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Frankfurt in der Europa League:Der Poker fürs Rückspiel ist eröffnet

Eintracht Frankfurt - FC Chelsea

Ist noch guter Dinge: Frankfurts David Abraham (links).

(Foto: dpa)
  • Eintracht Frankfurt hat nach dem 1:1 im Halbfinal-Hinspiel gegen Chelsea noch gute Chancen auf das Finale der Europa League.
  • Trainer Adi Hütter hofft im Rückspiel auf den zuletzt gesperrten Ante Rebic.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen.

Adi Hütter war stolz. Das betonte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem 1:1 gegen den FC Chelsea Donnerstagnacht mehrfach. Ein "absoluter Achtungserfolg" sei dieses Remis gegen eine "absolute Spitzenmannschaft", lobte Hütter. Ein Unentschieden mit einem Gegentor in einem Halbfinal-Hinspiel der Europa League zu Hause gibt eigentlich keinen Grund zur Euphorie - das weiß auch Hütter, weshalb der Österreicher auch bemerkte, dass die Trümpfe im Rückspiel nun in der Hand des FC Chelsea lägen.

Aber hey: Ist diese Eintracht nicht schon so oft in dieser Europapokalsaison über sich hinausgewachsen? Hütter erinnerte an den 1:0 Auswärtserfolg bei Inter Mailand im Achtelfinale, nach einem Nullnull zuhause: Nun sagt er vor der Reise nach London selbstbewusst: "Alles ist möglich."

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Vor dem Eingang zur Haupttribüne des Frankfurter Stadions stand ein Wegweiser, der nach Osten zeigte und genau 3355 Kilometer von Frankfurt nach Baku auswies. Am 29. Mai findet in der Hauptstadt von Aserbaidschan das Finale statt. Diesem speziellen Sehnsuchtsort kam der FC Chelsea nach dem ersten Aufeinandertreffen wohl einen Schritt näher als die Frankfurter. Der Umweg über den Westen Londons könnte sich beim Rückspiel nächste Woche für die Eintracht als zu weit erweisen. Die Stimmung in der Kabine sei ein bisschen gespalten gewesen, gab Hütter zu.

Die Eintracht musste "viel leiden"

Einerseits freuten sich die Spieler über einen erneut tollen Europapokal-Abend. Die Fans hatten schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff ohrenbetäubend laut zu singen begonnen, nicht unterbrochen durch Stadionwerbung oder andere Störgeräusche. Beim letzten Heimspiel in dieser Europapokalsaison zelebrierten die Anhänger noch einmal ihren Enthusiasmus, den der englische Reporter in der BBC Radio 4-News-Sendung am Freitagmorgen als "remarkable" (bemerkenswert) bezeichnete. Andererseits habe der Gegner aber auch gezeigt, was für eine Spitzenmannschaft er sei. Hütter erzählte, seine Spieler fanden, Chelsea agiere noch einmal auf einem höheren Niveau als Donezk, Inter und Benfica Lissabon - jene Champions-League-Absteiger also, die die Hessen in der K.o.-Runde aus dem Wettbewerb gespielt hatten.

Die Eintracht musste nach starkem Beginn vor allem in der zweiten Halbzeit "viel leiden und viel nachlaufen" (Hütter). Wieder einmal waren die Eintracht-Profis gezwungen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen, Mijat Gacinovic beispielsweise wurde nach einer Krampfattacke ausgewechselt. "Wir haben schon 46 Spiele gemacht, das habe ich auch noch nicht erlebt - und ich bin schon 35", sagte Routinier Makoto Hasebe. Jetzt sei alles nur noch Kopfsache, meint der Japaner, der diesmal einen Libero vor einer Dreierabwehr und hinter einem massiven Mittelfeld spielte.

Vor allem in der Anfangsphase fing Hasebe viele Pässe des Gegners ab. Die Eintracht begann mutig und Luka Jovic erzielte ein Tor, wie nur er es kann: Jovic passte zu Filip Kostic, lief in Stellung und köpfte den Ball nach der Flanke seines serbischen Landsmanns akrobatisch auf Hüfthöhe ins lange Eck (23.). Es war der neunte Treffer im Wettbewerb für den 21-Jährigen, dem zwar sonst nicht viel gelang, aber der in dieser Aktion zeigte, warum die großen spanischen Klubs sich für ihn interessieren.

Ein zweiter Treffer wäre möglich gewesen - für beide Teams

Doch der Rückstand weckte Chelsea auf. Die Mannschaft hatte so schwer ins Spiel gefunden, wie der Fahrer des Buses der Firma Bohr aus Lautzenhausen im Hunsrück vor dem Anpfiff in die Katakomben der Arena. Unter dem Gejohle der Eintracht-Fans musste er vier Mal Anlauf nehmen, um das sperrige Gefährt mit den Chelsea-Profis an Bord in die enge Einfahrt zu manövrieren. Doch als er endlich ins Spiel gefunden hatte, dominierte der Vierte der Premier League den Vierten der Bundesliga klar. Der Ausgleich des Spaniers Pedro kurz vor der Pause war das endgültige Signal für den Machtwechsel auf dem Rasen. Mehrfach rettete Eintracht-Torwart Kevin Trapp im zweiten Durchgang das Remis - unter anderem lenkte er den Ball nach einem Freistoß von David Luiz noch an die Latte (60.).

Und doch hätte die Eintracht ihre Ausgangsposition noch verbessern können - aber die Kugel sauste nach einem Kopfball von David Abraham knapp über das Tor (85.). "Man hat die Klasse von Chelsea gesehen, aber auch unseren Mut und unsere Leidenschaft", resümierte Hütter, den auch ein Lob seines Kollegen stolz machte.