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Europa League:Namhafte Stürmer zu Besuch

Inter Milan's Lautaro Martinez, right, celebrates with his teammate Romelu Lukaku after scoring his side's second goal during the Serie A soccer match between Inter Milan and Napoli at the San Siro Stadium, in Milan, Italy, Tuesday, July 28, 2020. (AP Photo/Antonio Calanni)

(Foto: AP)

Schalke hat eine enttäuschende Saison hinter sich - genauso wie Drittligist Duisburg. Doch nun herrscht Kontrastprogramm im Ruhrgebiet: Topklubs wie Inter Mailand kommen zur Finalrunde.

Von Ulrich Hartmann, Duisburg

Die Lust auf Fußball kann man Ivica Grlic nicht nehmen. Nicht einmal nach einem verpassten Aufstieg, für den der Sportdirektor mit seinem MSV Duisburg die Auszeichnung "Sportlicher Super-GAU der Saison" verdient hätte. An 20 Spieltagen war der MSV Tabellenführer der dritten Liga, an 28 Spieltagen stand er auf einem Aufstiegsplatz, aber nach dem finalen 38. Spieltag war man nur noch Fünfter. Ein Punkt und ein Tor fehlten zur Relegation. Das war's mit dem Traum von der Rückkehr in die zweite Liga. Fußball-Duisburg trägt Trauer, und ausgerechnet jetzt gastiert die Europa League mit ihrem als Finalrunde getarnten Corona-Notprogramm mit zwei Spielen in der Arena des Drittligisten MSV.

Grlic, 44, gebürtiger Münchner und einst für den FC Bayern und den TSV 1860 aktiv, will sich die Spiele trotzdem ansehen. "Fußball interessiert mich immer", sagt er. Die Achtelfinal-Partie zwischen dem FC Sevilla und AS Rom am Donnerstag und eine Viertelfinal-Partie am nächsten Dienstag könnten ihn ein bisschen hinwegtrösten über das sportliche Schicksal des eigenen Vereins.

Auf neutralen Böden werden in diesem Jahr die finalen Runden der europäischen Fußballwettbewerbe ausgetragen, die Champions League spielt in Lissabon, die Europa League in Nordrhein-Westfalen. In sechs der acht Duelle des Achtelfinals wurde im März noch das Hinspiel ausgetragen, sodass diese Rückspiele regulär in den eigentlichen Stadien der Vereine stattfinden. Bei zwei Achtelfinal-Duellen aber konnte in der Pandemie nicht einmal mehr das Hinspiel ausgetragen werden, sodass die Duelle zwischen Inter Mailand und dem FC Getafe an diesem Mittwoch in Gelsenkirchen sowie zwischen Sevilla und Rom am Donnerstag in Duisburg in einem singulären Spiel entschieden werden. Vom kommenden Montag an werden dann in Duisburg und Gelsenkirchen sowie zwei Mal in Düsseldorf und drei Mal in Köln die sieben Spiele von Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel ausgetragen. Das Finale ist am Freitag, 21. August, in Köln.

Die Fans all der prominenten internationalen Klubs freilich haben gar nichts von den Gastspielen in NRW, weil weder bei den Trainingseinheiten in Düsseldorf, Neuss oder Köln noch bei den Spielen Publikum zugelassen ist. Alle Partien finden gemäß jenen strengen Hygienevorschriften statt, mit denen die Bundesliga seit Mai europaweit von sich reden gemacht und mit dafür gesorgt hat, dass der europäische Fußballverband Uefa die Finalspiele nach Deutschland vergeben hat. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wertet die Entscheidung der Uefa gar als positives Zeichen für die avisierte Olympiabewerbung des Ruhrgebiets für die Sommerspiele 2032. "Das Vertrauen in unsere Region ist ein großes Kompliment für das Sportland NRW mit seinen hervorragenden Strukturen aus Vereinen, Stadien und zuverlässig arbeitenden Behörden", schwelgt Laschet.

Im Europapokal trat der MSV letztmals vor 22 Jahren auf

Wie in Duisburg gastiert die Europa League auch in Gelsenkirchen an einem zuletzt gebeutelten Standort. Die Arena auf Schalke hat zuletzt wenig guten Fußball erlebt - in der Bundesliga-Rückrunde erspielte Schalke einen Negativrekord von 16 Spielen ohne Sieg. Da kann man auf den Kontrast zum Duell zwischen dem spanischen Liga-Achten Getafe und dem italienischen Meisterschaftszweiten Inter Mailand gespannt sein.

Die Italiener sind favorisiert, sie verfügen über namhafte Stürmer in dem Belgier Romelu Lukaku, 27, und dem von vielen Klubs umworbenen Argentinier Lautaro Martínez, 22 - aber für Trainer Antonio Conte war seine erste Saison bei Inter trotz der Qualifikation für die Champions League kein rundherum angenehmes Ereignis. Kurz nach Beendigung der Serie A gab es mediale Kritik und vom chinesischen Klubchef Steven Chang keine Rückendeckung. Darüber hat sich Italiens Ex-Nationaltrainer bitter beklagt. "Meine Arbeit und die meiner Spieler wird nicht honoriert", sagte Conte am Samstag nach dem 2:0 bei Atalanta Bergamo: "Es gab völlig unbegründete Angriffe gegen Inter und gegen mich. Und dabei gab es kaum Unterstützung des Vereins." Die Zeichen stehen aktuell sogar auf Trennung.

Gegensätzliche Signale gab es zuletzt aus den Europa-League-Finalorten, aus Gelsenkirchen und Duisburg, denn sowohl auf Schalke als auch beim MSV dürfen die Sportdirektoren und Trainer weitermachen: Jochen Schneider und David Wagner auf Schalke sowie Ivica Grlic und Torsten Lieberknecht in Duisburg. "Wir greifen wieder an", sagt Grlic über den Versuch, dann eben 2021 in die zweite Liga zurückzukehren. Seit sieben Spielzeiten pendeln die Duisburger zwischen zweiter und dritter Liga, in der Bundesliga spielten sie zuletzt vor zwölf Jahren, im Europapokal trat der MSV letztmals vor 22 Jahren auf.

Insofern ist so ein Europa-League-Spiel in heimischer Arena zwar eine sehr ehrenvolle Angelegenheit, aber ohne die heimischen Zebras und ohne Publikum auch nur begrenzt vitalisierend für den Fußballstandort Duisburg.

© SZ vom 05.08.2020/jki
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