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Europa League:Riesenblamage für Gladbach, Wolfsburg siegt

Borussia Mönchengladbach - Wolfsberger AC

Es ging gar nichts bei Borussia Mönchengladbach.

(Foto: dpa)

Beim 0:4 gegen den Wolfsberger AC aus Österreich spielt die Borussia schwach wie nie. Der VfL schießt drei Tore gegen einen Außenseiter.

Borussia Mönchengladbach hat beim Europacup-Comeback nach zweieinhalb Jahren ein Debakel erlebt. Die Mannschaft von Trainer Marco Rose verlor zum Auftakt der Gruppenphase in der Europa League gegen den österreichischen Provinzclub Wolfsberger AC am Donnerstag 0:4 (0:3) und kassierte damit die höchste Europapokal-Heimpleite in der Vereinsgeschichte. Damit steht die Borussia angesichts der weiteren Gruppengegner AS Rom und Istanbul Basaksehir bereits gehörig unter Druck.

"Wir sind ganz, ganz böse erwacht. Wir haben nicht nur verloren, sondern richtig verloren", sagte Sportdirektor Max Eberl beim TV-Sender Nitro: "Die Spieler sollten in der Kabine sitzen und sich fragen, was da gerade passiert ist. Wir haben gedacht, wir spielen sie irgendwie auseinander. Vielleicht hat der eine oder andere nicht hingehört, als der Trainer von der Aggressivität des Gegners gesprochen hat. Es war nicht viel Positives dabei." Christoph Kramer meinte: "Es war ein gebrauchter Abend, der viele Gründe hat. Wenn man zurückliegt, darf man nicht den Kopf hängen lassen, sondern muss sein Spiel durchziehen."

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Zugleich nimmt die Heimmisere immer dramatischere Züge an: Seit elf Spielen und fast acht Monaten sind die Gladbacher vor eigenem Publikum ohne Sieg. Eine leichte Pflichtaufgabe sollte es zwischen den beiden Derbys gegen den 1. FC Köln (1:0) und Fortuna Düsseldorf am Sonntag sein. Tatsächlich entpuppte sich der Europacup-Neuling aus Kärnten, der gerade einmal einen Jahresetat von sieben Millionen Euro aufweist, als lästiger Stolperstein.

Die Gäste bestraften die Gladbacher Nachlässigkeiten vor allem in der Defensive eiskalt und sorgten durch Tore von Shon Weissman (13.), zweimal Mario Leitgeb (31. und 68.), und Marcel Ritzmaier (41.) für einen verdienten Überraschungscoup. Nichts war bei den Gladbachern vor 34 846 Zuschauern im Borussia-Park vom leidenschaftlichen Auftritt gegen Köln übrig geblieben. Individuelle Aussetzer in der Hintermannschaft, fehlende Laufbereitschaft und viel zu pomadige Aktionen im Spiel nach vorn - Trainer Rose war an der Seitenlinie sichtlich schockiert vom Auftritt der Borussia. 0:3 zur Pause hatten die Gladbacher in einem internationalen Heimspiel letztmals 1978 im Weltpokal gegen die Boca Juniors Buenos Aires zurückgelegen.

Entsprechend gab es für die Borussia von den Rängen ein gellendes Pfeifkonzert. Dabei herrschte vor dem Anpfiff noch große Euphorie. "Auf nach Danzig - mit voller Kraft", war auf einem Plakat mit Blick auf den Finalort in Polen zu lesen. Nach diesem Auftritt muss eher das Überwintern auf internationaler Bühne in Frage gestellt werden.

Schon in der 13. Minute brachte der israelische Torjäger Weissman Wolfsberg in Führung, als er nach einem abgefälschten Schuss von Romano Schmid am schnellsten reagierte. Florian Neuhaus war bei dieser Aktion wie auch beim zweiten Gegentreffer nicht auf der Höhe, als er Leitgeb nach Freistoß von Ex-Zweitligaprofi Michael Liendl frei einköpfen ließ. Die Österreicher waren auch sonst aggressiver, leidenschaftlicher und engagierter. So wurde Ritzmaier beim dritten Treffer überhaupt nicht attackiert, als er zunächst noch an Sommer scheiterte und im Nachschuss dann traf. Während Gladbach überhaupt keine Torchance im ersten Durchgang besaß, hatte Wolfsberg in Person von Anderson Niangbo eine weitere Großchance (28.).

Zur zweiten Halbzeit musste der schwache Neuhaus für Breel Embolo weichen. Mit dem in dieser Saison bislang so stark aufspielenden Ex-Schalker kam es aber auch nicht zur Aufholjagd. Alassane Plea vergab eine Großchance (60.) - das war's. Stattdessen traf auf der Gegenseite noch einmal Leitgeb per Kopf und sorgte dafür, dass viele Borussia-Fans aus dem Stadion flüchteten. Keine guten Voraussetzungen also für das Heim-Derby gegen die Fortuna. Für das Nachbarschaftsduell hatte Rose eine Rotation angekündigt. Angesichts der Vorstellung gegen Wolfsburg dürfte der Coach genügend Argumente haben, einige Akteure aus dem Team zu nehmen.

Wolfsburg gewinnt - immerhin

Der VfL Wolfsburg hat in der Europa League eine vollständige Blamage der Fußball-Bundesliga verhindert. Als einziger deutscher Verein gewannen die Niedersachsen ihr Auftaktspiel gegen den Außenseiter PFK Oleksandrija aus der Ukraine mit 3:1 (2:0).

Den ersten Europacup-Abend des VfL nach dreieinhalb Jahren verfolgten am Donnerstag bloß 10 112 Zuschauer in der nicht einmal halbleeren Volkswagen Arena. Doch wenn sie schon kein spektakuläres Spiel oder einen spektakulären Gegner zu sehen bekamen, wurden ihnen wenigstens die Selbstironie der grün-weißen Fankurve ("10 000 Wolfsburger, Schalalalala") und vier zumeist sehenswerte Tore geboten.

Beim 1:0 durch einen 30-Meter-Schuss von Maximilian Arnold lenkte sich der ukrainische Torwart Juri Pankow den Ball in der 20. Minute ungeschickt ins eigene Tor. Nur vier Minuten später veredelte Admir Mehmedi mit einem schönen Schlenzer eine per Hackentritt erbrachte Vorarbeit von Josip Brekalo (24.). Der Anschlusstreffer der ansonsten harmlosen Ukrainer gelang Jewgen Banada per Direktabnahme nach einem Freistoß (66.). Doch nur eine Minute später legte diesmal Mehmedi für seinen Sturmkollegen Brekalo auf (67.). Trotzdem war dieser Auftakterfolg für die "Wölfe" nicht mehr als ein Pflichtsieg gegen den vermeintlich leichtesten Gegner in dieser Gruppe I. Um am Ende einen der beiden ersten Plätze zu belegen und in die K.o.-Phase einzuziehen, muss die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner vor allem gegen AS Saint-Etienne aus Frankreich (3. Oktober) und KAA Gent aus Belgien (24. Oktober) bestehen.

Die Europa-League-Debütanten aus Oleksandrija rechtfertigten am Donnerstag nur eine Viertelstunde lang jenes Lob, das ihnen Glasner noch am Vortag entgegengebracht hatte ("Sehr gut organisiert"). Danach war ihnen der Bundesligist in allen Belangen überlegen. Das Spiel lief fast nur in Richtung des ukrainischen Tores.

Die meisten Wolfsburger Angriffe wurden dabei über die starke linke Seite mit dem spielfreudigen Kroaten Brekalo und dem besonders auffälligen Franzosen Jerome Roussillon vorgetragen. Beide brauchen solche internationalen Auftritte besonders, um sich bei ihren Nationaltrainern in Erinnerung zu rufen. Auf der rechten Seite verdrängte derweil der für rund neun Millionen Euro verpflichtete Schweizer Kevin Mbabu zum ersten Mal in dieser Saison den Brasilianer William aus der Startelf. Mehr Rotation gönnte Glasner seinem in drei Wettbewerben vertretenen Kader nicht.

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