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Salzburg und Leipzig in der Europa League:Eine einzigartige und blöde Konstellation

RB Salzburg - RB Leipzig

Hinten jubelt Salzburgs Andreas Ulme, Timo Werner (links) ist bedient.

(Foto: dpa)
  • RB Leipzig verliert 0:1 in Salzburg und ist in der Europa League nun auf fremde Hilfe angewiesen.
  • Leipzig kann nur noch weiterkommen, wenn Salzburg am letzten Spieltag gegen Glasgow gewinnt. Die Konstellation sei "ein bisschen blöd", sagt Timo Werner.
  • Hier geht es zu den Tabellen der Europa League.

Frisch geduscht setzte Zlatko Junuzovic im Pressebereich des Stadions in Salzburg-Wals zum Referat an. Juno, wie der zentrale Mittelfeldspieler von seinen Mannschaftskollegen beim FC Salzburg genannt wird, sprach von Themen wie Engagement, von Laufbereitschaft, davon, dass im strukturierten System seiner Mannschaft "jeder den anderen unterstützt". Minutenlang berichtete er in begeistertem Stil, wie gut die Räder in Salzburg ineinandergreifen würden und wie viel Freude es mache, in der Europa League nun fünf Siege aus fünf Spielen vorzuweisen zu haben.

Wenige Meter weiter stand Timo Werner, Stürmer von RB Leipzig, seine Mannschaftskollegen nennen ihn Timo. Sein Blick richtete sich auf den kühlen, grauen Zementboden. Werner sprach in der Vergangenheitsform, er sagte, "wir hatten auch dieses Jahr wieder sehr schöne Reisen", als er über die Europa-League-Saison berichtete, in der Leipzig zuletzt einen Ausflug nach Glasgow unternommen, aber im Sommer auch Qualifikationsduelle in Göteborg beim schwedischen BK Häcken, in Craiova (Rumänien) und bei Lugansk (im ukrainischen Saporoschje) bestritten hatte.

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Nach dem 0:1 im Konzern-Duell mit RB Salzburg bleibt extrem schwachen Leipzigern nur noch die Hoffnung auf fremde Hilfe am letzten Spieltag - das Aus in Europa droht.   Von Sebastian Fischer, Salzburg

Wenn es nun nicht klappen sollte mit der Qualifikation für das Sechzehntelfinale, dann sei das "schade, aber auch nicht so schlimm", so Werner, es wirkte, als hätte er sich bereits mit dem Ausscheiden abgefunden.

Ausgerechnet Salzburg könnte nun Leipzig retten

Allzu viele andere Optionen als das Eingestehen einer bisher schwachen Saison in der Europa League hatten die Leipziger nach der 0:1-Niederlage in Salzburg auch nicht. Mit sechs Punkten rangiert RB auf Rang drei der Gruppe B, hinter dem ungeschlagenen Primus Salzburg und Celtic Glasgow. Da jene beiden Vereine in zwei Wochen gegeneinander spielen, kann Leipzig nur noch bei einem Sieg gegen Trondheim und einer Celtic-Niederlage weiterkommen. Das ist angesichts der starken Salzburger und der schwachen Trondheimer gar keine so ungünstige Situation für Leipzig - das Weiterkommen hängt nun eben von Salzburg ab.

Die Konstellation "ist ein bisschen blöd", sagte Werner, denn die Geschichte des Fußballspiels Salzburg gegen Leipzig lässt sich nicht ohne die gemeinsame Markenstrategie eines österreichischen Brausekonzerns erzählen. Red Bull ist Anteilseigner von Leipzig und formal nur noch Hauptsponsor von Salzburg - was das Duell in der Europa League überhaupt erst laut Uefa-Regularien ermöglicht. Schon in diesem Spiel wäre für den Konzern Red Bull ein Unentschieden das günstigste Ergebnis gewesen. Es kam nicht so - aber allein dass eine gemeinsame Strategie denkbar ist, sehen viele als Problem.

Es scheint nun so zu sein, dass Salzburg beweisen möchte, dass es nicht die "zweitwichtigste Filiale" des Konzerns ist, was die Beteiligten beider Vereine dazu nutzen, die Spiele als normale Auseinandersetzung von normalen Klubs darzustellen. Aber der Punkt ist: Im letzten Gruppenspiel ist Leipzig von Salzburg abhängig. Das macht die Konstellation einzigartig, diskutabel und auch ein bisschen verwirrend.

Dieser Donnerstagabend in Salzburg begann damit, dass die rot-weiß gekleideten Gästefans auf die rot-weiß gekleideten Heimfans trafen und beide eine rot-weiße Choreografie präsentierten, was ein einheitliches Bild ablieferte. Die Salzburger gaben sich danach umso mehr Mühe, um Unterschiede zu RB Leipzig zu verdeutlichen und betonten in Wort und Schrift immer wieder, der FC Salzburg zu sein (ganz ohne RB - zumindest bei europäischen Spielen, in der heimischen Liga dann aber doch mit der Brause im Namen). Auch die Fans grenzten sich deutlich voneinander ab, die aus der Salzburger Kurve hissten während des Spiels mehrere Plakate mit eindeutigen Botschaften in Richtung des Leipziger Vorstandes und verunglimpften die Leipziger sogar. Das alles wirkte auch deshalb so interessant, weil das Spiel auf dem Rasen einiges zu wünschen übrig ließ.