European Championships:Neun statt sieben

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Rome Italy September 08 2019 Agatha Duda and Ludwig Kozuch during the finals 1st place Women FI; Beachvolleyball - Laura Ludwig

Theoretisch 2022 bei den European Championships in München auch dabei: Olympiasiegerin Laura Ludwig bildet derzeit mit Margareta Kozuch das beste deutsche Frauenteam im Beachvolleyball.

(Foto: Marco Iacobucci/Imago)

Mehr Sportarten und alles an einem Ort: Bei den European Championships sollen 2022 in München auch die kontinentalen Titelkämpfe im Beachvolleyball, Klettern, Kanu-Rennsport und Tischtennis ausgetragen werden.

Von Ralf Tögel

Seit Ende März herrscht ja eine gewisse Erleichterung bei den Verantwortlichen der Olympiapark München GmbH (OMG). Seinerzeit hat bekanntlich das Internationale Olympische Komitee beschlossen, die Sommerspiele 2020 im japanischen Tokio um nur ein Jahr nach hinten zu verschieben. Die Gefahr einer Verlegung oder gar Stornierung der European Championships 2022 in der bayerischen Landeshauptstadt war also gebannt. Und als die in Folge der Olympiaverlegung ebenfalls um ein Jahr verschobene Leichtathletik-Weltmeisterschaft auf 15. bis 24. Juli 2022 terminiert wurde - also drei Wochen vor der Multi-Europameisterschaft, die vom 11. bis 21. August über die Bühne gehen wird - war gewährleistet, dass sich diese beiden Großereignisse einigermaßen aus dem Weg gehen und der Veranstalter auch mit der Kernsportart planen kann. Seither arbeitet die OMG mit Hochdruck an der Vorbereitung für dieses große Event, das 50 Jahre nach den Sommerspielen 1972 die Stadt und speziell den Olympiapark in den Fokus der Sportwelt rücken soll. Nun hat der Veranstalter vier weitere Sportarten und damit das endgültige Programm präsentiert: Standen bislang Leichtathletik, Turnen, Rudern, Rad und Triathlon fest, sind nun Beachvolleyball, Klettern, Kanu-Rennsport sowie Tischtennis hinzugekommen.

Die Idee von mehreren kontinentalen Titelkämpfen zur selben Zeit hatte vor zwei Jahren in Glasgow und Berlin eine viel beachtete Premiere gefeiert und vor allem bei den Athleten großen Anklang gefunden. Im Vergleich zur Erstauflage im Jahr 2018, als in sieben Sportarten die Europameister ermittelt wurden, ist das Programm auf neun Titelkämpfe gewachsen - obwohl Golf und Schwimmen nicht mehr dabei sind. Neu ist auch, dass alle Titelkämpfe an nur einem Ort stattfinden werden. Voraussetzung für eine Erweiterung des Programms war, dass sich dies nicht im Budget niederschlagen dürfe. Was gelungen sei, wie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter nun mitteilt: "Ich freue mich, dass wir noch mehr Sportarten gewinnen konnten als zunächst geplant. Damit werde genau 50 Jahre nach den Sommerspielen 1972 "erneut ein hochkarätiges, buntes und vielfältiges Sportspektakel" in München über die Bühne gehen.

Neben der Einhaltung des Budgets ist die Nachhaltigkeit der Wettkämpfe ein großes Argument für die Stadt. Die Kosten sind auf insgesamt 130 Millionen Euro beziffert, den größten Anteil von 100 Millionen werden sich die Stadt, der Freistaat Bayern und der Bund teilen. Weitere 30 Millionen Euro werden der OMG zugeschrieben, das Geld soll durch Sponsoring-Einnahmen und Ticketverkäufe erwirtschaftet werden. Darüber hinaus könne die Stadt ausschließlich auf bereits vorhandene Infrastruktur zurückgreifen, so OB Reiter, Auswirkungen auf Stadt und Umgebung sollen dadurch möglichst gering gehalten werden. Zudem betont Reiter, dass "die kurzen Wege zwischen den Austragungsstätten und die guten Verbindungen zwischen Olympiapark, Münchner Innenstadt und Umland mit öffentlichen Verkehrsmitteln" ein Pluspunkt in Sachen Umweltfreundlichkeit seien.

Die Leichtathletik-Wettbewerbe werden im Olympiastadion stattfinden, die Turnwettkämpfe, ebenfalls wie bei den Spielen 1972, in der Olympiahalle. Die Radfahrer werden sich weitgehend in und um den Olympiapark messen, was auch für die Triathleten gilt. Die schwimmen im Übrigen auf Wunsch von Verband und Athleten im Olympiasee. Die Bahnradfahrer werden ihre Disziplinen auf dem Messegelände in Riem austragen, wofür eine Bahn nebst Tribünen in eine Messehalle gebaut werden. Die Wettkämpfe der Ruderer und Kanuten sind auf der Olympiaregattaanlage in Oberschleißheim geplant, die Tischtennis-EM wird in der traditionsreichen Rudi-Sedlmayer-Halle am Westpark stattfinden. Für Beachvolleyball und Klettern haben Stadt und OMG etwas Besonderes im Sinn, diese beiden Sportarten werden ins Zentrum verlagert. Noch ist nicht sicher wo genau, der favorisierte Veranstaltungsort ist jedoch der Königsplatz.

Insgesamt werden 4400 Athletinnen und Athleten um 158 Medaillensätze wetteifern. Um einen reibungslosen Ablauf zu organisieren, hat die Stadt eine ganze Reihe an Bürocontainern an der Parkharfe des Olympiaparks aufgestellt, wo bis zu 150 zusätzlich eingestellte Mitarbeiter bis Sommer 2022 unter Hochdruck an den Vorbereitungen arbeiten werden. Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann ist nicht nur vom "Konzept der Nachhaltigkeit" überzeugt und freut sich, "dass die Olympiasportstätten mit neuem Leben erfüllt werden". Er glaubt auch an ein Muster für die Zukunft: "Wer hat schon an einem Ort neun Europameisterschaften in den unterschiedlichsten Disziplinen? Ich bin mir sicher: Diese Championships werden Schule machen und Vorbild für künftige Wettbewerbe in ganz Europa sein."

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