungrig.

Von Sven Haist, London

Am äußerlichen Erscheinungsbild ließ sich Prinz William seine Parteilichkeit nicht anmerken. Offiziell war er ja nicht nur als Duke of Cambridge zu Gast beim 134. Finale des englischen Vereinspokals, sondern auch als Vorsitzender des nationalen Fußballverbandes (FA). Diese beiden Funktionen garantierten ihm eine der besten Perspektiven auf den Ort des Geschehens im Wembley. Aber den Kameras eben auch eine freie Sicht auf den leidenden Fußballfan William, der seit Kindheitstagen dem Verein Aston Villa verfallen ist.

Die Anwesenheit des Prinzen verhalf dem Klub aus Birmingham, in dieser Saison nur um drei Punkte einem Abstieg aus der Premier League entkommen, nicht dazu, erstmals nach 1957 wieder den FA-Cup zu gewinnen. "Gunnstoppable", jubelte die Sun, weil der FC Arsenal und sein Coach Arsène Wenger durch ein 4:0 dem Geschichtsbuch mal wieder eine neue Seite hinzugefügt hatten. Der zwölfte Triumph für die Nord-Londoner ließ sie an Manchester United vorbeiziehen.

Mesut Özil: Die Wiedereinführung des Spielmachers

Die Gunners sind nach der Titelverteidigung jetzt alleiniger Rekordhalter in diesem Wettbewerb, was ihren Hauptsponsor wohl dazu animiert hatte, bei der Auktion des Verbands über den zukünftigen Namen des FA-Cups das höchste Gebot abzugeben. Für mindestens drei Jahre wird der vor Tradition durchtriefte Pokal unter dem Namen einer Fluggesellschaft ausgespielt.

Immerhin waren es keine künstlichen Tränen, die bei Wenger flossen, als Per Mertesacker - der Torschütze des entscheidenden 3:0 - die Trophäe präsentierte. "Wembley ist magisch, unser Wettbewerb", bilanzierte Arsenals Kapitän, "heute gibt es keine Eistonne!" Deren Erwähnung hatte ihm ja auf dem Weg zum WM-Gewinn in Brasilien zu Ruhm verholfen. Nun aber regnete es zunächst Konfetti und am Sonntagmittag dann Ovationen der Fans bei der Trophäenparade im Stadtteil Islington.

FC Arsenal allein vorne

FA-Cup-Sieger seit 2000 und Rekordsieger

2000 FC Chelsea - Aston Villa 1:0

2001 FC Liverpool - FC Arsenal 2:1

2002 FC Arsenal - FC Chelsea 2:0

2003 FC Arsenal - FC Southampton 1:0

2004 Manchester United - FC Millwall 3:0

2005 FC Arsenal - ManUnited i.E. 5:4 (0:0)

2006 FC Liverpool - West Ham i.E. 3:1 (3:3)

2007 FC Chelsea - Manchester United n.V. 1:0

2008 FC Portsmouth - Cardiff City 1:0

2009 FC Chelsea - FC Everton 2:1

2010 FC Chelsea - FC Portsmouth 1:0

2011 Manchester City - Stoke City 1:0

2012 FC Chelsea - FC Liverpool 2:1

2013 Wigan Athletic - Machester City 1:0

2014 FC Arsenal - Hull City n.V. 3:2

2015 FC Arsenal - Aston Villa 4:0

Die Rekordsieger

FC Arsenal 12, Manchester United 11, Tottenham 8, Aston Villa, FC Liverpool, FC Chelsea je 7

Die Festivitäten hingen auch mit Wengers Spielglück zusammen, sein Schicksal der Zahl 14 anzuvertrauen - der Rückennummer von Theo Walcott. Seine Nominierung anstelle des etatmäßigen Angreifers Oliver Giroud dankte er mit dem wichtigen 1:0. Beschwingt durch diese Entscheidung würgte Wenger die Frage nach Verstärkungen für die Jagd nach dem zuletzt 2004 errungenen Meistertitel ab. "Ich bin nicht in Kauflaune", sagte der Franzose, "ich kaufe heute nur Getränke für meine Spieler."

Mesut Özil, als einleitendes Element eines Sammelsuriums an Torchancen, weckte Erinnerungen an die Wiedereinführung des Spielmachers im modernen Fußball. Der 26-jährige Weltmeister ist auf der Insel bislang nicht durch Arbeitseifer aufgefallen, auch seine Positionsflexibilität stößt schnell an Grenzen. An den Rändern des Spielfelds verpuffen seine Fähigkeiten, weil sich seine fußballspezifische Schnelligkeit auf den Kopf und nicht auf die Beine bezieht.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis Wenger seine Edelfeder von der Position des Linksaußen wieder ins Zentrum zurückversetzte, dorthin wo der Künstler Özil sich an allen Farbtöpfen bedienen kann. Als der Pablo Picasso der Offensivangriffe Arsenals all seine Redeblumen vor sich hin gemurmelt hatte, sagte er: "Ich habe den Fußball vermisst." Özil meinte jene drei Monate Pause, zu denen ihn ein Außenbandteilabriss im Knie von Oktober an zwang. "Ich habe die Spiele von Arsenal verfolgt und gedacht: Ey, ich will wieder zurück." Es müssen wirklich schlimme Tage für Özil gewesen sein, denn der Ton seiner Stimme hebt sich ab - sie transportiert jetzt Leidenschaft!

Die Nestwärme seines Förderers Wenger hat ihn in der kalten Jahreszeit geschützt. Mittlerweile tritt der Feingeist wieder tatenhungrig in Erscheinung. Zweimal darf er seine Form noch für die Nationalmannschaft zeigen, gegen die USA und Gibraltar, dann ist Özil auf dem Gebiet der strategischen Urlaubsplanung gefragt. Der Ort sei nämlich noch nicht fixiert, nur das Ziel: "Weit weg, wo die Paparazzi uns nicht erwischen können."

© SZ vom 01.06.2015
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