Europapokal:Wer hat die angenehmste Einreiseklausel?

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Europapokal: Ausweichort für deutsche Klubs: Die Puskas Arena in Budapest.

Ausweichort für deutsche Klubs: Die Puskas Arena in Budapest.

(Foto: Tibor Illyes/AP)

In Zeiten von Reisebeschränkungen reagiert der Fußball mit noch mehr Reisen quer durch Europa. Das mag erlaubt sein - zu vermitteln ist es aber kaum noch.

Kommentar von Martin Schneider

Sortiert sieht es aktuell so aus: Leipzig und Liverpool treffen sich in Budapest, ebenso Mönchengladbach und Manchester City, das Spiel Atlético gegen Chelsea könnte in Bukarest oder Warschau stattfinden, für San Sebastian gegen Manchester United ist Turin als Spielort festgelegt, Benfica und Arsenal werden in Rom antreten, zumindest beim Hinspiel, das Rückspiel wird dann in Athen (Piräus) stattfinden und die Norweger aus Molde treten gegen Hoffenheim in Villarreal an. Das liegt an der spanischen Ostküste.

Die Liste kann sich je nach Pandemieentwicklung noch verändern und erweitern. Reisebeschränkungen gelten nun teilweise auch für Profiklubs, und deswegen sucht halb Europa gerade einen Sportplatz. Wer hat noch ein Spielfeld frei? Wo können wir hin? Wer hat die angenehmste Einreiseklausel? Es ist kurios bis absurd.

Schuld daran ist das Regelwerk der Uefa, das genau diese absurde Situation heraufbeschworen hat. In den Bestimmungen heißt es unmissverständlich, dass jedes Heimteam für die Austragung des Spiels verantwortlich ist. Jeder Klub wird per Regel dazu aufgefordert, bei den zuständigen Behörden zunächst einmal "Ausnahmen" von bestehenden Einschränkungen zu erfragen. Sprich: Was für alle gilt muss ja noch lang nicht für den Fußball gelten.

Falls das nicht gelingt, muss woanders gespielt werden, genauer gesagt dort, wo die Bestimmungen nicht so streng sind. Eine Grenze ist nicht definiert, theoretisch könnten alle Spiele in Drittländern gespielt werden. Die Uefa behält sich sogar das Recht vor, aus Hin- und Rückspiel nur ein K.-o.-Spiel zu machen. Fast alles ist möglich - Hauptsache, der Wettbewerb geht irgendwie weiter. Ach so, und die Auswärtstorregel gilt natürlich auch dann, wenn beide Mannschaften auswärts spielen.

Immer mehr Politiker sprechen von einem "falschen Signal"

Dabei müsste sich die Uefa so langsam mal die Frage stellen, ob man alles, was man tun kann, auch tun sollte. Viele europäische Länder erlassen immer striktere Reisebeschränkungen um, nun ja, Reisen zu beschränken. Und das führt dazu, dass Fußballklubs noch mehr Reisen unternehmen? Wem will man das noch vermitteln?

Immer mehr Politiker sehen das Problem kommen, sprechen vom "falschen Signal", das der Fußball sendet, wenn er möglichst clever jedes Schlupfloch sucht. Auch das Bundesinnenministerium musste auf Nachfrage klarstellen, dass die Regeln nicht das Ziel hätten, dass sich Menschen nun einfach andernorts treffen. Dabei kommt die Politik dem Betrieb schon entgegen. Länderverordnungen, zum Beispiel die sächsische oder auch die bayerische Einreisebestimmung, nehmen Personen, die an "internationalen Sportveranstaltungen" teilnehmen, von den normalen Quarantänepflichten aus.

Es war von Beginn an klar, dass ein kompletter Europapokal-Wettbewerb in Pandemie-Zeiten sowohl eine Herausforderung als auch ein Wagnis sein wird - aber niemand wollte Abstriche machen. Jedes Sechzehntelfinale musste sein. Und das in dem Wissen, dass der Terminplan eng ist und Verschiebungen schwer möglich sein werden.

Vor ein paar Tagen kam in Deutschland übrigens die "Task Force Profifußball", die Entwicklungen des Geschäfts reflektieren wollte, zu einem Abschlussbericht. Darin heißt es unter Punkt 1, die Profiklubs in Deutschland "sehen ihre ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung". Die Uefa nimmt gerade nur eine davon wahr.

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